WWF-Report: „Stranger Species“ am Mekong

WWF-Bericht
„Stranger Species“: Entlang des Mekong wurden alleine im letzten Jahr insgesamt 115 neue Arten entdeckt

Der Mekong ist einer der zwölf längsten Flüsse der Erde. Er durchfließt insgesamt sechs Länder und wird als „Lebensader“ Südostasiens bezeichnet. Denn er liefert den Menschen nicht nur Nahrung und Transportwege durch ein ansonsten unwegsames Gelände. Auch große  wirtschaftliche Projekte, wie beispielsweise Stauseen und Kraftwerke, werden an seinen Läufen verwirklicht. Diese haben jedoch nicht nur positive Auswirkungen. Seit einigen Jahren weisen immer wieder auf die gravierenden Folgen für Umwelt und Landwirtschaft an den Ufern des Mekong hin. Nun hat der WWF den Bericht „Stranger Species“ veröffentlicht. In diesem stellt er insgesamt 115 Arten vor, die im vergangenen Jahr in der Mekong-Region in Asien entdeckt wurden. Dabei sind auch sie stark durch Industrie und Wirtschaft in den Regionen bedroht.  

Elf Amphibien, zwei Fische, elf Reptilien, 88 Pflanzen und drei Säugetiere aus Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam – dies ist das Ergebnis der Arbeit von hunderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt. Arnulf Köhncke, Artenschutzexperte beim WWF Deutschland, erklärt dazu: „Im Schnitt wurden am Mekong im letzten Jahr jede Woche zwei neue Arten entdeckt und rund 2500 in den letzten 20 Jahren. Das lässt erahnen, mit was für einem unglaublichen Artenreichtum wir es in der Region zu tun haben“.

Außergewöhnliche neu Arten

Zu den Highlights der Neuentdeckungen gehören:

  • Die vietnamesische Krokodilschwanzechse (Shinisaurus crocodilurus vietnamensis): eine mittelgroße Schuppenechse, die in abgelegenen und immergrünen Wäldern von Südchina und Nordvietnam lebt. Von ihr gibt es geschätzt nur noch 200 Exemplare, die stark durch Kohleabbau und Lebend-Tierhandel bedroht sind.
  • Eine Schneckenfresser-Schildkröte (Malayemys isan): sie wurde auf einem Markt in Nordost-Thailand. Wie viele Schildkröten Thailands ist sie vor allem durch Bau von Straßen, Deichen und Dämmen bedroht.
  • Die Berghufeisennase (Rh inolophus monticolus): diese Fledermaus lebt in den immergrünen Bergwäldern in Laos und Thailand. Mit ihrer markanten, hufeisenförmigen Nase könnte sie auch Teil der Star Wars-Besetzung sein.
  • Der grün-braun gefärbte Frosch (Odorrana mutschmanni): er ist eine von fünf neuen Arten, die seit 2012 alleine in den Karstwäldern in Nordvietnam entdeckt wurden – einer Landschaft steiler Kalkstein-Klippen ähnlich der weltberühmten Halong-Bucht, allerdings bewaldet. All diese Arten haben gemein, dass sie vom Sand-Abbau für den Zement- und Straßenbau bedroht sind.
  • Eine Schmerle aus Kambodscha mit einem länglichen Körper mit auffälligen schwarzen und braunen Streifen.

Bedrohte Arten

Gleichzeitig zeigt der Bericht auf, dass diese neuen Arten, kaum gefunden, bereits vom Aussterben bedroht sind. Tatsächlich ist dies für 70 Prozent der nur in der Mekong-Region vorkommenden Säugetiere der Fall. „Leider haben wir es am Mekong mit einem fürchterlichen Raubbau an der Natur zu tun“, so Arnulf Köhncke. „Seit den 70er Jahren werden hier jährlich etwa 1,3 Millionen Hektar Wald durch illegalen Holzeinschlag zerstört. Gleichzeitig sind aktuell rund 150 Wasserkraftwerke geplant, die den Lebensraum zahlloser Wasserlebewesen zu zerstören oder zerschneiden drohen. Viele weitere Arten könnten so aussterben, bevor wir überhaupt von ihrer Existenz erfahren.“

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Quellen:
http://www.wwf.de/2017/dezember/im-osten-was-neues/
https://de.wikipedia.org/wiki/Mekong