Schlechte Gewässer statt Muscheln am Rumpf

Unsere Gewässer leiden unter den biozidhaltigen Antifouling-Anstrichen an Sportbooten.
Antifouling-Anstriche zum Schutz vor Bewuchs durch Muscheln schadet unseren Gewässern.

Mangelnde Artenvielfalt, hohe chemische Belastung, Eingriff in den natürlichen Verlauf – zu viele unserer deutschen Gewässer sind in einem schlechten Zustand. Die Hauptursachen sind bekannt. Doch es gibt auch Problemstellen, die eher unbekannt sind. So etwa auch die hohe Kupferbelastung durch Antifouling-Anstrichen von Sportbooten. Zwar ist dies keine der Hauptursachen, doch Kleinvieh macht auch Mist.

Um deutsche Gewässer steht es schlecht. Das ist jedoch keine neue Erkenntnis, sondern ist schon seit langem bekannt. Immer wieder wird die schlechte Qualität bestätigt. Erst dieses Frühjahr bestätigte dies die Bundesregierung auf Nachfrage der Grünen. Vor kurzem äußerte auch das Europäische Umweltamt seine Bedenken zur Qualität unserer Gewässer. Vor allem Flüsse sind dabei betroffen. Lediglich sieben Prozent erfüllen die Kriterien für einen „guten“ Zustand. Dabei kommt es sowohl auf die Biodiversität als auch auf die chemische Verunreinigung in den Gewässern an. Hauptursache sind wohl industrielle Landwirtschaft, Umbaumaßnahmen wie beispielsweise Begradigungen und Schifffahrt. Im letzten Punkt weist nun auch das Umweltbundesamt auf Probleme hin. Allerdings geht es diesmal weniger um Probleme durch Verkehrsschiffe, sondern vielmehr um die viel kleinere Sportboote.

Viele der kleinen Boote bekommen regelmäßig einen Antifouling-Anstrich, um den Bug vor störendem Bewuchs durch Algen oder Muscheln zu schützen. Allerdings weisen diese Anstriche häufig eine hohe Biozid-Belastung auf, darunter besonders oft Kupfer. Diese Biozide lösen sich jedoch nach gewisser Zeit aus dem Anstrich. So kommt es, dass nach einer aktuellen Schätzung deutsche Obergewässer pro Jahr mit circa 70 Tonnen Kupfer aus entsprechenden Antifouling-Anstrichen belastet werden. Problematisch wird diese Menge vor allem deshalb, da sie für Bakterien, Algen, Flusskrebse und Fische ökotoxisch wirkt. Um unsere Gewässer zu schützen, rät das Umweltbundesamt nun zu alternativen Anstrichen.

Regionale Unterschiede der Gewässer erschweren richtigen Gebrauch

Da solch kupferhaltige Antifouling-Anstriche vor allem bei Sportbooten eingesetzt werden, besteht hier der größte Handlungsbedarf. Wie so etwas aussehen könnte, zeigt Skandinavien. So sind in Schweden an weiten Teilen der Ostsee nur Anstriche mit geringem Kupferanteil erlaubt. In den Binnenbereichen ist die Verwendung ganz untersagt. Wie solche Unterschiede zustande kommen erklärt sich durch die Beschaffenheit der entsprechenden Gewässer. Denn in den einen ist der Bootsrumpfbewuchs stärker, in den anderen geringer. Eine solche regionale Verwendung wäre auch eine mögliche Regelung für Deutschland. Allerdings müsste man die Kennzeichnung in diesem Fall für den Verbraucher eindeutiger gestalten.

Ein Vorschlag des Umweltbundesamtes sieht eine Kennzeichnung durch eine dreistufige Ampel vor. So können Verbraucher einen Anstrich verwenden, der für ihr Gewässer, als Nordsee, Ostsee oder Binnengewässer geeignet ist. Je nach Region und dem dortigen Bootsbugbewuchs wären die Anstriche mit mehr, weniger oder auch gar keinen Bioziden versehen. So ist der Bewuchs in Binnengewässer sehr gering, weshalb Verbrauchen hier auf biozidhaltige Produkte gänzlich verzichten können. Stattdessen rät das Umweltbundesamt in diesen Regionen die Boote mit Hartbeschichtungen zu versehen, die sich einfach mit Unterwasserbürsten reinigen lassen.

Ein Tropfen auf dem heißen Stein

Zwar können diese Maßnahmen dazu beitragen, dass die Kupferbelastung in den deutschen Obergewässern sinkt, allerdings wird dies nicht reichen, um das europäische Umweltamt von der Qualität unserer Gesamtheit an Gewässern zu überzeugen. Um sie wieder in einen „guten“ Zustand zu bringen, muss sich noch einiges mehr tun.

Qualle: Umweltbundesamt