Was ist dran am „Glyphosat-Problem“?

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Glyphosat in Deutschland
Glyphosat in Deutschland

Ganz Deutschland spricht darüber: In deutschen Bieren wurde das Herbizid Glyphosat nachgewiesen – allerdings in geringen Mengen. Doch nicht nur in Bier findet sich das von der WHO als potenziell krebserregend eingestufte Pflanzengift. Auch andere Lebensmittel des täglichen Gebrauchs sind damit belastet. Nun ist eine kontroverse Debatte entbrannt über die im März anstehende Entscheidung bezüglich der EU-weiten Neu-zulassung von Glyphosat. Auf der einen Seite stehen die Gegner des Giftes. Auf der anderen Seite Verbände, Landwirte und einige Wissenschaftler, die hinter dem Medienrummel gezielte Panikmache vermuten.

Viele Biersorten sind mit Glyphosat belastet. Sollte das Um-weltinstitut München, das die Biersorten auf Rückstände des Herbizids getestet hat, nicht dreist gelogen haben, gibt es an dieser Tatsache nichts zu rütteln. Klar ist jedoch auch: Die gefundenen Mengen sind nicht gefährlich hoch. Man müsste schon sehr große Mengen trinken, damit der Unkrautvernichter ernsthafte gesundheitliche Schäden anrichten kann – behauptet der Verband deutscher Bierbauer (DBB). Auch das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) bestätigt das: „Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken.

Auch die Untersuchung des Münchener Instituts selbst wird von vielen Seiten in Frage gestellt. Zahlreiche Wissenschaftler und Verbände kritisieren sie als wenig transparent, nicht aussagekräftig und damit unseriös. Der Grund: Das Institut hatte nur jeweils eine Flasche der verschiedenen Biersorten getestet und bis auf die drei am stärksten belasteten Biermarken keine weiteren Chargen überprüft. Außerdem hält das Umweltinstitut geheim, welches Labor es mit dem Test beauftragt hat und welche Analysemethoden angewandt wurden. Viele Kritiker halten die Studie daher für nicht glaubwürdig. Der DBB schrieb in einer Stellungnahme:

„Da uns weder die vollständige Untersuchung vorliegt, noch die Analysemethoden hinreichend belegt wurden, müssen wir die Seriosität der Untersuchung ernsthaft in Zweifel ziehen“. Auch das dargestellte „Ranking“ der Biere sei „absolut unseriös“. Das Umweltinstitut stelle selbst fest, dass der Test nur auf einer „kleinen Anzahl von Proben“ beruhe und „keine generelle Aussage über die Belastung des Bieres einer bestimmten Marke“ zulasse. Die Brauereien ließen zudem ihr Braumalz immer auf Glyphosat untersuchen, und man habe nie bedenkliche Mengen gefunden. Außerdem schreibe das Institut selbst, dass sich Spuren von Glyphosat „inzwischen fast überall“ nachweisen ließen. Das Umweltinstitut München betont, es sei nicht beabsichtigt gewesen, die deutschen Brauer an den Pranger zu stellen. Man habe nur auf das „Glyphosat-Problem“ als Ganzes aufmerksam machen wollen.

Auch die Gegner des Herbizids sehen in der allgemeinen Belastung vieler Lebensmittel den Grund, warum Glyphosat so schnell wie möglich verboten werden sollte. Zwar räumen sie ein, dass die im Bier gefundenen Mengen wahrscheinlich unbedenklich seien, doch insgesamt trage der Konsum zur schleichenden Dauerbelastung für uns Menschen bei. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte den Unkrautvernichter letztes Jahr als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Bei so gefährlichen Stoffen dürfe es keine akzeptable Untergrenze geben, so die Argumentation.

Dabei herrscht derzeit noch immer Uneinigkeit, ob Glyphosat überhaupt ein Problem für uns ist. Unbestreitbar ist allerdings: wir alle nehmen täglich Spuren des Unkrautvernichters über Nahrung und Getränke auf. Glyphosat lasse sich nicht nur im Bier, sondern auch in Getreide und Obst nachweisen, schreibt der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Jährlich werden rund 5000 Tonnen davon in Deutschland versprüht. Der NABU spricht sogar von 6000 Tonnen. Rund 39 Prozent aller Ackerflächen würden damit behandelt. Auch im privaten Bereich wird das Gift häufig verwendet. Die Rückstände gelangen schließlich zu uns auf den Tisch. „Glyphosat ist in immer mehr Produkten des täglichen Gebrauchs enthalten, und das in bedenklicher Konzentration, betont der NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Auch für die Tierwelt ist das Gift ein Problem: Bereits letztes Jahr hatte das Umweltbundesamt gewarnt, der massive Einsatz von Glyphosat trage zum Verlust der biologischen Vielfalt bei. Der Unkrautvernichter entziehe vielen Vögeln indirekt die Lebensgrundlage und schädige so die Ökosysteme. Das UBA fordert daher, den Einsatz von Glyphosat zumindest einzuschränken.

Dem NABU, dem Umweltinstitut München und anderen Umweltverbänden geht das allerdings nicht weit genug. Sie fordern, das Mittel dürfe nicht länger verwendet werden. Im März steht die Entscheidung der EU-Kommission wegen der erneuten Zulassung an. Die Grünen hatten letzte Woche einen Antrag im Bundestag eingereicht, mit dem die Neuzulassung verhindert werden sollte. Der Bundestag lehnte diesen allerdings mir klarer Mehrheit ab. Die Forschung sei sich noch nicht einig, ob Glyphosat tatsächlich eine Gefahr sei oder nicht, so die Begründung. Die EU-Kommission zumindest scheint nicht an die Gefährlichkeit zu glauben. Aus Brüssel hieß es kürzlich, man werde den Mitgliedsstaaten im März die Zulassung des Pflanzengiftes für weitere 15 Jahre empfehlen.

Nun werden vielerorts Vermutungen laut, dass die Untersuchung des Umweltinstituts München gezielt veröffentlicht wurde, um Stimmung gegen die Neuzulassung zu machen. Gezielter Lobbyismus und Panikmache also, mit dem Ziel, ein unbedenkliches Pflanzenschutzmittel zu verbieten? Oder der Kampf gegen ein potenziell gesundheitsschädliches Gift? Sobald die Neuzulassung für die nächsten 15 Jahre durch ist, wird diese Frage hinfällig sein. Was passiert, wenn sich die Schädlichkeit des Giftes dann doch bewahrheitet, bleibt abzuwarten. Für unsere Gesundheit wäre das eine denkbar schlechte Entwicklung des Glyphosat-Problems. 

Quellen: NABU / Spektrum.de / Tagesschau.de / Deutscher Brauer Bund 

 

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