USA genehmigen Ölbohrungen im Arktischen Meer

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Die Regierung Obama öffnet das Nordpolarmeer für Bohrungen nach fossilen Rohstoffen. Demnach könnte der Shell-Konzern dort bereits ab diesem Sommer nach Öl- und Gasvorkommen suchen dürfen. Ein Sieg für die Erdölindustrie, für den Umweltschutz jedoch eine vernichtende Nachricht, viele Aktivisten befürchten enorme Schäden für das Ökosystem des Meeres. Auch für den Klimaschutz, den die Regierung Obama eigentlich mehr als jede vorhergegangene groß schreibt, bedeutet das nichts gutes. Die Bohrerlaubnis wirft daher erneut die Frage auf, wie ernst es der Regierung Obama wirklich ist mit dem Klima-und Umweltschutz und wer bei solchen Entscheidungen tatsächlich die Fäden in der Hand hält.

Das ambivalente Verhalten Obamas und seiner Regierung in Sachen Umwelt- und Klimaschutz zeigte sich bereits in der Vergangenheit. Einerseits spricht Obama über den Klimawandel als die größte Bedrohung für den Planeten in der heutigen Zeit, legt sein Veto gegen den Bau der Mega-Pipeline Keystone XL ein und schließt ein Abkommen mit China über die Deckelung bzw. Verringerung der Treibhausgas-Emissionen, andererseits öffnet der den Atlantik (CEP berichtete) und nun das Nordpolarmeer für Bohrungen nach Öl und Gas.

Bereits die Ende Januar bekannt gewordene Nachricht, die USA würden Teile des Atlantiks erstmals für die Öl- und Gasförderung freigeben wollen, passte für viele Beobachter nicht wirklich zum Bild des „Klimapräsidenten“ Barack Obama. Schon damals warnten Wissenschaftler, sollte dies wirklich geschehen, würden neben der Gefahr weiterer Öl- Katastrophen und der Schädigung vieler Meereslebewesen erneut riesige Mengen an Treibhausgasen frei. Miyoko Sakashita vom „Center for biological Diversity“ prognostizierte, sollten die fossilen Ressourcen im Atlantik wirklich ausgebeutet und verbrannt werden, könnten dadurch 15.8 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt werden.

Dabei wäre es wichtiger denn je, dass die verbleibenden Ressourcen unberührt bleiben. So belegten britische Forscher vor kurzem, dass allein in den USA über 90 Prozent der noch existierenden fossilen Rohstoffe im Boden bleiben müssten, um die globale Erwärmung auf die beim Weltklimagipfel 2010 vereinbarten zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Ein Ziel, zu dem er sich auch Obama in der Vergangenheit immer wieder öffentlich bekannt hat.

Doch offenbar geht der Umwelt- und Klimaschutz in der Kapitalismus-Hochburg USA nur so weit, wie es die Öl-Lobby zulässt. Gegen den Hunger seines Landes nach fossilen Ressourcen scheint auch ein Barack Obama nichts unternehmen zu können oder zu wollen. Das zeigt nun auch die neueste Nachricht aus den USA. So schrieb die New York Times am Montag, die Regierung Obama hätte dem Shell-Konzern die offizielle Erlaubnis erteilt, in der Tschuktschensee, einem Randmeer des Nordpolarmeeres, nach Öl- und Gasvorkommen zu bohren. Experten vermuten, dass allein dort bis zu 15 Millionen Barrel Rohöl lagern. Für Shell und die ganze Erdölindustrie demnach eine gute Nachricht. Seit Jahren versucht der Konzern, die Rechte für die Ausbeutung dieser Gewässer zu bekommen – bislang jedoch ohne jeden Erfolg.

Nun gestattet mit Obama ausgerechnet der Präsident die Bohrungen im Nordpolarmeer, der das bisher ambitionierteste Umweltschutzprogramm aller Präsidenten der Geschichte der USA auf den Weg gebracht hat und der – zumindest wenn man seinen öffentlichen Auftritten Glauben schenkt – eigentlich verstanden zu haben scheint, welche enormen Risiken für die Erde vom menschengemachten Klimawandel ausgehen.

