VKU: Fracking und Nitratbelastung gefährden Trinkwasser

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Umweltschutz - Trinkwasser
Umweltschutz - Trinkwasser

Die Risikotechnologie Fracking und die steigende Nitrat-belastung der Böden gefährden nach Ansicht der Wasser-versorger die Qualität des Trinkwassers in Deutschland. Daher fordert der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) die Politik dazu auf, dringend ein neues Wasserschutzgesetz zu verabschieden und die Düngeverordnung zu novellieren. Beim Fracking werden mit Chemikalien versetzte Flüssigkeiten ins Erdinnere gepresst, die das Grundwasser verunreinigen können. Nitrat wiederum gelangt durch Düngung der landwirtschaftlichen Flächen mit Gülle in die Böden. Bei Messungen stellen Experten in den deutschen Gewässern immer wieder stark überhöhte Nitratkonzentrationen fest. 

Unser Trinkwasser gehört zu den am stärksten kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland – auch dank der Trinkwasserverordnung aus dem Jahr 2001. Dieser liegt eine EU-Richtlinie zugrunde, die besagt, dass „die menschliche Gesundheit vor nachteiligen Einflüssen, die sich aus der Verunreinigung von Wasser ergeben“, geschützt werden soll.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) warnt jetzt allerdings vor zwei akuten Problemen, die die Einhaltung dieser Richtlinie zunehmend gefährden: Die erste Bedrohung geht nach Ansicht des Verbandes von der umstrittenen Fördermethode von schwer erschließbaren Öl- und Gasvorkommen aus, dem sogenannten Fracking. Dabei werden unter hohem Druck Flüssigkeiten (sog. Frack-Fluide) in die Erde gepresst, um das Gestein durchlässiger zu machen und die Vorkommen leichter ausbeuten zu können. Welche Chemikalien dabei genau eingesetzt werden bleibt oft das Geheimnis der Bohrunternehmen. Fakt ist allerdings, dass viele davon als wassergefährdend, giftig für den Menschen oder krebserregend eingestuft sind. Auch in Deutschland weisen die ausgewählten Frack-Fluide „hohe, bzw. mittlere bis hohe human- und ökotoxikologische Gefährdungspotenziale auf“, so das Urteil eines Gutachtens des Umweltbundesamts (UBA).

Zwar argumentieren die Ölkonzerne immer wieder, die Chemikalien könnten unter keinen Umständen ins umliegende Grundwasser gelangen, doch in den USA wurden bereits mehrere Vorfälle dokumentiert, bei dem nachweislich genau das geschehen ist. In Deutschland wird zwar bei weitem nicht so viel gefrackt, dennoch kann eine versehentliche Kontamination des Grundwassers auch hier nicht ausgeschlossen werden.

Das zweite Problem, dass laut des VKU das deutsche Trinkwasser gefährdet, ist die steigende Nitratbelastung, die durch intensive Viehhaltung beziehungsweise das Ausbringen von Gülle auf die Felder verursacht wird. Nitrat ist ein für Pflanzen lebensnotwendiger Nährstoff. Unser Körper jedoch hat dafür keine Verwendung – es belastet unseren Organismus sogar. Zudem kann Nitrat Schwermetalle enthalten, die unsere Gesundheit nachhaltig schädigen können.

Noch bedenklicher ist allerdings das aus Nitrat gebildete Stoffwechselprodukt Nitrit. Dieses kann Verbindungen bilden, die sich bei Tierversuchen als krebserregend erwiesen haben. Das Bundesamt für Risikobewertung empfiehlt daher, so wenig Nitrat bzw. Nitrit wie möglich aufzunehmen – ein schwieriges Unterfangen, da die Pflanzen überschüssiges Nitrat speichern und wir es über die Nahrung zu uns nehmen.

Auch unser Trinkwasser ist zum Teil erheblich mit Nitrat kontaminiert. Bereits 2010 teilte das UBA mit, dass rund die Hälfte aller bundesweit getesteten Proben deutlich bis stark mit Nitrat belastet sind (35 Prozent) oder sogar „nicht ohne Weiteres zur Trinkwassergewinnung genutzt werden können“ (14 Prozent).

Der VKU fordert jetzt die Regierung auf, dringend und schnell Maßnahmen zum Schutz unseres Trinkwassers zu ergreifen: „Damit auch zukünftige Generationen auf die sichere und nachhaltige Versorgung mit der Ressource Wasser vertrauen können, ist die Politik gefordert. Wir und künftige Generationen brauchen wirksame Regelungen, um das Trinkwasser zu schützen“, forderte Verbands-Sprecherin Katherina Reiche.

Zum Fracking sagt Reiche: „Wir brauchen dringend ein Wasserschutzgesetz. Der bestehende Rechtsrahmen gewährleistet diesen Schutz nicht.“ Regierung und Regierungsfraktionen seien bei der Erarbeitung eines solchen Wasserschutzgesetzes schon weit gekommen. „Jetzt müssen die Fraktionen auch noch den letzten Schritt gehen. Das ist die dringende Bitte der kommunalen Wasserwirtschaft!“, so Reiche.

Zu den steigenden Nitratbelastungen sagt Reiche: „Während wir auf allen anderen Feldern Welt- oder Europameister sind, liegen wir in Bezug auf Nitratkonzentrationen im Grundwasser auf einem traurigen vorletzten Platz im EU-Vergleich.

Der Verband fordert daher die Düngeverordnung zu erneuern, „um Nitratüberschüsse aus der Landwirtschaft wirksam zu reduzieren“. „Die bisher vorgeschlagenen Maßnahmen gehen nicht weit genug“, so Reiche. Die Menge der aufgebrachten Düngemittel müsse besser überwacht und die Landwirte sanktioniert werden, sollten sie zu viel Dünger verwenden. Andernfalls stünden bald nicht mehr genügend unbelastete Rohwasserressourcen für die Trinkwassergewinnung zur Verfügung, so die Befürchtung der Wasserversorger.

Dann müssten diese das Nitrat technisch aus dem Grundwasser entfernen, neue Quellen erschließen oder Wasser von weit herholen. Das Umweltbundesamt prognostiziert, dass das pro Kubikmeter Wasser bis zu einem Euro mehr für die Verbraucher auf der Wasserrechnung bedeuten könnte. Ein Zwei-Personenhaushalt mit 80 Kubikmeter Wasserverbrauch würde dann nicht wie bislang durchschnittlich 95 Euro pro Jahr, sondern eher 140 Euro zahlen.

Quelle: Presseportal / http://www.nitrat.de/Gesundheit/gesundheit.html / 

 

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