Umweltbundesamt will Zwangsabgabe für Einwegflaschen

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Ist das deutsche Mehrwegsystem ein Auslaufmodell? Coca Cola zumindest verzichtet künftig teilweise auf Mehrweg.

Eine aktuelle Meldung des Getränkekonzerns Coca-Cola hat Politiker und Umweltexperten alarmiert. Der Brausehersteller gab bekannt, teilweise aus dem deutschen Mehrwegsystem aussteigen zu wollen und künftig verstärkt aus Einweg zu setzen. Sollten auch andere Unternehmen diesem Beispiel folgen, könnte das bewährte deutsche Mehrwegkonzept ins Wanken geraten, befürchten Beobachter. Schon seit Jahren sinkt der Anteil von umwelt- und klimafreundlichen Mehrwegflaschen zugunsten der Wegwerfflaschen messbar. Das Umweltbundesamt (UBA) denkt deshalb jetzt über eine Umwelt-Zwangsabgabe für Einwegflaschen nach.

Seit vielen Jahrzehnten werden Millionen Flaschen überall auf der Welt bis zu 50 Mal wieder befüllt. Das Konzept hat sich bewährt und steht vor allem für den Klima- und Umweltschutz, denn es verursacht gegenüber Einwegflaschen weit weniger Abfall, verbraucht weniger Rohstoffe und spart zudem Energie. UBA – Präsidentin Maria Krautzberger sagte dazu: „Auch wenn sich die Ökobilanz von Einweg-Getränkeverpackungen wegen des Pfandes verbessert hat: Mehrweg ist gelebte Abfallvermeidung“.

Doch nachdem ausgerechnet der Getränkeriese Coca-Cola im Februar verkündete, seine 0,5 und 1,5 Liter Flaschen künftig als Einwegflaschen in den Handel bringen zu wollen, wurden Befürchtungen laut, dass auch andere große Getränkehersteller dem Beispiel folgen und das Mehrwegsystem in Deutschland dadurch mehr und mehr zum Auslaufmodell werden könnte. Schon seit Jahren sinkt der Verkauf von Mehrwegflaschen kontinuierlich, Während vor zehn Jahren noch etwa 70 Prozent der Getränke in Mehrwegflaschen verkauft wurde, sind es mittlerweile nur noch die Hälfte, auch weil die meisten Discounter oft nur Einwegflaschen im Sortiment haben und auf Mehrweg völlig verzichten. 

Das Umweltbundesamt überlegt jetzt, auf diese Entwicklung durch die Einführung von Zwangsmaßnahmen zu reagieren. „Eine Zusatzabgabe für Einweg zur Stützung des Mehrwegs schließen wir nicht aus“, sagte Krautzberger laut dem „Spiegel Online„. Demnach könnten Verbraucher künftig 20 Cent extra für jede Einwegflasche zahlen müssen – auch wenn diese bereits mit einem Pfand belegt ist. Das Geld könnte dann etwa für Abfallvermeidungsmaßnahmen oder zur Unterstützung des Mehrwegsystems verwendet werden.

Außerdem sollen die Bundesländer nun endlich die seit zwei Jahren ausstehende Kennzeichnungspflicht für Einweg- und Mehrwegflaschen in die Tat umsetzen, fordert das UBA.  Denn noch immer gingen rund 50 Prozent der Deutschen davon aus, dass Pfandflaschen immer Mehrwegflaschen seien. Doch das sei nicht der Fall, erklärte die Deutsche Umwelthilfe. Viele Verbraucher wollen Mehrweg kaufen, landen aber bei Einweggetränken“, sagte Krautzberger dazu.

Bislang ist noch nicht bekannt, ob und wann diese Abgabe kommen wird. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) allerdings hält, Medienberichten zufolge, „derzeit“ eine Zwangsabgabe für Einweg-Getränkeverpackungen noch nicht für notwendig.

 

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