Von der Intelligenz der Bienen

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Buchtipp: Von der Intelligenz der Bienen
Buchtipp: Von der Intelligenz der Bienen

Dass Bienen nützlich sind, daran zweifelt wohl kaum noch einer. Längst ist klar, dass unsere Versorgung durch Nahrung, und damit unser Überleben, ganz entscheidend mit von diesen winzigen Tierchen abhängt – sind sie doch diejenigen, die einen Großteil unseres Obst und Gemüses bestäuben. Auch das Halten von Bienen gewinnt immer mehr an Bedeutung, selbst in Städten werden Bienenkästen aufgestellt und der Honig der fleißigen Bestäuber geerntet.

Womit aber kaum jemand rechnet, ist, dass Bienen weit mehr sind als niedliche, triebgesteuerte, fleißige Arbeitstierchen.

Der Zoologe und Neurobiologe Randolf Menzel beschäftigt sich seit bereits fünf Jahrzehnten mit den kleinen Wesen und konnte dabei unter anderem die Navigationsweise der Bienen aufklären.

Und er sagt: “Bienen haben erstaunlich viele unserer geistigen Fähigkeiten.“

Nun hat er, gemeinsam mit dem Schriftsteller Matthias Eckholdt, sein gesammeltes Wissen über Bienen unter dem Titel „Die Intelligenz der Bienen“ aufgeschrieben. Das Wissen darüber, wie Bienen denken, planen und fühlen.

Dabei beschäftigt sich das Buch in den insgesamt 6 Kapiteln mit den Fragen…

  • Wie lässt sich die Biene überhaupt erforschen?
  • Wie funktioniert das Bienenhirn?
  • Welche Sinne hat die Biene – und wie genau funktionieren sie?
  • Wie lernen Bienen – und wie funktioniert ihr Gedächtnis?
  • Wie arbeitet das Bienenvolk als Ganzes – also wie verständigen, orientieren und organisieren sie sich?
  • Und schließlich: Welche Auswirkungen haben Chemikalien auf Bienen und ihre Fähigkeiten?

Menzel erzählt mit dem Buch auch seine Geschichte vom biologiebegeisterten Bub, über den auffallend-normalen Institutsleiter unter Hippie-Wissenschaftlern, bis zum erfolgreichen Bienenforscher und Kritiker des Einbringens von Chemikalien in die Natur. Er erzählt von Begegnungen mit spannenden Menschen, genauso wie von den immer neuen Technologien, die ihm auf seinem Weg begegneten.

Es fällt nicht schwer, sich von seiner Begeisterung für die Bienen anstecken zu lassen, wenn er von ihrem besonderen Fähigkeiten und den Unterschieden in den Charakteren einzelner Tiere erzählt. Man fiebert richtig mit, wenn er von seinen Entdeckungen und den Bemühungen, mit den Bienen „ins Gespräch“ zu kommen, berichtet. Wenn er ihre Tänze entschlüsselt (2014 registrierte sein Mitarbeiter Uwe Greggeis 600.000 Schwänzeltänze) und darüber sinniert, wie man mittels einer Robobiene den Bienen Botschaften übermitteln könnte.

Fazit: Was mich besonders an „Die Intelligenz der Bienen“ fasziniert, ist, dass Randolf Menzel uns nicht nur von seinen Erkenntnissen über die Bienen erzählt und damit fertige Weisheiten präsentieren würde, sondern dass er den Leser teilhaben lässt an seinen eigenen Erkenntnisprozessen. Er schweigt auch nicht darüber, dass der Tod der Bienen notwendiges Übel für die Forschung ist (wie in so vielen wissenschaftlichen Experimenten mit Tieren). Und erzählt von seinen wenigen – aber abschreckenden – Kontakten mit der Industrie als Sponsor.

Wer sich für das Wesen und Leben der Bienen interessiert, wird ganz sicher einige vergnügliche und spannende Stunden und so manche Aha-Momente beim Lesen erleben – neue wissenschaftliche Erkenntnisse inklusive. Durch die spannende Erzählweise fällt es wirklich schwer, das „Fachbuch“ wieder aus den Händen zu legen.

Das Werk von Menzel und Eckoldt ist damit ein wichtiger Beitrag für das Verständnis der Bienen, ein Baustein dafür, ihnen ein artgerechte(re)s Leben zu ermöglichen und ein verständlicher, faszinierender Einblick in die Welt der Forschung.

Über die Autoren

Der Zoologe und Neurobiologe Randolf Menzel, 1940 in Marienbad geboren, beschäftigt sich seit fünf Jahrzehnten mit Bienen. Er ist eine Autorität der tierischen Intelligenzforschung, über 30 Jahre lang leitete er das Neurobiologische Institut der Freien Universität Berlin und kann auf eine Fülle spektakulärer Erfolge verweisen. „Die Intelligenz der Bienen“ ist seine erste populäre Veröffentlichung.

Matthias Eckoldt, 1964 in Berlin geboren, ist Schriftsteller, Dozent und mehrfach ausgezeichneter Rundfunkautor.

Das Buch erschien am 28.03.2016 beim Knaus-Verlag und ist für 24,99 € (Österreich: 25,70 €, Schweiz: 33,90 CHF) erhältlich.

 

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