Reisebranche mit grünem Anstrich

Strandurlaub

Nicht einmal jeder Zweite kennt das Prinzip: Laut einer deutschlandweiten Umfrage im Auftrag von NaturEnergiePlus im April dieses Jahres haben bislang nur sechs Prozent der Deutschen eine nachhaltige Reise gebucht. Doch langsam macht sich aufgrund der aktuellen Klimadebatte ein Bewusstseinswandel bemerkbar. Und – es tut sich was in der Tourismusindustrie.

Wer genau hinschaut und – zuhört, erkennt den Wandel: Es wird gewandert, gepilgert, das einfache Leben auf der Alm in schöner Natur gilt neuerdings als Ideal. „Entschleunigung“ ist der neue Trend; die Menschen wollen im Urlaub dem Tempo entkommen und zu sich kommen.

Um den Anschluss nicht zu verpassen und auf der sanften „Öko-Welle“ mitzuschwimmen, geben sich viele Reiseveranstalter und Hotels einen „grünen“ Anstrich, setzen einzelne Projekte werbewirksam in Szene. Jedoch machen eine Lodge im Torfhaus, Biosauna und eine Küche mit heimischen Produkten kein wirklich umweltgerechtes Angebot aus.

Wie kann man also in der grünen Öko-Katalog- und Internetseitenwelt „bessere“ von „schlechteren“ Angeboten unterscheiden?

Empfehlungen für „bewusstes Reisen“ gibt die Verbraucher Initiative e.V. auf ihrer Internetseite www.reisekompass-online.de.

Das Grundprinzip ist einfach: Bei der Reiseplanung auf Details achten und die einzelnen Schritte der „Reisekette“ nach umwelt- und sozialverträglichen Aspekten abklopfen:

Der Urlaub muss nicht immer ins Ausland führen. Je näher das Urlaubsziel, desto weniger Emissionen, jedenfalls sofern Bus oder Bahn genutzt werden statt Auto oder Flugzeug.

Doch Nachhaltigkeit beinhaltet im Tourismus mehr Aspekte als nur CO2 -Ausstoß und Umweltschutz. Eine „nachhaltige“ Reise sollte nicht nur ökologisch tragbar, sondern auch ethisch und sozial gerecht sein. Verantwortungsbewusste Anbieter achten beispielsweise auf die politische und gesellschaftliche Situation des Reiselandes: Werden Menschenrechte mit Füßen getreten? Ist Ausbeutung und Prostitution an der Tagesordnung? Oder wie steht es mit dem Schutz der Natur? Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte informieren vorab den „grünen“ Kunden.

bigstock-Waiter-pouring-red-wine-to-a-w-45754489Beim Buchen der Hotelananlage – außerhalb von Schutzgebieten und in einer der Landschaft angepassten Architektur – stehen Umweltfreundlichkeit und Qualität an erster Stelle. Dazu zählen Energie- und Wassersparmaßnahmen, Mülltrennung, Abfallvermeidung und die Verwendung umweltfreundlicher Reinigungsmittel. Auf den Teller kommen überwiegend frische, saisonale Produkte aus der Region und ins Glas die Traube vom Weinbauern aus der Nachbarschaft. Das schmeckt nicht nur, sondern schont auch die Umwelt und schafft Arbeitsplätze in der Region – mit fairen Löhnen.

Die enge Verbundenheit zu Land und Leute gehört zum Kerngeschäft von Spezialveranstaltern, auch bei der Auswahl der Freizeitaktivitäten.

Statt Ralley-Touren im Naturschutzgebiet oder Canyoning in unberührter Bergwelt bieten verantwortungsvolle Reiseveranstalter umweltschonende Aktivitäten an und arbeiten eng mit der einheimischen Bevölkerung zusammen. Auch im Urlaub sind die eigenen Füße und das Rad die umweltfreundlichsten Fortbewegungsmittel. Und wo Fuß und Rad nicht reichen, kann man auf Bus und Bahn oder Taxi umsteigen.

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Letztendlich liegt es also an uns, den Touristen. Wir sind diejenigen, die entscheiden müssen, welches Hotel wir buchen und ob wir unbedingt für eine Woche auf die Malediven oder nach Costa Rica fliegen müssen, um uns zu erholen, zu „entschleunigen“. Fakt ist, bei jeder Planung Kompromisse zulassen, denn kaum eine Reise erfüllt alle der aufgeführten „grünen“ Anforderungen. 

 

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