Plastikmüll vermeiden: Die Frosch Recyclat-Initiative

Plastikmüll an der Küste Malaysias. 2050 könnte es mehr Plastik in den Meeren geben als Fische.

Im Pazifik gibt es eine Insel von der Größe Mitteleuropas. Der sogenannte achte Kontinent besteht nur aus Müll. Aus Plastikabfällen. Dieser „Müll-Kontinent“ wächst täglich. Von den rund 225 Millionen Tonnen Kunststoff, die jährlich produziert werden, landen etwa zehn Prozent irgendwann im Meer. Dabei könnte viel davon vollständig recycelt werden, sagt Reinhard Schneider, Inhaber der Werner & Mertz GmbH (Frosch). Er hat die Frosch Recyclat-Initiative gegründet und ein Verfahren entwickelt, mit dem viele Plastikabfälle zu 100 Prozent wiederverwendet werden könnten.

2050 mehr Plastik als Fische im Ozean?

Bald wird es in den Ozeanen mehr Plastikabfälle geben als Fische. Diese These ist kein überzogener Vergleich, sondern eine Tatsache. Bis 2050 könnte das die traurige Wahrheit sein. Wenn wir nichts ändern an unserer Wegwerf-Mentalität und unserer Liebe zu Kunststoffen.

Fakten und Zahlen zum Plastikmüll

Seit 1950 wurden rund 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoffe hergestellt. Davon wurden aber nur 600 Millionen Tonnen recycelt. Weitere 800 Millionen Tonnen wurden umwelt- und klimaschädlich verbrannt. Aber der Großteil des Plastikmülls kommt auf oft ungesicherten Deponien und landet früher oder später in den Ozeanen.

Wir Deutschen sind die größten Plastik-Liebhaber im europäischen Vergleich. Mit rund 11,7 Millionen Tonnen verbrauchen wir pro Jahr so viel Plastik wie kein anderes Land in Europa. Eine Plastiktüte hat dabei nur eine durchschnittliche Gebrauchsdauer von 25 Minuten. Danach wird sie entsorgt. Recycelt wird in Deutschland nur rund 40 Prozent des Plastikmülls.

Ganz im Gegensatz zu Dänemark. Dort werden bis zu 90 Prozent des Plastikmülls recycelt. Damit ist Dänemark ein leuchtendes Beispiel. Leider steht das Land damit in Europa allein da. Wir Europäer verbrauchen ein Viertel des jährlich weltweit hergestellten Plastiks. Gleichzeitig recyceln wir nur einen kleinen Teil davon (30 Prozent). Am schlimmsten ist es in den USA. Dort werden nur neun Prozent recycelt. Auch in China (25 Prozent) wird noch weniger wiederverwertet als in Europa.

Die Neuproduktion ist günstiger als das Recycling

Kai-Reinhard Schneider, Inhaber von Frosch und Gründer der Frosch Recyclat-Initiative

Reinhard Schneider, Inhaber des bekannten Spülmittelherstellers Frosch und Gründer der Frosch Recyclat-Initiative kennt einen der Gründe: „Die Neuproduktion ist noch immer unschlagbar günstig“. In einem Interview mit dem Spiegel kritisiert er die Praktiken vieler Unternehmen im Umgang mit Plastikmüll. Dem amerikanischen Konzern Proctor & Gamble beispielsweise wirft er gezielte Verbrauchertäuschung vor. Das Unternehmen werbe damit, zehn Prozent Ozeanplastik für seine Produkte zu verwenden. Tatsächlich sei aber weit weniger enthalten.

Könnte Plastik eines der ökologischsten Materialien der Welt werden?

Frosch dagegen verwendet eigenen Angaben zufolge zu einhundert Prozent Altplastik für viele seiner Verpackungen. Das Unternehmen glaubt, Plastik könne zu einem der ökologischsten Materialien der Welt werden. Das schreibt Frosch sogar auf deren Produkte. „Wir meinen das im Sinne eines echten Kreislaufs“, erklärt Schneider.

Die Recyclat-Initiative

Frosch stellt PET (Polyethylenterephtalat)-Flaschen aus sogenanntem PE(Polyethylen)-Recyclat her. Diese sind zu 100 Prozent wiederverwertbar. Auf der Website der Initiative kann jeder lesen, wie viele solcher Flaschen bereits im Umlauf sind. Die Grundstoffe für die Flaschen liefern bislang größtenteils PET-Pfandflaschen. Nur zwanzig Prozent davon stammen aus dem gelben Sack. Um das zu ändern, hat Schneider die Recyclat-Initiative gegründet. „Das Problem ist doch: Eine riesige Menge an Recyclingmaterial aus dem gelben Sack wird noch immer ungenutzt verheizt.“

„Die Verbraucher honorieren die Initiative“, sagt Schneider. Allerdings hat er das Gefühl, dass der Wettbewerb die Initiative bisher kaum unterstützt, sagt er im Interview. Er hofft, dass sich das bald ändert. Einige Partner hat die Initiative bereits gewonnen, darunter die REWE Group. Und auch wir als Verbraucher können helfen, Plastikmüll zu vermeiden. Dazu sollen wir auf den Recyclat-Anteil in den Produkten achten. Zudem wünscht er sich, dass die Verwendung von Recyclat künftig belohnt wird. Das sieht auch das neue Verbrauchergesetz vor. Gesteuert über das duale System. Dass das wirklich funktioniert, bezweifelt Schneider jedoch stark: „Solange sich Dumpinganbieter unter den dualen Systemen halten können, wird sich so schnell gar nichts ändern.“

Dabei müssen wir dringend umdenken. Nachhaltige Lösungen, Kampagnen und innovative Ideen (Unverpackt einkaufen) sind gefragt, damit der Müll-Kontinent nicht immer weiter wächst. Die Frosch-Initiative sieht Plastik als einen Wertstoff, der – richtig verwendet – recycelt werden kann. Und das vermeidet Verpackungsmüll. Lesen Sie hier mehr über die Frosch Recyclat-Initiative.

Quelle: Fakten und Zahlen zum Plastikmüll

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