Ein Gezeitenenergiezaun an der britischen Küste

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Wasserkraft Gezeitenenergie Bristol, England
Wasserkraft Gezeitenenergie Bristol, England

In Großbritannien wird es wohl eine Renaissance der Atomkraftwerke geben: Mit dem Bau neuer Kernreaktoren macht die Insel in der Umweltpolitik einen Schritt zurück.

Gleichzeitig bleibt das Potential der erneuerbaren Energien nicht ungenutzt: Denn wenn es um das Einfangen der Wellen- und Gezeitenenergie geht, sind die Briten ganz vorne. Vor allem mit innovativen Ideen.

Ein neues Projekt ist nun im Bristolkanal, einer Bucht zwischen Westengland und Wales, geplant. Hier soll ein neues Gezeitenkraftwerk entstehen. Die Anlage wird von dem Unternehmen Kepler Energy sowie dem Department of Engineering Sciences der Universität Oxford entwickelt. Bei Ebbe und Flut wird sich die neuartige Turbine gleichermaßen drehen, nur eben in jeweils umgekehrter Richtung. Das heißt, die Anlage kann durchgehend Strom produzieren.

Gezeitenkraftwerk kann 30 Megawatt an Leistung bereitstellen.

Die Mitarbeiter des Instituts für Ingenieurwissenschaften haben den Meeresboden als Betriebsort der Anlage ausgewählt. Das Kraftwerk wird von der Meeresoberfläche demnach nicht sichtbar sein. Betonpfeiler stützen das Gestell und umgeben den Generator, damit er trocken liegt. Des Weiteren werden die Turbinen zwischen ihnen eingehakt. Diese sogenannten querverlaufenden horizontalen Achsenwasserturbinen (THAWT) sind relativ leicht, denn sie bestehen aus Kohlenstoffasern. Um eine möglichst hohe Effizienz und Haltbarkeit zu gewährleisten, haben die Ingenieure die Flächenstruktur der Rotorblätter dreigeteilt.

Eine Turbine ist jeweils 60 Meter lang und hat einen Durchmesser von zehn Metern. Im Versuch erreichten zwei mit einem Generator verbundene Turbinen eine Leistung von 4,4 Megawatt bei einer Fließgeschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde.

Geplant ist eine Länge von einem Kilometer mit einer voraussichtlichen Leistung von 30 Megawatt. Zum Vergleich: Ein Megawatt versorgt 1.000 Häuser in Großbritannien. Die Leistung ließe sich noch ausbauen, da die Anlage beliebig erweitert werden kann. Die Kosten für den ersten Kilometer belaufen sich auf rund 200 Millionen Euro.

Anlage bietet Vorteile gegenüber bisherigen Gezeitenenergiekraftwerken

Die Investitions- und Wartungskosten der Anlage sind dank des geringen Gewichtes relativ gering. So benötigt Kepler Energy keine speziellen Schiffe für den Transport zum Standort. Übliche Gezeitenenergiekraftwerke sind wie riesige Windräder konstruiert: Sie brauchen Platz und eine Wassertiefe von mindestens 30 Metern. Die Anlage von Kepler Energy funktioniert auch im flachen Gewässer und mit geringerer Fließgeschwindigkeit des Wassers.

Meeresbewohner sollen von der Konstruktion nicht beeinträchtigt werden, da die Wasserströmung in der Meeresenge gering ist. So haben Fische Zeit, auszuweichen. Die Anlage würde auch gut im Einklang mit Gezeitenlagunen funktionieren.

Wenn das Gezeitenkraftwerk tatsächlich gebaut wird, könnte es schon im Jahr 2021 in Betrieb gehen.

 

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