Was passiert wirklich mit dem Beifang?

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Das im Jahr 2015 eingeführte Anlandegebot wird nicht eingehalten © BELGA_Xinhua_Wei Peiquan

Seit jeher hat die Fischerei mit lästigem Beifang zu kämpfen. Damit durch die Überfischung nicht auch die Bestände gefährdet werden, wurde 2015 das Anlandegebot eingeführt. Doch nun geht aus Daten der Bundesregierung und Schätzungen des Thünen-Instituts hervor, dass dieses Gebot anscheinend zum Großteil nicht eingehalten wird. Da diese Missachtung wahrscheinlich auf die geringen Kontrollen zurückzuführen ist, fordert der WWF nun konsequentere Maßnahmen.

Um die hohe Quote von Beifang zu senken, wurde 2015 das sogenannte Anlandegebot für die Fischerei eingeführt. Dies besagt, dass es den Fischern im Gegensatz zu vorher verboten ist, den ungewünschten Beifang wieder in Meer zu werfen. Stattdessen müssen sie seit der Einführung des Gebots den gesamten Fang mit an Land bringen und dort angeben, wie viel unerwünschten Beifang sie mitgebracht haben. Das Ziel dieses Gebots ist, dass die Fischerei ihre Fangtechniken dahingehend verändert, dass sich im Netz am Ende möglichst nur genau der Fisch befindet, der auch beabsichtigt wurde. Durch diese Maßnahme soll die hohe Quote an Beifang gesenkt und die nachhaltige Fischerei gefördert werden.

Doch nun wird diesbezüglich Kritik des WWF laut. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion Die Linke geht laut Stella Nemecky, Fischereiexpertin des WWF, eindeutig hervor, dass sich nicht an dieses Gebot gehalten wird. Die Ursache für diese Missachtung sieht sie in der mangelnden Kontrolle: „Deutschland kontrolliert seine Fischerei in Nord- und Ostsee nicht ausreichend. Illegale und nicht gemeldete Rückwürfe von Fisch von deutschen Kuttern gefährden daher weiterhin die Erholung der Bestände und eine nachhaltige Fischerei“. Geringe 1,6 Prozent der Fangfahrten in der Ostsee wurden von Behörden kontrolliert. Dabei wurde in den letzten zwei Jahren nicht ein einziger Verstoß gemeldet. „Die Überprüfungen auf See sind völlig unzulänglich. Eine Strafe müssen die Fischer offenkundig nicht fürchten“, so Nemecky. Zum Großteil wird auf die Meldungen der Fischer vertraut. Gerade dies wird vom WWF stark kritisiert, denn sich darauf zu verlassen, dass eine jahrelange Gewohnheit von jetzt auf gleich abgelegt und geändert wird, ist laut WWF grob fahrlässig.

© Rob Bouwman, iStock, Thinkstock
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Nemecky zieht ihre Erkenntnis daraus, dass die gemeldeten Beifänge, die aus dem Antwortschreiben der Bundesregierung herauszulesen sind, weit von den geschätzten Werten des Thünen-Instituts abweichen. So wird geschätzt, dass allein durch die Fischerei mit Schnellnetzen in der westlichen Ostsee circa 10 Tonnen Jungdorsche gefangen werden. In den Logbüchern der Fischer sind jedoch lediglich weniger als 600 Kilogramm dokumentiert. Da mit diesen Fischen kaum Gewinn zu machen ist, wird nun davon ausgegangen, dass sie ungemeldet – und daher illegal – zurück ins Meer geworfen werden. Daher fordert Nemecky: „Mit den mangelhaften Seekontrollen verhindern die deutschen Behörden, dass die eingeführten Schutzmaßnahmen greifen. Wir brauchen dringend einen Kontrollmechanismus, der zur Einhaltung der Gesetze beiträgt. Hier wäre Kamera-Überwachung eine gute Lösung“

Im Grunde würden dieses Gebot und die erhofften Maßnahmen auch den Fischern selbst zu Gute kommen. Denn dadurch würde die Überfischung der Bestände abnehmen und durch deren Erholung die nachhaltige Fischerei gefördert werden. Dieser Punkt ist nicht unwichtig, wenn es um die Zukunft der Fischerei geht. Der Fischereischutzverband hielt direkt seit Beginn nicht allzu viel von diesem Gebot. Denn dadurch, dass die Fischer nun nicht mehr auf See ihren Fang aussortieren müssen, sondern diesen so wie er ins Netz geht mit an Land bringt, fällt hier nur ein aufwändiger Arbeitsschritt auf dem Boot weg.

Quellen: FischereischutzverbandWWF