Landwirtschaft im Klimawandel

Biologische Vielfalt trotzt dem Klimawandel
Eng gepflanzte Mischkultur verhindert Erosion. / Bild: Malchus Kern

Extremwetterereignissen, die mit dem Klimawandel einhergehen, häufen sich. Das hat Konsequenzen auf unsere Umwelt und Nahrungsmittelproduktion. Wir brauchen dringend Lösungen.

Auf den ersten Blick sieht es akzeptabel aus. Doch wenn die Obstbauern am Bodensee durch ihre Plantagen gehen, dann können sie nur den Kopf schütteln. Die Starkfröste im Frühjahr haben den Großteil der Blüten der Apfelbäume erfrieren lassen. Die Obstbauern in der Region rechnen mit einem Ernteausfall von über 70%. Doch damit nicht genug. Ein Hagelsturm vor wenigen Wochen hat nun auch noch den Rest der Ernte “verhagelt”. Zwar hängen noch einige Äpfel an den Bäumen, doch nur jeder fünfte ist verwertbar. Der Rest hat Dellen, schimmelt oder ist zu klein, um als Tafelapfel vermarktet zu werden.

Das extreme, wechselhafte Wetter stellt nicht nur Obstbauern vor eine Herausforderung. Wenn Starkregen, wie er in den letzten Monaten viele Regionen Deutschlands immer wieder getroffen hat, auf nackten Ackerboden trifft, setzen sich Bodenteilchen in Bewegung. Auf abschüssigem Gelände führt dies zu Erosion. Fruchtbare Erde wird abgetragen, verunreinigt Flüsse und überflutet bei Hochwasser Straßen und Städte. Es ist ein Teufelskreis: wenn Regen die Nährstoffe aus der Erde ausspült, muss mit Kunstdünger nachgeholfen werden, was meist offene Böden bedeutet. In Italien, Spanien und Portugal dagegen kämpfen Landwirte und Bevölkerung gegen sich immer weiter ausbreitende Waldbrände, die sich aufgrund der anhaltenden Hitze und Wasserknappheit immer fortschreiten. Ohne Wasser verdorrt das Gemüse auf den Feldern und in den Gewächshäusern. Doch je mehr bewässert werden muss, desto weniger Wasser steht zur Verfügung.

Eins ist klar: Bevölkerung und Landwirtschaft muss sich auf diesen Klimawandel einstellen. Doch welche Möglichkeiten haben wir? Im Detail ist diese Frage je nach Region und Nahrungsmittelproduktion sehr verschieden zu beantworten, doch eines ist klar: der Fokus muss sich von einer kurzfristigen Gewinnmaximierung auf ein langfristiges Denken ändern. Denn nur wenn wir nachhaltig unsere Böden schützen und Pflanzen anbauen, die mit Extremwetterlagen klar kommen, werden wir weiter ernten können. Dafür müssen wir offene Böden verhindern, eine größere Biodiversität pflanzen, weniger pflügen, Hecken pflanzen, um Bodenabtrag durch Wind zu verhindern und uns auf die Suche nach Extremwetter- und Trockenheitsresistenterem Saatgut machen, damit wir auch in Zukunft gute Ernten haben werden.

Konkret geht die “Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde” dieser Frage nach und veröffentlicht Forschungsergebnisse kostenlos auf dem neuen Portal “Forum Praxisversuche”. Hier werden Forschungsergebnisse von Versuchen mit pflugloser Landwirtschaft, Mischkultur oder Zweinutzungskultur im Ackerbau, Low-Energy-Gewächshäusern, die durch verrottendes organisches Material geheizt werden oder Saatgutversuche mit trockenheitsresistenteren Sorten im Gartenbau veröffentlicht.

Quelle: http://forum-praxisversuche.de/

Malchus Kern schreibt als Freier Autor über Nachhaltigkeit, insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und digitale Innovationen. Auf seinem Balkon versucht er sich an Selbstversorgung.

Erfahre mehr darüber, wie Du deinen Konsum noch verantwortungsvoller gestalten kannst. Einfache Ideen, um mehr selber zu machen und interessante, faire Produkte helfen dabei – mittwochs auf cleanenergy-project.de.