Vegetarisches Essen schlechter fürs Klima als Fleisch?

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Green Lifestyle
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Vegetarische und gesunde Ernährung soll schlechter für das Klima sein als der Verzehr von Fleisch. Diese fragwürdige Behauptung stellten jetzt US-Forscher auf. Im Rahmen einer Studie untersuchten sie, wie viele Treibhausgase die Produktion von Fleisch verglichen mit Salat, Obst und Gemüse verursacht. Das Ergebnis: Der Konsum von manchen Gemüse-, Obst- und Salatsorten sei klimaschädlicher als der Verzehr von bestimmten Sorten Fleisch. Der Grund dafür ist jedoch vor allem das Untersuchungsparameter: Die Forscher verglichen die Klimawirksamkeit beider Lebensmittelgruppen pro 1000 Kalorien. Da die meisten vegetarischen Lebensmittel pro Gramm meist viel weniger Kalorien haben als Fleisch, schneiden Obst, Gemüse und Co. bei diesem Vergleich natürlich schlecht ab.

Heute gibt es zahlreiche Studien, die die hohe Klimawirksamkeit der Fleischerzeugung bzw. der Massentierhaltung bestätigen. Zuletzt hatte das Umweltbundesamt Zahlen veröffentlicht, die belegen, wie sehr der Fleischkonsum Klima und Umwelt schädigt. Vor allem der hohe Bedarf an Ressourcen für den Futtermittelanbau, also Fläche, Wasser und Energie, sei der Hauptgrund für das negative Ergebnis. Zudem verursachen die Milliarden Rinder und andere Nutzetiere auf der Welt große Mengen Methanemissionen – ein weiterer Grund für die hohe Klimawirksamkeit der Fleischindustrie.

Auch der WWF rät im Sinne des Klimaschutzes dazu, den Fleischkonsum deutlich zu reduzieren: „Wenn jeder Bundesbürger nur einmal pro Woche auf Fleisch verzichten würde, könnte das zu einer jährlichen Einsparung von rund neun Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen führen. Das entspricht umgerechnet 75 Milliarden PKW-Kilometern“, sagt Tanja Dräger de Teran, WWF-Referentin Klimaschutz und Ernährung.

Doch alle Fleischliebhaber können nun erst einmal aufatmen. Zumindest wenn man einer aktuellen Studie von Forschern der Carnegie Mellon University in Pennsylvania Glauben schenkt. Die Forscher stellen darin die überraschende Gegenthese zur „Fleischkonsum ist schlecht für das Klima“ – Behauptung auf. Ihrer Meinung nach ist es unter bestimmten Bedingungen genau umkehrt: Die Fleischerzeugung soll weniger Treibhausgase verursachen als die Produktion von Obst, Gemüse und Salat.

„Der Verzehr von Salat ist in puncto Treibhausgasemissionen dreimal schlimmer als der Konsum von Speck, so die Behauptung von Studienautor Paul Fischerbeck. „Viele bekannte vegetarische Lebensmittel benötigen viel mehr Ressourcen pro Kalorie, als Sie glauben. Aubergine, Sellerie und Gurken schneiden im Vergleich mit Schweine- oder Hühnerfleisch besonders schlecht ab.“

Um zu diesem überraschenden Ergebnis zu kommen, untersuchten die Forscher, wie viel Energie und Ressourcen benötigt werden, und wie viele Treibhausgasemissionen entstehen, wenn man genau 1000 Kilokalorien bei verschiedenen Fleischsorten und bei verschiedenen vegetarischen Lebensmitteln erzeugen will. Dabei analysierten sie beide Lebensmittelgruppen hinsichtlich Anbau,  Verarbeitung, Logistik und der Lagerung zuhause. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin „Environment Systems and Decisions“.

Wegen der Untersuchungsmethode „Pro 1000 Kalorien“ kommt auch das für vegetarische Ernährung so negative Bild zustande. Das rückt die gesamte Studie in ein etwas zurechtgelegt erscheindendes Licht zugunsten der Fleischindustrie: Denn Salat, Gemüse und Obst haben natürlich, verglichen mit Fleisch, meist viel weniger Kalorien. Ein Kopfsalat beispielsweise hat pro 100 Gramm nur etwa 12 Kalorien. 100 Gramm Speck hingegen, ja nach Sorte, um die 350. Um die gleiche Menge an Kalorien aufzunehmen, müssten wir also viel mehr Kopfsalat essen als Speck. Damit muss pro 1000 Kalorien auch wesentlich mehr Salat produziert werden, was den Energie- und Ressourcenbedarf verglichen mit Speck natürlich deutlich erhöht. Bezogen auf diese Kalorienzufuhr sei laut Forscher der Speck damit „dreimal“ weniger klimaschädlich als der Kopfsalat. Allerdings erscheint der Vergleich des kalorienarmen Kopfsalats mit der Kalorienbombe Speck ein wenig erzwungen. Zumindest die Fleischindustrie dürfte jedoch mit dem Ergebnis der Studie mehr als zufrieden sein.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Vermindern wir unsere Kalorienaufnahme, also beispielsweise bei Diäten, habe das einen positiven Effekt auf das Klima, so die Forscher. Das ist nicht weiter überraschend: Essen wir weniger – egal von was, muss weniger hergestellt werden und Energiebedarf und Emissionen sinken. Die Forscher schreiben, eine verminderte Kalorienzufuhr reduziere den Energie- und Wasserbedarf sowie den Treibhausgasausstoß in der Lebensmittelkette um rund neun Prozent. Essen wir jedoch den von Ernährungsexperten empfohlenen gesunden Mix aus Früchten, Gemüse, Fleisch und Meeresfrüchten, führe das in allen drei Bereichen zu einem enormen Anstieg der Werte: Der Energiebedarf steige um 38 Prozent, der Wasserbedarf um zehn Prozent und die Emissionen um sechs Prozent.

„Es gibt sehr komplexe Zusammenhänge zwischen Diäten und der Umwelt. Was gut für uns ist, ist nicht immer gut für die Umwelt. Das sollte bei der Planung und Erstellung künftiger Ernährungsrichtlinien bedacht werden“, so Michelle Tom, die ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Quelle: Science Daily

 

One Response

  1. Ralf Hartmann

    21. Dezember 2015 13:30

    Obst und Gemüse sollen dem Klima mehr schaden als Fleisch?

    Die Fleischindustrie ist so mächtig, dass sich sogar die Wissenschaft verbiegen lässt
    (um es noch freundlich auszudrücken).

    Womit werden die weltweit über 60 Milliarden Tiere gefüttert, abgesehen von Abfällen und Pharmaka,
    die pro Jahr geschlachtet werden?

    Bekommen die Milliarden Schweine, Rinder, Hühner und andere Tiere,
    die unserem Fleischkonsum dienen, auch Fleisch, um das Klima zu schonen?

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