Umweltschutz in China braucht einen langen Atem

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Luftverschmutzung in Beijing

Die Bilder Smog-verhangener chinesischer Städte und ihrer Bewohner, die sich mit Gasmasken gegen die verschmutzte Luft zu schützen versuchten, gingen erst vor einigen Monaten wieder um die Welt. Die Heizperiode ist zwar vorbei – und die Energie zum Heizen wird nach wie vor hauptsächlich aus Kohlekraftwerken bezogen – aber das Leben in chinesischen Metropolen raubt einem weiterhin den Atem.

Laut der Behörde für Umweltschutz haben 2013 nur drei von 74 Großstädten in China den staatlichen Standard für gute Luft eingehalten. Und auch im März 2014 lag laut Medienberichten der Index für die Schadstoffe mit einem Wert von 350 noch beim 14-fachen des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwertes.

Die Luftverschmutzung ist jedoch bei weitem nicht das einzige Übel in China in punkto Umweltbelastung: Auch die Verunreinigung der Gewässer hat längst bedrohliche Ausmaße angenommen. Angesichts einer weiter wachsenden Bevölkerung, der zunehmenden Industrialisierung und Bebauung von Flächen ist China jedoch dringend auf den Erhalt seiner natürlichen Ressourcen angewiesen. Bedarf besteht in China daher an allem, angefangen von „grünen“ Technologien über alternative Mobilitätskonzepte bis hin zu „Rezepten“ zur Erhöhung der Energieeffizienz.

China größter Investor in Erneuerbare Energien

Die chinesische Regierung hat den Umweltschutz längst nicht nur als strategisches Thema identifiziert, an dem sich möglicherweise die Zukunft des Landes (zumindest mit-)entscheidet, sondern investiert massiv in die Nutzung sauberer Energiequellen und innovativer Technologien. Die Ziele sind anspruchsvoll: Bereits 2015 will die chinesische Regierung 15 Prozent der Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen decken. 2013 hat China 56,3 Mrd. US$ in erneuerbare Energien investiert – das ist Platz eins weltweit. Zudem will das Reich der Mitte der Elektromobilität mit massiven Subventionen auf die Beine beziehungsweise auf die Straße helfen. Erst kürzlich hat der Staatsrat unter anderem beschlossen, die zehnprozentige Verkaufssteuer für Elektroautos (auch Plug-in-Hybride und Wasserstoffautos) ab September bis Ende 2017 auszusetzen. Und um die Luftqualität zu verbessern und den Feinstaub in der Stadt bis 2017 um 25 Prozent zu reduzieren, will die Stadt Beijing über 160 Milliarden US$ investieren.

„Green Horizon“-Initiative: Datenanalyse für mehr Transparenz und Handlungsfähigkeit

Dazu kooperiert sie unter anderem mit IBM: Im Rahmen der internationalen Initiative Green Horizon“ werden unter der Leitung des China Research Labors von IBM in den nächsten zehn Jahren Lösungen für die Verbesserung der Luftqualität, der Energieoptimierung sowie Prognosen zum Einsatz erneuerbarer Energien entwickelt. Dabei kommen Big Data- und Analyse-Plattformen, optische Sensoren und kognitive Systeme zur Entwicklung neuer Klima- und Wettervorhersage-Modelle zum Einsatz. IBM wird in die Zusammenarbeit insbesondere seine Kompetenzen und Erfahrungen bei der Analyse enorm großer Datenmengen aus unterschiedlichsten Quellen in Echtzeit einbringen.

„Green Horizon“ ist eine internationale Initiative, die darauf abzielt, über Kooperationen zwischen Privatwirtschaft, öffentlicher Verwaltung und Forschungseinrichtungen neue Lösungen für Energie- und Umweltfragen zu entwickeln. Peking wurde als eine der ersten Städte Partner dieser Initiative. Auch Madrid hat inzwischen einen Vertrag mit IBM abgeschlossen; die Stadt will mithilfe von IBM Smarter Cities-Lösungen ihre kommunalen Dienstleistungen insbesondere in den Bereichen Wasser- und Abfallmanagement verbessern.

Die skizzierten Beispiele zeigen vor allem eins: Voraussetzungen, Anforderungen und Prioritäten in punkto Umweltschutz sehen je nach Region unterschiedlich aus. Die Analyse von Big Data stellt jedoch unabhängig davon eine wichtige Grundlage für die Implementierung wirkungsvoller Maßnahmen dar. Sonnige Aussichten also für IBM & Co. – auch wenn der Smog in China sicherlich noch lange ein Problem bleibt.

 

 

 

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