Weiterhin verstrahlt

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© Michaela Loewa / Greenpeace

Der atomare Unfall im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi am 11. März 2011 forderte mindestens 18.000 Menschenleben und ging als einer der schlimmsten Schicksalstage in die Geschichte Japans ein. Nach Angaben des neuen Greenpeace Reports leiden auch sechs Jahre nach der Katastrophe vor allem Frauen und Kinder unter der nuklearen Katastrophe Fukushima und sind von körperlichen, psychischen, finanziellen und sozialen negativen Aus-wirkungen betroffen.

International gibt es spezielle Bestimmungen, die Menschengruppen wie Frauen, Kinder, ältere und behinderte Personen besonders in Schutz nehmen – zum Beispiel durch die Einrichtung von Spielzimmern zum Abbau von Stress für Kinder oder durch den Schutz von traumatisierten Frauen vor Missbrauch und Vergewaltigung. Dies ist, obwohl Japan zu den Wohlstandsnationen zählt, nach dem Super-GAU nicht passiert: körperliche Gewalt und häuslicher Missbrauch nahmen zu. Vor allem Frauen und Kinder leiden unter der nuklearen Katastrophe.

Die Auswirkungen auf die Opfer sind weiterhin gewaltig. Frauen, die in der japanischen Gesellschaft signifikante wirtschaftliche und soziale Nachteile haben, ersichtlich beispielsweise an den enormen Gehalts- und Geschlechterunterschieden, waren weniger dazu in der Lage, mit der Katastrophe zurecht zu kommen als Männer. Der Mangel an unterstützenden Netzwerken, der Mangel an Management in Evakuationszentren und Wiederaufbau-Komitees, die Verteilung von Kompensationen ausschließlich an die Männer der Familien und viele weitere Faktoren führten zu sozialen, ökonomischen und psychischen Problemen.

Mehrere Studien haben offen gelegt, dass Frauen, Säuglinge, Kinder und Föten unter größeren gesundheitlichen Risiken stehen als Männer. Zu den Gesundheitsrisiken gehören Krebs, Fehlgeburten, Missbildungen, geistige Unterentwicklung, perinatale Sterbefälle und Herz-Kreislauf-Probleme. Weiterhin erkranken bei radioaktiver Belastung Frauen häufiger als gleichermaßen belastete Männer an allen Krebsarten außer Leukämie und Herz-Kreislauferkrankungen.

Angesichts der weiterhin bestehenden Katastrophe stellt Greenpeace acht Schlüsselforderungen an die japanische Regierung:

Taschen gefüllt mit radioaktivem Müll auf einem Grundschulspielplatz © Noriko Hayashi / Greenpeace
  1. Sicherstellung der vollen Ausgleichszahlungen an die Betroffenen
  2. Eine vollständige, akkurate und leicht zugängliche Informationspolitik
  3. Der offene Zugang für Fukushima-Opfer zu ihren medizinischen Daten und Testergebnissen
  4. Reduzierung der Expositionsstärke auf ein Maximum von 1 Millisievert pro Jahr, was dem internationalen Standard entsprechen würde
  5. Sicherstellung der vollständigen und gleichberechtigten Partizipation in Entscheidungsprozessen bezüglich der Fukushima-Katastrophe
  6. Die gleichwertige Repräsentation von Frauen in Führungspositionen in Beratungs- und Notfallplanungseinrichtungen
  7. Entwicklung und Unterstützung von Initiativen, die die von Fukushima betroffenen Frauen unterstützen
  8. Festlegung einer neutralen Vertrauensperson für Kinder, um die Rechte von Kindern und Jugendlichen zu schützen

In Japan entsteht eine kleine Bewegung: Viele Frauen nehmen nun ihr Schicksal in die eigenen Hände und lösen sich aus ihren traditionellen Rollenbildern, indem sie Widerstand gegen die japanische Regierung und ihren Versuch leisten, Menschen wieder in die weiterhin verstrahlten Gebiete zurück zu transferieren. Es wurden Online-Netzwerke gegründet, Demonstrationen geplant, Entschädigungen eingefordert: Das dramatische Ereignis scheint daher auch eine kleine positive Seite aufzuweisen und als „Motor für mehr Gleichberechtigung in Japan“ zu wirken.

 

Quellen:
Greenpeace: Doppelt verletzlich
Greenpeace Report: Unequal Impact