EPA erhebt erneut schwere Anschuldigungen

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VW-Abgas-Skandal
VW-Abgas-Skandal

Der Skandal um die Abgas-Manipulation bei Volkswagen reißt nicht ab. Auch bei Diesel-Modellen mit Dreiliter-Motor soll VW das Programm eingesetzt haben, behauptet die amerikanische Umweltbehörde EPA. Dies habe sich bei eigenen Abgastests herausgestellt. VW bestreitet die Vorwürfe, gerät aber dennoch immer stärker unter Verdacht, dass bislang nicht alles offengelegt wurde. So musste der Autobauer gestern Abend einräumen, dass bei internen Untersuchungen weitere Manipulationen von Abgaswerten aufgedeckt wurden. Betroffen seien insgesamt 800.000 Fahrzeuge, darunter erstmals auch Modelle mit Benzinmotor.

VW hat bei mehr als den bisher bekannten elf Millionen Dieselfahrzeugen die Manipulations-Software eingesetzt. Das zumindest glaubt die EPA. So sollen der Umweltbehörde bei internen Tests weitere PKW von VW aufgefallen sein, die die Grenzwerte für Dieselabgasgifte im Straßenverkehr deutlich überschreiten. Betroffen seien Sechszylinder-Diesel mit 3,0 Litern Hubraum der Marken VW, Audi und erstmals auch von Tocherunternehmen Porsche.

Konkret nannte die EPA die Fahrzeugmodelle VW Touareg (Modelljahr 2014), Porsche Cayenne (2015), Audi A6 und A7 Quattro, A8 und A8L sowie der Audi Q5. Insgesamt seien damit in den USA mindestens 10.000 weitere Dieselfahrzeuge der Volkswagengruppe mit der illegalen Software ausgestattet. Sollte sich die Behauptung bestätigen, dürfte die Zahl der weltweit betroffenen Modelle jedoch weit höher liegen. Zudem ist laut EPA auch eine unbekannte Anzahl Fahrzeuge der Modellreihe 2016 betroffen. Die US-Behörde teilte mit, dass die auffälligen Modelle die in den USA zulässige Schadstoffgrenze teilweise um das Neunfache überschreiten.

Volkswagen äußerte sich am späten Montagabend zu den erneuten Vorwürfen der EPA und wies jegliche Schuld von sich. In einer Pressemeldung hieß es: „Die Volkswagen AG betont, dass keine Software bei den 3-Liter V6-Diesel-Aggregaten installiert wurde, um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern.“

Unklar bleibt allerdings, warum die EPA erneut so schwere Anschuldigungen erheben sollte, ohne konkrete Hinweise auf den Einsatz einer Einrichtung zur Manipulation der Abgaswerte bei weiteren Modellen gefunden zu haben. Im September hatte die US-Umweltbehörde den Abgas-Skandal ins Rollen gebracht, der sich für VW zur schlimmsten Krise in der Konzerngeschichte ausgeweitet hat. Auch diesmal ist die EPA von der Schuld des größten Autobauers der Welt überzeugt:

„VW hat einmal mehr seine Verpflichtungen missachtet, sich an die Gesetze zu halten, die saubere Luft für alle Amerikaner sichern“, sagte EPA-Vertreterin Cynthia Giles am Montag der US-Presse. Bei den betreffenden Fahrzeugen sei eine ähnliche Software zum Einsatz gekommen, die der Behörde zunächst nur nicht aufgefallen sei:

„Die Software in diesen Fahrzeugen beinhaltet ein oder mehrere Zusatz-Instrumente zur Abgas-Kontrolle, die der Konzern zur Zulassung der Modelle nicht offengelegt, beschrieben und begründet hat.“ Laut EPA erkennt diese Software explizit die in den USA gängigen Abgastests und schaltet dann in einen Modus, der die Stickoxide (NOx) gezielt reduziert. Für diese hochgiftigen Luftschadstoffe gelten in den USA besonders strenge Grenzwerte, weit strenger als in Europa.

Volkswagen jedoch behauptet, die verdächtige Software sei nicht illegal. Es handele sich dabei nicht um ein verstecktes Programm, sondern um eine sogenannte Zusatzeinrichtung zur Emissionskontrolle, die „im Genehmigungsprozess nicht hinreichend beschrieben worden sei“. Das Unternehmen versicherte, es werde mit der EPA „vollumfänglich kooperieren“, um alles „rückhaltlos aufzuklären“.

Dann kam gestern Abend der nächste Paukenschlag, der das ohnehin stark angekratzte Vertrauen in die Ehrlichkeit des VW-Konzerns erneut erschüttert haben dürfte. VW räumt bei einer Pressekonferenz in Wolfsburg ein, interne Ermittler hätten Hinweise darauf, dass bei rund 800.000 weiteren Fahrzeugen hinsichtlich der Abgaswerte betrogen worden sei. Konkret sprach VW von Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2). Das brisante: Erstmals sollen jetzt auch PKW mit Benzinmotor betroffen sein. Damit kommen weitere Kosten auf den Konzern zu. „Die wirtschaftlichen Risiken werden in einer ersten Schätzung auf rund zwei Milliarden Euro beziffert.“, so hieß es aus Wolfsburg.

Auch die VW-Aktionäre reagierten gestern entsprechend. Die Aktie verlor zeitweise rund fünf Prozent und lag zu Handelsschluss noch immer zwei Prozent im Minus. Seit Bekanntwerden der Abgas-Affäre im September musste der Konzern einen Aktienverlust von insgesamt mehr als 30 Prozent hinnehmen. Zudem drohen Milliardenstrafen, Klagen und weltweite Rückrufaktionen. Mehrere Länder, darunter Deutschland, die USA und Frankreich haben bereits Ermittlungen gegen VW eingeleitet.

Quelle: Focus.de / dpa

 

One Response

  1. Martin Uffmann

    5. November 2015 12:23

    Ein interessanter Text, danke fürs Aufgreifen. Leider treibt er meinen Blutdruck etwas nach oben 🙂 Ich habe heute morgen im Radio gehört, dass VW behauptet, die aktuell als falsch „geouteten“ Zahlen nicht etwa einer manipulativen Software zu verdanken, sondern sie einfach gleich falsch angegeben zu haben. Da fragt man sich doch, von wem oder wann solche Angaben durch die Behörden oder ein Aufsichtsorgan hinterfragt oder kontrolliert wurden. Ein Schelm wer böses dabei denkt…

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