Umweltschutz über den Ausbau des ÖPNV

,

Umweltschutz
Umweltschutz

Preisstufe, Tarifzone, Kurzstreckenticket – der Kauf der richtigen Fahrkarte zur Nutzung des ÖPNV (Öffentlicher Personen-Nahverkehr) ist keine einfache Sache.

Vorausgesetzt man hat das passende Münzgeld dabei, der Fahrscheinautomat ist nicht defekt und die Handhabung nicht übermäßig kompliziert, hält man das Ticket ansonsten schnell in den Händen.

Wer regelmäßig Bus und Bahn fährt, der nutzt eher eine Monatskarte, oft im Abo, und muss sich dann nicht mehr mit der Wahl der richtigen Fahrkarte beschäftigen.

Doch es geht noch simpler und kostengünstiger mit dem Bürgerticket!
Vorbild ist das Studententicket, das es heute in fast allen Hochschulstädten gibt. Es funktioniert nach dem Solidarprinzip und damit ähnlich wie die Krankenversicherung: jeder Student bzw. Bürger zahlt den gleichen Beitrag und kann die Dienstleistung dafür uneingeschränkt nutzen. Dadurch, dass alle Bürger zahlen, kommt sehr viel Geld zusammen.

Gleichzeitig wird bei den Verkehrsbetrieben viel Geld eingespart: durch den Wegfall des gesamten Bezahlsystems mit den vielen Automaten, der Kaufberatung sowie der Fahrscheinkontrollen. Somit kann ein Bürgerticket günstiger werden als die derzeitigen Fahrkarten-Abos.

Was hat der ÖPNV mit Umweltschutz zu tun? 
Das eingesparte Geld kann unter anderem in den Ausbau und Modernisierung des ÖPNV investiert werden. Damit wird dieser für die Bürger attraktiver und kann den Autoverkehr noch mehr entlasten. Und das ist wichtig, denn 21 Prozent der CO2-Emissionen werden heute vom Verkehrssektor verursacht. Zwei Drittel von diesen entstehen durch den Autoverkehr.

Warum müssen wir überhaupt für den ÖPNV zahlen?
Schnell könnte die Frage aufkommen, warum überhaupt ein Beitrag gezahlt werden muss. Da jeder Einwohner zahlen muss, könnten die Kosten auch von Steuergeldern übernommen werden. Doch in Zeiten knapper Kassen würden die Gelder bei Weitem nicht ausreichen für die Investitionen, die mit der erhofften Kundenzunahme einhergehen. Für das Bürgerticket wird daher nicht ein steuer-, sondern ein beitragsfinanzierter Nulltarif anvisiert. So identifizieren sich die Bürger auch mehr damit und nutzen den ÖPNV entsprechend.

Die Einführung eines solchen Bürgertickets wird befürwortet  u.a. vom Deutschen Institut für Urbanistik Berlin, vom renommierten Wuppertal-Institut und diversen Verkehrswissenschaftlern.

Je nachdem, wie hoch der Preis für das Bürgerticket letztlich wäre, müsste gegebenenfalls eine Staffelung der Beitragshöhe für die verschiedenen Einkommensgruppen erfolgen. Weiterhin zu bedenken wäre, wie hinsichtlich des Bürgertickets mit Touristen in einer Stadt umgegangen werden sollte. Entweder, sie wären ganz einfach Nutznießer oder sie müssten ihre Beiträge im Rahmen einer Kurtaxe zahlen.

Zudem muss man sich darüber im Klaren sein, dass es zu gewissen Ungerechtigkeiten bei Pendlern kommen könnte. Auspendler würden verstärkt zur Kasse gebeten werden, da sie neben dem Beitrag für das Bürgerticket auch noch eine Fahrkarte für ausserhalb der eigenen Stadtgrenze benötigten. Einpendler hingegen könnten zum nicht selbst finanzierten Nulltarif fahren.

Verschiedene Modelle sind in den vergangenen Jahren mit unterschiedlichem Erfolg bereits ausprobiert worden. Und in zahlreichen Kommunen in Deutschland bestehen Initiativen, die für ein Bürgerticket in ihrer Stadt kämpfen. Einige davon werden in Kürze in einem weiteren Artikel vorgestellt.

 

2 Responses

  1. Kai Hofmann

    15. Juli 2015 14:12

    Nach dem Zwangsfernsehen jetzt auch noch Zwangsmobilität? Ganz klares Nein Danke! Mit meinem Elektro-Roller fahre ich günstiger und Umweltfreundlicher (weil aus eigener PV getankt) als mit stinkenden Diesel Bussen und Bahnen die mit Kohle- oder Atom-Strom fahren.
    Hier geht es doch genau wie beim öffentlich rechtlichen Fernsehen darum, daß sich bestimmte Berufsgruppen eine 100%ige Absicherung ihres Arbeitsplatzes auf kosten des restlichen Volkes erreichen wollen. Das ist das selbe Konzept, wie Deutschland mit seiner Exportwirtschaft die Wirtschaftskrise auf dem Rücken der restlichen EU-Länder aussitzt.

  2. Birte Moritz

    24. Juli 2015 8:45

    Klar kann ich das verstehen, Herr Hofmann: da Sie für sich bereits eine zufriedenstellende umweltfreundliche Mobilitätslösung mit Vorbildcharakter gefunden haben, wären Sie wenig begeistert, für ein Bürgerticket zahlen zu müssen.

    Mit dem „betragsfinanzierten Nulltarif“ im Stadtverkehr sollen weitere Menschen in Richtung umweltfreundliche(re) Mobilität gebracht werden. Doch indirekt profitieren auch Sie: weniger Autoverkehr sorgt für bessere Luft und mehr Platz auf der Straße.

    Wie im zweiten Artikel zu dem Thema erläutert wird, gibt es derzeit viele verschiedene Studien und daraus resultierende Berechnungen, wie das Bürgerticket möglichst günstig und dennoch tragfähig gestaltet werden kann. In einer dieser Berechnungen wird das Ticket mit nur 15 Euro pro Monat veranschlagt.

    Zudem fahren die Busse und Bahnen zahlreicher Verkehrsbetriebe heute bereits umweltfreundlich.

    Birte Moritz

Leave a Reply