Unterwassermuseum als künstliches Riff

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Taylor Sculpture
Taylor Sculpture

Eine der wichtigsten Gruppen von Bewohnern unserer Ozeane sind die unzähligen mikroskopisch kleinen Organismen, die ständig in Richtung des Meeresbodens driften und sich auf dem Weg dorthin auf allen festen Oberflächen ansiedeln, diese kolonisieren und damit die Grundlage für natürliche Riffe schaffen. Korallenriffe locken eine Vielzahl von Meereslebewesen, wie bunte Fische, Schildkröten, Seeigel, Schwämme und Haie an, und bieten eine Zuflucht für Meeresbewohner, die sich verstecken oder forstpflanzen wollen. Sie bilden eine wichtige Grundlage des gesamten maretimen Ökosystems.

Lediglich 10 bis 15 Prozent des Meeresbodens bietet eine ausreichend solide Basis, um die Grundlage für Riffe zu ermöglichen. Künstliche Riffe mit umweltfreundlichen und langlebigen Materialien als Grundlage, sollen die natürlichen Riffe ergänzen und entlasten. Denn viele dieser empfindlichen Ökosysteme wurden in den vergangenen Jahrzehnten überfischt und über-besucht. Durch die Umlenkung der Aufmerksamkeit auf künstliche Riffe, haben natürliche Riffe eine größere Chance sich zu erholen und zu regenerieren. 

Kannte man bisher Riffe, die auf Schiffswracks oder speziell dafür versenkten Gitterkonstruktionen entstehen, so verbindet Jason deCaires Taylor Kunst und Umwelt. Der Künstler verwendet einen speziellen, pH-neutralen, umweltfreundlichen Beton, der das Wachstum von Korallen fördert, für seine Unterwasserskulpturen und macht die Basis für künstliche Korallenriffe zum Unterwassermuseum. Der Sohn eines englischen Vaters und einer guyanischen Mutter verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Malaysia und liebt das Schnorcheln und Tauchen. Heute ist er bekannt für seine Unterwasserinstallationen.

The Rubicon„The Rubicon“, Museo Atlantico, Lanzarote
© Jason deCaires Taylor

Ende Februar eröffnet vor der Südwestküste der Insel Lanzarote mit dem Museo Atlantico das erste Unterwassermuseum Europas. Dank des klaren Wassers können auch Schnorchler und Glasbodenboot-Gäste die in 14 Meter Tiefe stehenden Figuren betrachten. Taucher begegnen ihnen auf Augenhöhe.

The Raft of Lampedusa„The Raft of Lampedusa“, Museo Atlantico, Lanzarote
© Jason deCaires Taylor

Mehr als 300 Figuren soll die Ausstellung vor der Kanareninsel zählen, sobald sie fertiggestellt ist. Zur Eröffnung sind sechs Installationen freigegeben: “El Rubicón” zeigt eine Gruppe von 35 Personen, die scheinbar auf ein gemeinsames Ziel zulaufen. Das “Balsa de Lampedusa” zeigt ein Schlauchboot mit Flüchtlingen. Das Arrangement der Personen orientiert sich dabei an einem rund 200 Jahre alten Gemälde des Künstlers Théodore Géricault. Weitere Installationen thematisieren unter anderem die Bedeutung der sozialen Medien oder zeigen einen “Garten” aus Mensch-Kaktus-Mischwesen.

Seinen ersten Unterwasser-Skulpturenpark eröffnete der Taucher und gelernte Bildhauer 2006 auf dem Meeresgrund in der Moliniere Bay vor Grenada in der Karibik, in dem sich 65 Figuren auf einer Fläche von 800 Quadratmetern verteilen. Der Skulpturenpark soll dazu beitragen, das sensible Ökosystem des Meeres vor Grenada zu festigen, das in den vergangenen Jahren mehrfach durch heftige Stürme in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

The Silent Evolution“The Silent Evolution”, Cancún Marine Park, Mexiko
© Jason deCaires Taylor

“The Silent Evolution” heißt das zweite große Werk des Künstlers, das er 2012 in acht Meter Tiefe im karibischen Meer vor Mexiko, zwischen Cancún und der Isla Mujeres installierte. Für die Skulpturen standen Mexikaner aller Altersklassen und Schichten Modell. Auch dieser Unterwasserpark soll die natürlichen Tauchreviere entlasten, vor allem den Cancún Marine Park, der mit 750.000 Besuchern im Jahr zu den beliebtesten Tauchrevieren der Welt zählt.

Quelle und weitere Informationen: www.underwatersculpture.com

 

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