Meereswächter – gemeinsam gegen Plastikmüll

Umweltschutz The OceanCleanup

Millionen Tonnen an Plastikmüll verschmutzen unsere Meere. Jedes Jahr sterben mehr als eine Million Seevögel und über hunderttausend Meeressäugetiere an den Folgen. Durch die Nahrungsmittelkette nehmen auch wir die kleine Plastikpartikel auf, die giftige chemische Substanzen enthalten und ein großes Gesundheitsrisiko darstellen können. Das Problem ist bekannt – aber wie kann es gelöst werden?

Bis vor kurzem ging man davon aus, dass ein Säubern der Meere aufgrund der riesigen Fläche unmöglich ist. Würde man versuchen, die Meere mit Schiffen und Schleppnetzen zu reinigen, würde man dazu rund 79.000 Jahre benötigen – nicht zu sprechen von Milliarden an Finanzierung und einem hohen Risiko, Meerestiere bei der Aktion zu verletzen.

2013 gründete der 19-jährige Niederländer Boyan Slat die Initiative „The OceanCleanup“ und arbeitete in den vergangenen zwei Jahren mit hunderten von Freiwilligen aus Wissenschaft und Forschung daran ein Konzept seiner Idee zur Säuberung der Meere vorzulegen. 2014 legte die Initiative eine Machbarkeitsstudie vor, die belegt, dass dieses technologische Konzept umsetzbar und finanzierbar ist.

Die Idee

Der zugrunde liegende Ansatz des Konzepts klingt simpel: wenn es nicht zu schaffen ist, die Ozeane zu durchpflügen, dann überlassen wir doch dem Meer die Bewegung. Statt also zu versuchen, mit Schiffen und Netzen den Plastikmüll einzusammeln, möchte The OceanCleanup schwimmende Filterbarrieren an strategischen Punkten der Weltmeere installieren, die durch die natürlichen Strömungen des Wassers die Plastikpartikel aufnehmen. Da sich die Barrieren nur an der Meeresoberfläche befinden, stellen sie keine Gefahr für die Meerestiere dar, sammeln aber das an der Oberfläche treibende Plastik auf.

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Aber Wo?

Eine der Voraussetzungen, durch die das Vorhaben aus Sicht von Experten umsetzbar ist, ist die Tatsache, dass sich der größte Teil des Plastikmülls durch die Meeresströmungen in fünf Meeresgebieten in fließenden Wirbel sammelt. Alleine im sogenannten großen pazifischen Müllstrudel befindet sich rund ein Drittel des treibenden Plastikmülls.

Auch der Berliner Informatiker Tim Landgraf war mit rund 100 Forschern an der Prüfung der Machbarkeit beteiligt. Er befasste sich mit den Fragen: Wo müssen die Filter im Meeresstrudel platziert werden, um die größte Wirkung zu haben, und wie groß ist der Effekt tatsächlich? Vorarbeit leisteten Wissenschaftler wie der Ozeanograph Erik van Sebille. Er wertete die Positionsdaten von Tausenden Bojen aus, die für das wissenschaftliche Projekt Global Drifter Program bereits seit vielen Jahren auf den Meeren schwimmen – getrieben von Strömung und Wind.

Auch wenn Tim Landgraft skeptisch ist, was das avisierte Startdatum 2020 betrifft, hält auch er das Konzept nach Berechnungen und Simulationen für sinnvoll und wirksam. Er geht davon aus, dass in den kommenden Jahren mehrere kleinere Barrieren installiert werden.

Das Ergebnis

Die Machbarkeitsstudie von The OceanCleanup kommt zu dem Ergebnis, dass eine 100 Kilometer lange Barriere, die über 10 Jahre installiert ist, auf passive Weise 42% des Plastikmülls großen pazifischen Müllstrudel aufnehmen wird.

Eine konservative Berechnung schätzt diese Menge auf rund 70.320.000 kg. Damit würden sich die Kosten auf € 4,53 per Kilo Plastikmüll umrechnen lassen. Finanziert wird das Projekt vor allem über Crowdfunding und ist mittlerweile eines der erfolgreichsten Non-Profit Crowdfunding-Projekt weltweit.
Ein Pilotprojekt in Küstennähe soll bereits im nächsten Jahr starten.

The OceanCleanup: http://www.theoceancleanup.com

1 Kommentar

  • Tolle Initiative. Eigentlich finde ich den Spruch: „Geht nicht, gibts nicht“ und die damit verbundene Aussage, dass man immer Erfolg hat, wenn man es nur oft und energisch genug versucht, nicht so gern. Denn mit der Zeit lehrt einen das Leben, dass dies leider nicht immer der Fall ist. Aber an diesem Beispiel kann man sehr gut sehen, was erreicht werden kann, wenn man sich von negativen Fachurteilen nicht entmutigen lässt und seinen Weg geht.