Umweltfreundliche universelle Mobilitätskarte?

Buergerticket für den Umweltschutz
Buergerticket für den Umweltschutz

In vielen Städten und Gemeinden wird derzeit über das sogenannte Bürgerticket diskutiert. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eigentlich kein Fahrschein, sondern ein System, das die Nutzung des ÖPNV für alle Bürger frei zugänglich macht und ohne Fahrschein auskommt, da es von der Solidargemeinschaft finanziert wird.

Das CleanEnergy Project berichtete bereits über Einzelheiten und Tücken des Konzepts, aber auch über Erfahrungen damit.

Der Geographie-Professor Heiner Monheim geht mit seinen Forderungen noch einen Schritt weiter. Er plädiert für eine deutschlandweite Variante des Bürgertickets. 100 bis 150 Euro pro Monat hätte nach seiner Kalkulation dann jeder Bürger zu zahlen. Dafür könnten sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel in Deutschland genutzt werden, also auch der Intercity und ICE, sogar Carsharing und Fahrradverleih sollen inbegriffen sein.

Ein sehr guter Preis wäre das für die zu erhaltene Leistung. Man vergleiche es mit der „Bahncard 100“ der Deutschen Bahn AG. Damit lassen sich beliebig viele Fahrten für einen festen Preis unternehmen. Allerdings liegt der Fokus dabei auf dem Fernverkehr. Fahrten im städtischen Nahverkehr sind nur teilweise inklusive. Die Karte ist derzeit für einen Preis von 4.090 Euro im Jahr, also 340 Euro im Monat zu haben.

Attraktiver ist da beispielsweise das „Generalabo“ (GA) in der Schweiz. Dort ist man mit umgerechnet 278 Euro dabei (kaufkraftbereinigt noch niedriger), bekommt aber eine viel umfassendere Leistung. Nicht nur alle Eisenbahnen, auch die Busse, Straßenbahnen und Schiffe sind mit dem GA ohne weitere Kosten nutzbar. Ohnehin ist die Schweiz Vorreiter bei derartigen Abos. Das GA wurde bereits vor über 100 Jahren, im Jahr 1898, eingeführt. Seitdem hat sich seine Beliebtheit stets gesteigert. Heute wird es rund 450.000 Mal im Jahr verkauft. Zum Vergleich: die deutsche „Bahncard 100“ nutzen rund 43.000 Kunden, und das bei einer 10-fachen Bevölkerungszahl gegenüber der Schweiz.

Konkurrent Auto

Beim Hauptkonkurrenten, dem Auto, blenden viele Nutzer nach vor gerne all die Kosten aus, die nach den Anschaffungskosten zu den regelmäßigen Tankrechnungen hinzukommen, wie etwa Reparaturen, Steuer und Versicherung. Der Hamburger Verkehrspsychologe Jörg-Michael Sohn plädiert dafür, darüber hinaus auch den Faktor Zeit kritisch zu betrachten. „Die meisten Autofahrer unterschätzen die Zeit, die sie brauchen, um das Mobilitätskonzept eigenes Auto zu erhalten“, sagt er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Zur reinen Fahrtzeit müsse man eigentlich die Zeit fürs Tanken, für die Autowäsche und den Werkstattcheck hinzuaddieren. Er fügt in seiner Berechnung außerdem die Arbeitszeit, die aufgewendet werden muss, um sich das Auto leisten zu können, hinzu und kommt so zu einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nur drei bis 27 Stundenkilometern.

So betrachtet, steht der Öffentliche Personen-(nah-)verkehr hinsichtlich Kosten und Zeitaufwand nicht so schlecht da. Doch reicht das, um die Bevölkerung für eine universelle Mobilitätskarte, ein deutschlandweites Bürgerticket zu begeistern?

Den gut verdienenden Geschäftsmann, der oft kreuz und quer durchs Land fährt, würde ein solches System freuen. Doch wäre die nicht mehr so reiselustige Seniorin, die nur dreimal die Woche den Bus in ihrem Ort nutzt, gewillt, die Reisen des Geschäftsmanns mitzufinanzieren? Wie weit geht die Solidarität? Was meinen Sie, unsere Leser des CleanEnergy Project?

  • Mehr zum Bürgerticket von dieser Autorin:
  • Bürgerticket Teil 2: Umweltfreundlich und preiswert
  • Bürgerticket Teil 1: Umweltschutz über den Ausbau des ÖNPV

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