Bereits 606.000 Tote durch klimabedingte Wetterextreme

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Klimawandel Auswirkungen
Klimawandel Auswirkungen

Knapp eine Woche vor Beginn der Weltklimakonferenz unterstreicht ein Bericht des UN-Büros zur Katastrophen-vorsorge (UNISDR), wie wichtig es ist, den Klimawandel mit allen Mitteln zu bekämpfen. So seien in den vergangenen 20 Jahren bereits 606.000 Menschen in Folge extremer Wetterereignisse gestorben und über vier Milliarden Menschen verletzt worden. Sollte die globale Erwärmung weiter zunehmen, werden auch Wetterextreme immer häufiger auftreten. Die Schäden an Mensch und Wirtschaft dürften dann weit gravierender sein als in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Nun gilt es, in Paris den Kurs entschlossen zu ändern. Doch kann das überhaupt noch gelingen?

Die Zahlen sind gewaltig: Mit über 606.000 Todesopfern und 4,1 Milliarden Verletzten seit 1995 ist bereits etwa jeder zweite Mensch auf der Welt von den Folgen des immer extremeren Wetters konfrontiert worden. Am stärksten betroffen waren die Menschen in Asien. Rund 332.000 Tote und 3,7 Milliarden Verletzte forderten Wetterextreme dort seit 1995.

Zwar ereignen sich solche Wetterkatastrophen natürlich auch unabhängig vom Klimawandel, dennoch deutet alles darauf hin, dass die Erderwärmung die größte Schuld trifft. Denn in den letzten zwei Jahrzehnten beobachteten Meteorologen und Klimaforscher eine drastische Zunahme von Wetterextremen, mit teils katastrophalen Folgen für die betroffenen Regionen.

Klimawandel ist Hauptgrund für Wetterextreme

Die UN glaubt, dass rund 90 Prozent der Dürren, Hitzeperioden, Überschwemmungen, Hurrikanes oder andere Wetterkatastrophen seit 1995 einen Klimabezug hatten. Die Sachschäden, die dadurch entstanden sind, werden auf 250-300 Millionen US-Dollar im Jahr geschätzt (allerdings inklusive Erdbeben und Tsumanis). Über die letzten 20 Jahre gerechnet, kommt so eine Schadenssumme von wenigstens fünf Milliarden Dollar zusammen.

Die fünf Länder, die am schlimmsten von den Wetterextremen heimgesucht wurden, sind laut UN die USA mit 472 Ereignissen, China mit 441, Indien mit 228, die Philippinen mit 274 und Indonesien mit 163. Das mit 47 Prozent am häufigsten auftretende Wetterextrem seien dabei Überschwemmung gewesen. Rund 2.3 Milliarden Menschen seit 1995 waren direkt davon betroffen, bei geschätzten 157.000 Todesopfern. Die tödlichste Gefahr sei jedoch von schweren Stürmen ausgegangen. Diese haben laut UN rund 242.000 Menschen das Leben gekostet. Fast alle (89 Prozent) diese Todesfälle haben sich dabei in Ländern mit geringem Einkommen ereignet.

Neben Überschwemmungen sind es vor allem extreme Hitzeperioden, die in den vergangenen 20 Jahren am meisten Tote und Verletzte gefordert haben. Laut UN sind dabei sogar Länder mit hohem Pro-Kopf Einkommen deutlich häufiger betroffen. Rund 150.000 Menschen seien seit 1995 insgesamt an den Folgen von schweren Hitzewellen gestorben – etwa 90 Prozent davon aus Ländern in Europa. Allein an den Folgen des „Jahrhundertsommers“ 2003 starben europaweit rund 70.000 Menschen. Durch solche Hitzeperioden und fehlenden Niederschlag verursachte Dürreperioden zählten ebenfalls zu den folgenschwersten Wetterereignissen. 136 ausgeprägte Dürren haben sich laut UN in den letzten 20 Jahren in Afrika ereignet – weit mehr als irgendwo sonst auf der Welt.

Bei der Vorstellung des UN Berichts am Montag sagte Margareta Wahlström, die Vorsitzende der UNISDR: „Das Wetter und das Klima sind hauptverantwortlich für schwere Katastrophen. Unser Bericht zeigt, dass die Welt solche Ereignisse mit Menschenleben bezahlen muss.“ In Paris müsse daher dringend ein international gültiges Klimaschutzabkommen vereinbart werden. „Die Verringerung der Treibhausgasemissionen wird einen wesentlichen Teil dazu beitragen, den Schaden und die Verluste durch extreme Wetterereignisse zumindest einzugrenzen“, so Wahlström weiter.

Erfolg der Weltklimakonferenz nicht ausreichend

In fünf Tagen beginnt der Weltklimagipfel (COP21) in Paris. Dort sollen Maßnahmen ergriffen werden, um die globalen Treibhausgasemissionen so weit zu verringern, dass sich der Planet bis zum Ende des Jahrhunderts um maximal zwei Grad Celsius erwärmt. Bisher hat sich die Erde bereits nachweislich um rund ein Grad aufgeheizt. Die Folgen sind schon heute deutlich spürbar, wie der UN Bericht verdeutlicht. Selbst bei einer Erwärmung von „nur“ zwei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts werden sich diese extremen Wetterereignisse – verglichen mit den letzten 20 Jahren – noch deutlich häufen. Zudem wird der Meeresspiegel um mehrere Meter steigen, für viele Inselstaaten und Küstenstädte wird das unweigerlich das Ende bedeuten.

Bei einer Erwärmung über die Zwei-Grad-Grenze hinaus wären die Folgen heute noch gar nicht vollständig absehbar. Dabei gilt eine solche Erwärmung derzeit als sehr wahrscheinlich. Selbst wenn die Weltklimakonferenz ein Erfolg wird, und alle Nationen ihre bereits zugesagten Klimaschutzziele umsetzen, wird das Zwei-Grad-Ziel ohne weitere Maßnahmen verfehlt werden, warnen Klimaexperten bereits seit Wochen. Dann steuert die Welt auf eine Erwärmung von rund 2,7 Grad zu. Menschen, die zu Beginn des nächsten Jahrhunderts die Klima-Schäden auswerten, dürften dann weit mehr verlorene Leben und Sachschäden zu beklagen haben, als die UN in ihrem Bericht vom Montag.

Quelle: UN-Bericht „The Human Cost of Weather Related Disasters”

 

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