US-Wahlkandidat: Klimawandel Schuld an Bildung des IS

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Laut Martin O´Malley sind die Auswirkungen der Klimawandels verantwortlich für den Aufstieg der Terrormiliz Islamischer Staat.
Laut Martin O´Malley sind die Auswirkungen der Klimawandels verantwortlich für den Aufstieg der Terrormiliz Islamischer Staat.

Der US-Demokrat Martin O’Malley macht den Klimawandel mit dafür verantwortlich, dass sich die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gebildet hat. Dem Politiker zufolge habe die globale Erwärmung eine Dürre verursacht, die letztendlich zum Aufstieg des IS und der extremen Gewalt geführt habe. Doch Experten warnen, diese Aussage verschleiere die wahren Ursachen der Probleme und sei nur ein geschickter Wahlkampftrick. O´Malley ist US- Präsidentschaftskandidat der Demokraten für 2016.

Die medienwirksame Behauptung O´Malleys fiel in einem Interview mit dem Sender Bloomberg: „Einer der Gründe, die dem Syrien-Konflikt und dem Aufstieg des IS vorausgingen, waren die Auswirkungen des Klimawandels und einer Mega-Dürre in der Region“. Durch die Dürre seien die Ernten vernichtet worden und die Menschen mussten in die Städte flüchten. Die so entstandene humanitäre Krise habe die extreme Armut geschaffen, die letztendlich zum Aufstieg des IS geführt habe.

Argumente, die zunächst logisch erscheinen und die US-Forscher sogar anhand einer Studie belegt haben wollen. Womöglich war es genau diese Studie, auf die sich O´Malleys Aussage bezieht. So verkündeten Forscher von der University of California in Santa Barbara im März, die globale Erwärmung sei vermutlich die Ursache für den Ausbruch des Syrienkriegs. (CEP berichtete). Die schwere Dürre in Syrien zwischen 2006 und 2010 habe zu den Aufständen geführt, die 2011 letztendlich den Krieg ausgelöst hätten. Grund für die Dürre sei der Klimawandel gewesen.

Unter Berufung auf die Studie meldeten Medien damals den „ersten Klimakrieg der Neuzeit“. Doch bereits kurze Zeit später entkräfteten Experten die Arbeit der US-Forscher weitgehend. Die der Studie zugrunde liegenden Klimadaten seien nicht ausreichend gewesen, die Beweisführung insgesamt nicht plausibel. Es seien keine eindeutigen Beweise für einen Zusammenhang zwischen Dürre und Konflikt gefunden worden.

Die Studie leiste der Klimaforschung schlechte Dienste, kritisierten Experten damals. Indem der Klimawandel für die Hungersnot verantwortlich gemacht werde, kämen die wahren Schuldigen ungeschoren davon. Die Ursachen für die Hungersnot und die Armut seien das langjährige Missmanagement in Syrien von Seiten der Regierenden und nicht der Klimawandel. So habe übermäßige Grundwasserförderung, Übernutzung des Bodens und landwirtschaftliche Ausbeutung zu dem Problemen und damit letztendlich zum Syrienkrieg geführt, erklärt Francesca De Châtel, Syrienexpertin an der Radboud University in Nijmegen. Auch der Aufstieg der IS lässt sich demnach nicht durch die globale Erwärmung erklären.

Hinter der Behauptung O´Malleys vermuten Experten eher einen geschickten Wahlkampftrick, mit dem sich der Demokrat, der für das Amt des US-Präsidenten 2016 kandidiert, publikumswirksam positionieren will. Denn das Thema Klimawandel ist in den USA derzeit in aller Munde. Im US-Bundesstaat Kalifornien herrscht seit Monaten die schlimmste Dürre in seiner Geschichte – auch hierfür machen viele Forscher den Klimawandel verantwortlich. Ein Thema also, mit dem man durchaus auf Wählerfang gehen kann. Doch es stellt sich die Frage: Sind die tatsächlichen Auswirkungen der globalen Erwärmung nicht schon dramatisch genug? Muss wirklich noch etwas dazu gedichtet werden, nur um die eigene Position im Wahlkampf zu stärken? Die Aussage O´Malleys scheint diese Frage eindeutig zu beantworten.

Quelle: Spiegel

 

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