Verhältnis der Politik zur Atomindustrie

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Atomenergie
Atomenergie

Laut einer Studie von Greenpeace wurde Atomkraft bislang mit mehr als 200 Milliarden Euro subventioniert. Auf den Durchschnitt der letzten 60 Jahre gerechnet entspricht dies einem Beitrag von etwa 4,3 Cent pro kWh. Erneuerbare Energien werden, über die EEG-Umlage, jedoch aktuell lediglich mit 3,5 Cent pro kWh gefördert. In diesem Zusammenhang lässt auch eine Meldung aus Großbritannien im September dieses Jahres lässt aufhorchen. Trotz zahlreicher Einwände hat die britische Regierung 100 Milliarden Euro Subventionen für den Bau eines neuen Atommeilers zugestimmt. Die eingeläutete Energiewende scheint zunehmend in die Ferne zu rücken.

Hinzu kommt, dass auch das ungelöste Problem der Entsorgung auf den Steuerzahler umgelegt wird. Alleine die Bergung des havarierten Atomlagers Asse in Niedersachsen summiert sich auf knapp vier Milliarden Euro. Letztlich müssen noch die Kosten aus möglichen Unfällen von Atomkraftwerken berücksichtigt werden. Laut einem Artikel der Zeit kostet die Atomkatastrophe in Fukushima dem Japanischen Staat jedes Jahr Milliarden. Experten gehen daher davon aus, dass ihre enormen Kosten der Atomenergie zunehmend zum Verhängnis werden. Dass sich Atomenergie das Image der günstigsten Energieform zulegen konnte, ist auch einem guten Marketing und exzellenter Lobbyarbeit zu verdanken. Einer ernsthaften Analyse hält dieses Argument nicht stand.

Da fossile Kraftwerke und Atomreaktoren aus den genannten Gründen keine sinnvollen und nachhaltigen Lösungen für die aktuellen Probleme bieten, stellt sich die Frage, ob Erneuerbare Energien in die Bresche springen können. Die Aussichten sind gut. In einer kürzlich veröffentlichten Studie gehen die Experten von GTM Research davon aus, dass der Photovoltaik-Weltmarkt weiterhin dynamisch wachsen wird. Nach einem Rekordzubau von 74 Gigawatt in diesem Jahr gehen die Analysten von 69 Gigawatt im kommenden Jahr aus. Aus der Studie geht jedoch auch hervor, dass in Deutschland und den anderen europäischen Märkten nur ein begrenzter Zubau erwartet wird. Stattdessen wird sich der Ausbau auf die Länder China, USA und Indien konzentrieren, denen einen Marktanteil von rund 70 Prozent prognostiziert wird. Während Photovoltaik weltweit aufgrund der gesunkenen Kosten zu einer immer wichtigeren Energieform wird, kommt sie in Europa nicht vom Fleck – und das obwohl uns der beschlossene Atomausstieg und die Ereignisse in Belgien vor Augen geführt haben, dass auch wir diese Energieform brauchen. Wie sieht also der europäische Weg aus?

Die aktuelle Energiepolitik Europas folgt keinem roten Faden.

Trotz der Entwicklung hin zur sauberen Energieerzeugung scheinen hiesige Politiker die Trendwende selbst auszubremsen. Immer wieder werden der Solarenergie in Europa Steine in den Weg gelegt. So kommen beispielsweise die gesunkenen Produktionskosten aufgrund der Einfuhrzölle auf asiatische Solarmodule nicht beim Endkunden an. Solarenergie wird so künstlich verteuert. Gleichzeitig wird der Atomkraft auf europäischer Ebene noch immer der Rücken gestärkt. Brüssel plant Investitionen in die Atomenergie sogar zu stärken und die Entwicklung kleinerer, flexibler Reaktoren in der Europäischen Union zu fördern.

Auch in Deutschland, das fünf Jahre nach dem Beschluss zum Atomausstieg als besonderer Vorreiter gilt, kann von einem echten Abschied von der Kernkraft keine Rede sein. Obwohl Umweltministerin Barbara Hendricks und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Kommissionspläne als unverantwortliche abstraften, wurde Deutschland in deren Entwicklung direkt involviert.

Auf diese Weise werden wir keine zufriedenstellenden Antworten auf eine der größten Herausforderungen unserer Zeit finden. Wir brauchen dringend einen ernsthaften, offenen und ehrlichen Diskurs über die künftige Energiepolitik Europas.

Ein Gastbeitrag von Thorsten Preugschas, Geschäftsführer, Soventix GmbH

Teil 1 – Belgische Pannenmeiler verdeutlichen Verhältnis der Politik zur Atomenergie

 

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