Update für die Feuerwehr

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Die Fortschritte und die Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien freut (fast) jedermann. Arbeitsplätze werden geschaffen, die Umwelt wird geschont und über kurz oder lang werden auch die Preise für die so gewonnene Energie sinken. Allerdings haben auch die erneuerbaren Energien Gegner, die den ambitionierten Anwendern ebendiese gerne ein wenig madig machen. Im Visier sind immer wieder Windkraft- oder Biogasanlagen. Aktionen nach dem Motto: „Stoppt die Verspargelung“ oder „Biogas? Nein danke!“ sind, zumindest hierzulande, eine gängige Methode, um die Errichtung neuer Anlagen hinauszuzögern oder gar zu stoppen.

Anders sieht es bei den Photovoltaikanlagen aus. Hier wird zwar in punkto Kosteneffizienz mehr als genug genörgelt, schließlich liegen wir in Deutschland an der Spitze des Photovoltaik-Absatzmarktes, obwohl bei uns die Sonne eher spärlich scheint. Doch was die Verträglichkeit mit Mensch und Natur angeht, so gibt es nur wenige Kritiker. Wobei der aufkeimende Unmut noch zwischen den Freiflächenanlagen und den fassaden- oder dachintegrierten Anlagen unterschieden werden muss. Wo Freiflächenanlagen deutlich öfter „niedergemacht“ werden, da sie den Grünpflanzen, die das Pech haben unter den riesigen Kollektoren zu wachsen schlicht und einfach das Licht wegnehmen, findet sich bei den Dachanlagen relativ wenig zum Mäkeln.

Einzig und allein die Feuerwehr dürfte sich mit der wachsenden Zahl an gigantischen Sonnenfängern auf deutschen Dächern nicht so recht anfreunden. Bergen diese doch enorme Risiken für die Einsatzkräfte, wenn das schmucke Einfamilienhaus mit der noch schmuckeren solaren Dacheindeckung einmal Feuer fangen sollte. Wer unter den mutigen Feuerwehrleuten jetzt überschnell zum Wasserschlauch greift, der kann seinen Eifer ganz schnell mit dem Leben bezahlen. Wenig problematisch ist das bei Anlagentypen, die lediglich das Wasser zur Heizungsunterstützung erwärmen, nach dem Abklemmen fließt kein Strom mehr. Ein weitaus größeres Risiko stellen Anlagen dar, die die Sonnenenergie direkt in elektrische Energie umwandeln, in ihnen fließen Spannungen bis zu 900 Volt, auch nach dem Abschalten der Anlage.

Es gibt keine einheitlichen Richtlinien, wie Photovoltaikanlagen aufgebaut, beziehungsweise geschaltet werden müssen – das obliegt jedem Installateur, beziehungsweise Modulhersteller selber. Genau das ist es, was zu der großen Problematik bei Brandfällen führt, in die Photovoltaikanlagen involviert sind. Einzelne Module sind mit Kabeln und Steckern untereinander verbunden, einen Unterbrecher zu finden ist mitunter ziemliche Glückssache. Die Module lassen sich nicht abschalten und produzieren fleißig weiter Strom, das ändert auch der DC Schalter (Gleichstrom-Freischaltstelle) vor dem Wechselrichter nicht, der für neuere Anlagen vorgeschrieben ist. Ein Eindecken mit Lösch-Schaum scheidet ebenfalls aus, zu glatt die Oberfläche, schließlich soll der Regen ja den Dreck von den Modulen spülen können, leider nicht nur den! Und zu welcher Art die brennende Anlage nun angehört, steht ihr schließlich auch nicht vor die Stirn geschrieben und macht die Löscharbeiten zum riskanten Spiel mit dem Feuer – oder in diesem Fall mit der Spannung.

Bei den Feuerwehren ist daher ein gezieltes „Update“ von Nöten, um im Ernstfall nicht in die Spannungsfalle zu tappen. Zwar gibt es diverse Merkblätter für die Feuerwehren bei Einsätzen an Photovoltaikanlagen, doch ob diese bei sämtlichen Feuerwehren umgesetzt werden, wagen selbst alte „Löschhasen“ zu bezweifeln. Es wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen, bis auch die Löschtrupps in den abgelegensten Gemeinden mit dem Umgang brennender Photovoltaikanlagen hinreichend vertraut sind. Wer will schon gerne, dass sein Lebenstraum vom eigenen Häuschen in Schutt und Asche endet, nur, weil die Feuerwehr nicht weiß, wie sie mit geringstem Risiko für sich selber löschen soll?

Judith Schomaker

 

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