Wärmedämmung ist nicht immer die beste Option

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Massivhäuser haben häufig eine bessere Wärmebilanz als gedämmte

Alle paar Jahre passiert es: eine verschärfte Version der Energieeinsparverordnung (EnEV) wird präsentiert und soll umgesetzt werden. Von Neuerung zu Neuerung werden die Anforderungen an die Dämmung von Gebäuden verschärft. Aber ist Dämmung wirklich immer die beste Option?

Das fast durchgängige Credo ist: durch Dämmung lässt sich der Wärmebedarf von Gebäuden immens senken. Und irgendwann amortisieren sich auch die – teilweise enorm hohen – Kosten. Doch wie bei allem anderen auch, gibt es auch hier Zweifel und Zweifler.

Massivbauten speichern Wärme – ohne Dämmung

Bereits 1985 untersuchten Wissenschaftler des Fraunhofer IBP-Instituts für Bauphysik das Verhalten von Dämmstoffen im Vergleich zu Massivwänden und kamen zu dem Ergebnis, dass die Massivbauten weniger Energie benötigten.

Neuere Untersuchungen stützen nun dieses Ergebnis:

  • Das Hamburger Gewos-Instituts untersuchte den Heizenergieverbrauch von Mehrfamilienhäusern mit einer massiven Ziegelwand, ein Mal mit und ein Mal ohne Außendämmung.
  • Jens Fehrenberg, Professor für Baukonstruktion an der Hochschule für angewandte Wissenschaft in Hildesheim führte eine Langzeituntersuchung an einem gedämmten und einem ungedämmten Mietshaus mit massiven Ziegelsteinwänden einer Hannover Wohnungsgesellschaft durch.

Sowohl das Fraunhofer-Institut als auch Fehrenberg erklären diesen Effekt folgendermaßen: Während massive Mauern im Winter die Wärme der Sonneneinstrahlung speichern und bis in den Abend hinein in die Innenräume abgeben, geschieht dies bei gedämmten Wänden nicht mehr. Die Dämmung verhindert die Wärmespeicherung.

Auch Berechnungsgrundlagen fraglich

Eine Studie der Universität Cambridge stellt zudem die in Deutschland angewandten Formeln zur Berechnung des Heizenergiebedarfs in Frage. Architekturforscher der britischen Hochschule verglichen die Ergebnisse theoretischer Bedarfsrechnungen mit dem tatsächlich Heizenergieverbrauch von 3.400 Wohnhäusern in Deutschland.

Während Energieberater einen durchschnittlichen Verbrauch von 225 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr errechnet hatten, waren es tatsächlich nur 150 Kilowattstunden. Die Mehrzahl neuer Niedrigenergiehäuser hingegen wies höhere Verbrauchswerte auf als kalkuliert.

Was heißt das für Hausbesitzer?

Kritisch bleiben und vielfältige Informationen einholen. Jedes Haus ist anders und muss individuell betrachtet werden. Eine Beratung sollte immer möglichst unabhängig sein – denn wer an einem Auftrag selbst verdient, wird seine Umsetzung auch empfehlen. Und gerade auch im Dämmmarkt geht es um hohe Investitionen, die zudem auch noch oft staatlich gefördert werden – für Hersteller und Verkäufer verlockendste Umstände.

 

One Response

  1. Leif Wilcke

    12. Januar 2015 10:27

    Wenn Dämmstoffe nicht funktionieren muss die Frage erlaubt sein warum wir dann alle nicht hinter min. 50 cm dicken Burgmauern leben ?
    Hier wird einfach vernachlässigt, dass nicht immer die Sonne scheint und wir an über 200 Tagen des Jahres heizen- also das ungedämmt unerwärmte Mauerwerk von kompensieren müssen.
    Kurz gesagt: Die bauphysik lässt sich nicht betrügen. Mit solchen Berichten wird keine einzige kwh dringend benötigter CO2 Einsparung erreicht.
    Leif Wilcke
    Architekt, Energieberater, zert. Passivhausplaner,

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