Für viele Klima-und Umweltschützer ist die Nachricht wie ein Schlag ins Gesicht. Sie befürchten die Zerstörung der Ökosysteme und warnen vor möglichen Ölkatastrophen wie 2010 bei der Bohrinsel Deepwater Horizon, als Millionen Tonnen Rohöl in den Golf von Mexiko gelangten, das Meer und die Küsten verpestete, und elf Menschen sowie Millionen Meerestiere dabei umkamen. Ein Unfall, der auch in der Arktis nicht auszuschließen ist, eher im Gegenteil.

So gibt sogar die Erdölindustrie an, die Tschuktschensee sei eine der gefährlichsten Regionen auf der Erde um nach Erdöl zu bohren. Sie liegt sehr abgeschieden, die Infrastruktur an Land ist nur rudimentär vorhanden. Das macht es im Falle einer Ölkatastrophe oder eines Unfalls für Rettungs- und Säuberungsteams nahezu unmöglich, schnell zu reagieren. Die nächste Station der Küstenwache, die Gegenmaßnahmen bei auslaufendem Öl ergreifen könnte, ist mehr als 1.500 Kilometer entfernt, und die dort herrschenden extremen Wetterbedingungen – mit schweren Stürmen und riesigen Wellen – erschweren schnelle Hilfe zusätzlich. Außerdem beherbergt die Tschuktschensee eine Vielzahl an Meeressäugern wie Walrosse und Grönlandwale. Wie die empfindlichen Tiere auf die lauten Bohrgeräusche reagieren ist nicht völlig erforscht. Im Falle einer Ölpest würden jedoch mit Sicherheit Tausende sterben.

Trotz all dieser Risiken verteidigten Regierungssprecher die Entscheidung am Montag. Die neuen Bohrungen in der Arktis fänden nur unter strengen Auflagen statt. Die Regierung sei sich im Klaren, dass hohe Standards für den Schutz der arktischen Ökosysteme und der Kultur der Bevölkerung Alaskas benötigt würden, sagte Abigail Ross Hopper vom US-Innenministerium dazu. „Die Offshore-Erschließung wird weiterhin Gegenstand strenger Sicherheitsstandards sein“, so Hopper wörtlich.

Bereits 2012 gestattete Obama Shell, in der Arktis Probebohrungen durchzuführen. Damals kam es allerdings zu einer Vielzahl von Problemen und Unfällen. So mussten beispielsweise zwei Bohrtürme abgeschleppt werden, nachdem sie auf Grund gelaufen waren. Das Innenministerium entzog Shell daraufhin die Genehmigung, „bis alle Sicherheitsbedenken ausgeräumt“ seien.

Das scheint nun offenbar geschehen, denn Shell darf erneut in der Arktis bohren. Diesmal zwar „nur“ in den seichten Küstengewässern in der Tschuktschensee, ein Restrisiko bleibt dennoch bestehen. „Damit hat unsere Regierung mal wieder eine übereilte Erlaubnis für eine riskante und schlecht durchdachte Erschließung eines der abgelegensten und wichtigsten Orte dieser Erde erteilt“, sagte Susan Murray, die Vizepräsidentin der Umweltschutzgruppe Oceana dazu. „Shell hat in der Vergangenheit bewiesen, nicht auf eine verantwortungsvolle Arbeit im Arktischen Ozean vorbereitet zu sein, und außerdem war weder der Konzern noch unsere Regierung bislang gewillt, die Risiken von Shells Vorhaben fair und in vollem Umfang abzuschätzen.

 

One Response

  1. ralfihere

    13. Mai 2015 8:35

    Die Macht des Geldes ist stärker und größer als jeder Präsident. Die Gier nach Geld und Macht kennt keine Grenzen. Wie aufrichtig können Politiker, die mit dem Geld der Reichen und Mächtigen finanziert werden, sein? Ihre Glaubwürdigkeit haben sie schon längst verloren. Was bleibt, ist nur die Hoffnung.

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