Ölpest im Nigerdelta: Shell schaut tatenlos zu

Eric Dooh at home in Goi village showing oil pollution

Das Nigerdelta leidet nach wie vor stark unter der Umweltverschmutzung durch die Erdölförderung des Shell-Konzerns. Obwohl das Umweltprogramm der Vereinten Nationen schon vor zwei Jahren konkrete Empfehlungen ausgesprochen hatte, was Shell und die nigerianische Regierung tun können, um das verseuchte Ogoniland im Nigerdelta zu säubern, müssen die Menschen dort noch immer ölversuchtes Wasser trinken. 

Wie die Umweltorganisation Friends of the Earth Europe jüngst mitteilte, gehen die Bemühungen des Mutterkonzerns Royal Dutch Shell noch immer nicht weit genug, um die immensen Umweltschäden im Nigerdelta einzudämmen. Seit über 50 Jahren fördert der Konzern an der Westküste Afrikas Erdöl an über 5.000 Bohrlöchern – täglich rund zwei Millionen Barrel.

Das sensible Ökosystem der Mangrovenwälder leidet sehr darunter. Durch veraltete Pipelines und Förderanlagen, Sabotageakte und Unfälle sind im Laufe der Zeit riesige Mengen Erdöl in die Umwelt gelangt. Gewässer und Wälder sind zum Teil mit dicken Ölfilmen bedeckt, das Trinkwasser ist verseucht.

Die Menschen leiden Hunger, denn Fischzucht, die Lebensgrundlage vieler im Delta, ist kaum noch möglich. Nur eine groß angelegte Säuberungsaktion kann das Gebiet als Lebensraum für Mensch und Natur noch retten.

Gemeinsam mit dem BUND (Bund für Umweltschutz und Naturschutz Deutschland) fordert Friends of the Earth Europe den holländischen Ölkonzern nun auf, die bei der Ölförderung im Nigerdelta verursachten Schäden innerhalb der nächsten drei Jahre zu beseitigen. „Die massiven Umweltschäden der Shell-Ölförderung in Nigeria wirken sich auf die Gesundheit der einheimischen Bevölkerung verheerend aus. Viele Dörfer haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser mehr, die Belastung von Brunnen mit Benzol übersteigt den von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Wert bis zu neunhundertfach. Vor zwei Jahren haben die Vereinten Nationen Shell und die Regierung Nigerias aufgefordert, Maßnahmen zur Säuberung der Region zu ergreifen. Passiert ist bisher nichts“, kritisiert die BUND-Referentin für internationale Klimapolitik, Inga Römer, den Shell-Konzern scharf. Es werfe ein äußerst schlechtes Licht auf das umsatzstärkste Unternehmen Europas, wenn es seinen Profit weiterhin auf Kosten der Umwelt mache. Es müsse alles in seiner Macht stehende unternehmen, um die Säuberung von Ogoniland zu beschleunigen.

An vielen Stellen muss kontaminiserter Mutterboden durch neuen Boden ersetzt werden, verseuchte Trinkwasserquellen müssen stillgelegt und die Bevölkerung mit sauberem Wasser versorgt werden. Die wertvollen Mangrovenwälder müssen durch Jungpflanzen aufgeforstet werden.

Erst im Januar dieses Jahres hatten nigerianische Bauern gemeinsam mit Friends oft he Earth Europe einen Sieg vor Gericht gegen Shell erzielt. Sie hatten den Konzern wegen der in Nigeria verursachten Ölverschmutzung verklagt. Ein Gericht hatte der Anklage in einem Fall Recht gegeben. Shell muss an Kläger aus dem Dorf Ikot Ada Udo, das durch die Ölförderung seine Lebensgrundlage verloren hat, eine Entschädigung zahlen. Doch das ist nur ein kleiner Sieg.

Shell hat das Urteil inzwischen angefochten und legt weiterhin die Hände in den Schoß. Auch die nigeriansiche Regierung bleibt untätig. Zwar hat sie inzwischen eine Institution gegründet, um die Renaturierung des Ogonilandes in Angriff zu nehmen, das Hydrocarbon Pollution Restoration Project (HYPREP). Tätig geworden ist dieses aber bisher noch nicht. Nur eine ernstgemeinte und von staatlicher Seite gestützte Aktion kann die weitere Vernichtung des Nigerdeltas aufhalten.

Unterzeichnen auch Sie die Petition gegen Royal Dutch Shell, um die Umweltverschmutzung im Nigerdelta zu stoppen.

Josephin Lehnert

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