VW spricht Klartext: So kam es zum Abgas-Skandal

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VW-Abgas-Skandal
VW-Abgas-Skandal

Die derzeit im Kreuzfeuer stehende Volkswagen Gruppe hat auf einer Pressekonferenz erstmals bekanntgegeben, welche Umstände zu der Abgas-Affäre geführt haben. VW versprach die Schuldigen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Mutmaßlich Beteiligte aus dem Management seien bereits beurlaubt. Zudem kündigte der Konzern eine völlige Neuausrichtung an. Dazu gehöre vor allem, Abgastests künftig grundsätzlich extern und unabhängig durchführen zu lassen. Außerdem sollen Neufahrzeuge dann nicht nur im Labor, sondern auch auf der Straße getestet werden. VW sprach allerdings nur von „stichprobenhafte Tests“.

 

CO2-Werte waren nicht manipuliert

Bereits am Mittwoch hatte es erstmals seit Beginn der Abgas-Affäre im September ein leises Aufatmen im VW-Vorstand gegeben. Der neuerliche Verdacht, dass auch hinsichtlich der CO2-Emissionen vieler VW-Modelle getrickst worden sein könnte, habe sich nicht bestätigt, hieß es aus Wolfsburg. Nach umfassenden internen Prüfungen und Messkontrollen habe sich gezeigt, dass „fast alle diese Modellvarianten doch den ursprünglich festgestellten CO2-Werten entsprechen“. Nur bei einigen Modellen seien „leichte Abweichungen“ festgestellt worden. Diese seien aber nicht durch rechtswidrige Veränderungen zu erklären. Nun wolle man sich weiter voll auf die, laut Vorstands-Chef Hans Dieter Pötsch, „schonungslose Aufklärung“ der manipulierten Stickoxid-Werte konzentrieren.

Schonungslose Aufklärung durch „Task Force“

Bei der ersten großen Pressekonferenz seit Bekanntwerden des Abgas-Skandals äußerte sich der Konzern gestern erstmals dazu, welche Konsequenzen aus der Affäre gezogen werden und wie weit die Aufklärung fortgeschritten ist. VW-Chef Matthias Müller versicherte: „Wir tun alles, um die aktuelle Situation zu bewältigen“. Dazu gehöre auch, innerhalb des Konzerns die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Zu der Abgas-Affäre haben nach Ansicht des Unternehmens unter anderem individuelles Fehlverhalten und persönliche Versäumnisse einzelner Mitarbeiter sowie die Tolerierung von Regelverstößen in einigen Unternehmensbereichen geführt. Nun sei eine „Task Force“ dabei, riesige Mengen an Daten zu sichern und Mitarbeiter zu den Vorfällen zu befragen. Insgesamt seien bereits rund 1.500 elektronische Datenträger von zirka 380 Mitarbeitern eingesammelt worden.

Die für die Manipulation verantwortlichen Personen werden dann wahrscheinlich auch strafrechtlich belangt werden. VW teilte mit, bei der Aufklärung werde vor allem darauf geachtet, dass „die Erkenntnisse nicht nur plausibel und stimmig, sondern auch gerichtsfest sein müssten“. Neun mutmaßlich an den Manipulationen Beteiligte aus dem Management seien bereits vom Dienst freigestellt worden. „Kein Geschäft rechtfertigt es, gesetzliche und ethische Grenzen zu überschreiten“, sagte Pötsch vor versammelter Presse.  „Ich garantiere Ihnen hier und heute, dass wir diese rückhaltlose Aufklärung zum Abschluss führen werden. Dafür stehe ich, dafür steht der gesamte Aufsichtsrat der Volkswagen AG“. Namen nennen wollte VW jedoch nicht, weil die Erkenntnisse erst wasserdicht sein müssten, so die Begründung.

So kam es zum Einsatz der Manipulations-Software

Wie genau es zu der Diesel-Affäre kam, konnte der Autobauer offenbar bereits weitgehend rekonstruieren. Ausgangspunkt sei eine „strategische Entscheidung zu einer groß angelegten Dieseloffensive in den USA im Jahr 2005“ gewesen. Damals sei kein Weg gefunden worden, um die in den USA wesentlich strengeren Grenzwerte für Stickoxide (NOx) „mit zulässigen Mitteln und im vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen zu erfüllen“. Um das Geschäft in den USA nicht zu gefährden, sei dann von einigen Verantwortlichen entschieden worden, die betreffende Software einzubauen. Auch als dann später ein effektives technisches Verfahren zur NOx-Reduktion zur Verfügung stand, sei es nicht so genutzt worden, wie es möglich gewesen wäre.

VW will stichprobenhafte Straßentests einführen

Um in Zukunft der Manipulation von Abgaswerten vorzubeugen, will der Vorstand den Konzern künftig völlig neu ausrichten. VW wolle die Krise nutzen, um den Wandel zu vollziehen, den das Unternehmen brauche, sagte Vorstandsvorsitzender Matthias Müller. Die wohl größte Konsequenz, die VW aus der Affäre zieht, ist eine weitreichende Änderung der Prüfungspraxis. So will Volkswagen Emissionstests künftig grundsätzlich extern und unabhängig durchführen lassen. Außerdem sollen stichprobenhafte Real-Life-Abgastests auf der Straße eingeführt werden. „Damit tragen wir hoffentlich dazu bei, Vertrauen zurückzugewinnen“, sagte Pötsch. Wie oft solche „stichprobenhaften“ Test dann durchgeführt werden sollen, ließ der Konzern bei der Pressekonferenz jedoch offen.

Volkswagen plant, zur Hauptversammlung am 21. April 2016 über den aktuellen Stand der Untersuchung zu berichten. Bis dahin soll im Konzern noch viel passieren: „Wir richten Volkswagen strategisch und technologisch neu aus. Unser Ziel ist es, die Zukunft der Mobilität mutig und entschlossen mitzugestalten“, erklärte Müller. Parallel dazu tue VW alles, um die negativen Auswirkungen des Abgas-Skandals auf die Geschäftsentwicklung zu begrenzen, versicherte Müller: „So ernst die aktuelle Situation auch ist: Dieses Unternehmen wird daran nicht zerbrechen. Wir haben eine klare Mission: Wir werden ein neues, besseres und stärkeres Volkswagen schaffen“.

Quelle: Volkswagen AG

 

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