Von Bananenbäumen träumen

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Banana tree with a bunch of bananas with sunlight. Cultivated banana

Zugegeben die Überschrift macht etwas stutzig. Doch der Gedanke, der sich dahinter verbirgt ist mitreißend und weist auf die Problematik schrumpfender Dörfer und Bauernhöfe in Deutschland auf mal eine ganz andere Art und Weise hin.

Während deutschlandweit Bauernhöfe schließen müssen, weitet sich die Macht der Agrarkonzerne immer weiter aus. Die Missstände in der Nahrungsmittelproduktion sind dem Verbraucher oftmals nicht bewusst, obwohl sie doch weitreichende Folgen haben. Denn mit den großen Schlachtkonzernen wächst die Zahl der Subunternehmer, die  meisten großen Schlachtkonzerne beschäftigen mehr als die Hälfte ihrer Belegschaft über Werkverträge. Nur damit sind schließlich große Gewinne möglich und der Hunger der Bevölkerung nach günstigen Lebensmitteln – insbesondere Fleisch und Milchprodukten – kann befriedigt werden. Die Folge: in den vergangenen drei Jahren haben rund zehn Prozent der Milchviehbetriebe und der Schweinehalter in Deutschland aufgegeben.

Diese Problematik greift auch der Film mit dem neugierig machenden Titel „Von Bananen Bäumen träumen“ auf. Die Dokumentation spielt in dem ca. 12 Kilometer nördlich von der Elbe entfernten Oberndorf, Landkreis Cuxhaven. Ein 700 Jahre alter Ort mit rund 1500 Einwohnern, verteilt auf fünf Ortsteile. Verglichen mit anderen Dörfern im Osten findet sich in Oberndorf noch eine relativ gute Infrastruktur mit Dorfläden, vielen Vereinen und einem monatlichen Dorfkino. Bis 2014 gab es am Ort eine Grundschule mit damals 57 Kindern.

Ursprünglich ist die Region geprägt von der Milchviehhaltung. Der oben beschriebene anhaltende Strukturwandel in der Landwirtschaft betrifft auch diese Gegend massiv mit der Tendenz: große Höfe werden größer, kleine Höfe geben auf. Konkret bedeutet dies, dass sich von 1991 bis 2007 im Landkreis der Milchkuhbestand zwar nur um 4 Prozent verringert hat, die Anzahl der Betriebe allerdings um mehr als 50 Prozent. In Oberndorf: Vor 20 Jahren gab es noch 70 Höfe, jetzt sind es nur noch 32.

In Sorge um die wirtschaftliche Zukunft – denn die Gemeinedekasse war leer und Arbeitsplätze rar – hat Oberndorf 2010 einen Dorferneuerungsprozess initiiert. In Dorfwerkstätten entstanden somit viele innovative Ideen von der Gründung einer Energiegenossenschaft im Jahr 2012 über die zur Eröffnung einer gemeinschaftlich geführten Kulturkneipe bis hin zu Idee mit den Bananenbäumen: Die Basis dieser Geschäftsidee ist Gülle, die es in Oberndorf im Überfluss gibt. Mit Hilfe von Berliner Projektentwicklern gründen einige engagierte Dorfbewohner eine Bürgeraktiengesellschaft und entwerfen ein außergewöhnliches Geschäftsmodell. Der Rohstoff aus den Kuhställen soll die Energie liefern für die Aufzucht von afrikanischen Welsen und: Bananenbäumen!

Die mutige Idee beflügelt immer mehr Leute: Einheimische und Zugereiste, Erwachsene und Kinder fangen an zu träumen und krempeln mit weitem Blick die Ärmel hoch. Doch der Erfolg lässt auf sich warten, die Schule soll geschlossen werden, und bis die ersten Fische kommen, ist es ein langer Weg. Über einen Zeitraum von drei Jahren erzählt die Filmemacherin Antje Hubert von der kleinen, aber dynamischen Bewegung – getragen von ganz unterschiedlichen Menschen, die nach und nach nicht nur ihr Dorf, sondern auch sich selbst verändern.

Der Film greift damit nicht nur die Probleme, mit denen sich Bewohner kleiner Dörfer und Bauern immer mehr konfrontiert sehen auf, sondern zeigt den Mut, große Ideen zu verfolgen und dass sich dies auch lohnt.