Ein Plädoyer gegen die Verherrlichung des E-Autos

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Energiewende im Verkehr
Energiewende im Verkehr

Wir sollten unsere Emissionen in Städten nicht dadurch senken, konventionelle Autos durch E-Autos zu ersetzen. Es gibt Lösungen, die effizienter, umweltfreundlicher und leichter umsetzbar sind. Ein Plädoyer gegen die Verherrlichung des E-Autos.

Angeblich sind sie umweltfreundlicher und sauberer als Diesel und Benziner. Die E-Autos. Elektroautos werden häufig von Politik und Industrie als Klimaschutz-Helden gepriesen. Insbesondere in Städten sei die Nutzung sinnvoll und umweltfreundlich. Eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg klärt auf. Ist das Auto wirklich so umweltfreundlich, wie Politiker und Autohersteller behaupten? Worauf gilt es zu achten?

Klimabilanz E-Auto

Im direkten Vergleich haben Batterie-elektrische Pkw bei Nutzung des deutschen Strommix‘ (knapp 30 Prozent Erneuerbare Energien) über den Lebensweg eine ähnliche Klimabilanz wie konventionelle Pkw. Dies liegt vor allem an zwei Faktoren:

  1. Mit über 60 Prozent richtet den größten Klimaschaden die Bereitstellung von Energie zur Ladung der E-Fahrzeuge an. Solange diese in Deutschland vornehmlich aus nicht-regenerativen Quellen gewonnen wird sehen die Prognosen für E-Autos nicht so gut aus, wie anfangs angenommen. Dabei sind knapp 30 Prozent Ökostrom zu wenig für eine gute Klimabilanz.
  2. Der zweite wesentliche Klimakiller ist der nicht zu unterschätzende Energieaufwand zur Herstellung des E-Autos. Ausschlaggebend ist dabei vor allem die Batterie, die knapp ein Drittel der gesamten Klimabilanz eines E-Autos ausmacht. Außerdem muss der Akku meistens mindestens einmal in der Lebenszeit eines Autos ausgetauscht werden. Damit schnellt der Energiebedarf in die Höhe. Und die Klimafreundlichkeit sinkt.
Ein Plädoyer gegen die Verherrlichung des E-Autos
Bruttostromerzeugung in Deutschland 2016 in TWh; vorläufige Zahlen, z.T. geschätzt; ** regenerativer Anteil; Stand: März 2017 © AG Energiebilanzen

Stärken und Schwächen von Elektrofahrzeugen

„Heute zeigt sich über die Bandbreite der betrachteten Umweltwirkungen und Ressourcenindikatoren ein gemischtes Bild.“ Neben Vorteilen des E-Autos z.B. durch die effektive Vermeidung von Sommersmog, entstehen vor allem durch die Batterieherstellung Nachteile: Dazu zählen Feinstaubemissionen und der immense Wasseraufwand.

Wichtigste Einflüsse auf die realistische Umweltbilanz von Elektrofahrzeigen

Die Umweltbilanz für E-Autos kann sich von Fall zu Fall erheblich unterscheiden. Besonders große Vorteile zeigen Elektrofahrzeuge bei hohen Fahrleistungen, mäßigen Geschwindigkeiten (wie z.B. in Städten) und von Batterie-freundlichen Ladestrategien ab (z.B. komplette Entladung vor erneuerter Aufladung).

Sind E-Autos wirklich sinnvoll?

Es kommt darauf an. Elektrische Taxis, Postautos und Lieferwägen, die täglich in Städten überschaubare Distanzen zurücklegen, sind durchaus sinnvoll. Denn je mehr das E-Fahrzeug fährt, desto besser die Klimabilanz. Doch das generelle Ersetzen der meisten konventionellen Autos durch E-Autos ist klima-technisch nicht sinnvoll. Stattdessen sollten Städte vor allem auf eines setzen: weniger Autos. Gleichzeitig ist verbesserter öffentlicher Nahverkehr und der Ausbau von Fahrrad- und Fußgängerwegen die umweltfreundlichste und effektivste Lösung.

Denn, „we all want our cities to be faster, smarter and greener – and the car is not the only answer. We must use technology and entrepreneurship to ensure that our urban future is fair, inclusive and aligned with the common good.“ – The Guardian