Internationaler Tag der biologischen Vielfalt

Internationaler Tag der biologischen Vielfalt
Weltweite nehmen die Tierbestände dramatisch ab

Seit dem Jahr 2000 wird der 22. Mai als Internationaler Tag der biologischen Vielfalt gefeiert. Der Tag erinnert an den 22. Mai 1992, an dem in Nairobi Einigkeit über den Text des UN-Übereinkommens über biologische Vielfalt erzielt wurde. Dieses Übereinkommen wurde im Rahmen des Erdgipfels im Juni 1992 in Rio de Janeiro zur Zeichnung ausgelegt – heute ist es mit über 190 Vertragsstaaten eines der erfolgreichsten Übereinkommen der Vereinten Nationen. Aber wie steht es mit der Artenvielfalt und was können wir tun um diese zu erhalten?

Es ist nicht exakt bekannt, wie viele Lebewesen heute auf der Erde leben. Experten gehen von ca. 15 Millionen existierenden Arten aus. Derzeit bekannt und beschrieben sind ca. 1,8 Millionen Arten, auf ihre Gefährdung hin untersucht wurden bisher ca. 40.000 Arten. Alle zwei Jahre misst die Naturschutzorganisation WWF mit dem Living Planet Report die Veränderungen der weltweiten Biodiversität und des menschlichen Konsums. Die Studie zum Zustand der Erde wird gemeinsam mit der Zoologischen Gesellschaft London (ZSL) und dem Global Footprint Network (GFN) erstellt.

Planetarer Burn-Out?

Die Ergebnisse des Living Planet Report 2014 sind eindeutig: Wir gehen mit der Erde alles andere als nachhaltig um, denn wir entziehen uns und unseren Kindern die Lebensgrundlagen in atemberaubender Geschwindigkeit. Damit treibt die Menschheit ihren eigenen Planeten in einen gefährlichen Burn-Out. Zusammengenommen verbrauchen wir jedes Jahr 50 Prozent mehr Ressourcen, als die Erde innerhalb dieses Zeitraums regenerieren und damit nachhaltig zur Verfügung stellen kann. Machen wir so weiter, benötigen die Menschen bis zum Jahr 2030 zwei komplette Planeten, um den Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Bis zum Jahr 2050 wären es bereits fast drei Planeten.

Die Biodiversität nimmt weltweit kontinuierlich ab. Nach Schätzungen sterben täglich 130 Arten aus. Der Living Planet Index zeigt, dass zwischen 1970 und 2010 die beobachteten Tierpopulationen um 52 Prozent zurückgegangen sind. Mit anderen Worten: Im Durchschnitt hat sich die Zahl der Säugetiere, Vögel, Fische und Pflanzen halbiert. In den Tropen war der Rückgang insgesamt drastischer, in Lateinamerika sind die Verluste mit 83 Prozent am höchsten.

Der Verlust des Lebensraums gehört heute zu den größten Bedrohungen der Artenvielfalt. Verursacht durch gravierende Umweltveränderungen, wie Klimaerwärmung, Verschmutzung der Lebensräume, Überdüngung, Überfischung, Jagd, Ausbeutung der Ressourcen und die Ausbreitung fremder Arten. Alljährlich werden gigantische Flächen von Lebensraum vernichtet. Der größte Teil der Zerstörung findet in Schwellenländern statt. Durch Ausbeutung der Rohstoffe dieser Länder und den Kauf daraus hergestellter Produkte sind die Industrieländer direkt oder indirekt an dieser Zerstörung beteiligt.

WWF Infografik

Und wie sieht es in Deutschland aus?
Deutschland muss laut Meinung der Experten insbesondere die Landwirtschaft und den Verkehrssektor nachhaltiger ausrichten, Schutzgebiete wirksamer schützen und die Nationale Biodiversitätsstrategie schneller angehen. Von entscheidender Bedeutung ist zudem die konsequente Umsetzung der Energiewende. Es sind aber auch bereits positive Entwicklungen erkennbar:

Der Internationale Tag der Biologischen Vielfalt der Vereinten Nationen thematisiert in diesem Jahr den Zusammenhang zwischen Biodiversität und nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung. In Deutschland steht eine Branche besonders für die Verbindung von Artenreichtum und nachhaltiger Nutzung: die multifunktionale nachhaltige Forstwirtschaft. Sie unterstützt eine zukunftsfähige ländliche Regionalentwicklung und sorgt gleichzeitig für die Erhaltung der Lebensräume zahlloser Organismen. Klimawandel, eingeschränkte Bewirtschaftung in Schutzgebieten und Flächenstilllegungen bedrohen jedoch die angestrebte Balance zwischen ökologischer und ökonomischer Vernunft.

Deutschland ist inzwischen auf fast einem Drittel seiner Landesfläche wieder bewaldet meldet die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW). Viele Tierarten, die in den vergangenen 300 Jahren in Mitteleuropa ausgerottet wurden, siedeln sich in den sorgfältig aufgebauten Wäldern wieder an. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts waren die meisten Wälder in unserem Land entweder gerodet, zerstört oder aber zu kargen Heidelandschaften umgeformt. 150 Jahre Arbeit einer wissenschaftlich fundierten nachhaltigen Forstwirtschaft haben Deutschland seitdem wieder grün gemacht. Und nicht nur das: Auf der Grundlage von gepflegten Wäldern haben sich entlang der Holzverarbeitung umweltfreundliche Industrie- und Handwerksbetriebe entwickelt, die allen strukturarmen ländlichen Regionen Wohlstand und Zukunft bieten. Zudem wirken Wälder als „Kohlenstoffsenker“ dem CO2-Ausstoß entgegen.

Was können wir tun?

Bessere Entscheidungen von Politik, Wirtschaft und Verbrauchern sind möglich. Praktische Lösungen bestehen bereits in vielen Bereichen. Die „One Planet“-Perspektive des WWF enthält Ansätze für Strategien bei der Bewirtschaftung, Nutzung und Verteilung der natürlichen Ressourcen innerhalb der Grenzen unserer Erde, damit die Nahrungs-, Wasser- und Energieversorgung für alle Menschen sicher bleibt.

Schutz des Naturkapitals: Wiederherstellung zerstörter Ökosysteme, Schluss mit der Zerstörung wichtiger Lebensräume, deutliche Ausweitung von Schutzgebieten
Effizientere Produktion: Verringerung des Ressourcenverbrauchs und von Abfällen, nachhaltiges Management natürlicher Ressourcen, Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien
Vernünftigerer Konsum: Durch Lebensstile mit kleinerem Ökologischem Fußabdruck, nachhaltigere Nutzung von Energie und gesündere Ernährung
Umlenkung von Finanzströmen: Ökonomische Bewertungen der Natur und Berücksichtigung ökologischer und gesellschaftlicher Kosten, finanzielle Förderung von Umweltschutzanstrengungen, nachhaltigen Ressourcenmanagements und Innovationen
Gerechte Ressourcenverteilung: Gemeinschaftliche Nutzung vorhandener Ressourcen, gerechtes und umweltbewusstes Handeln, Wohlstandsmessung über das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hinaus

15 deutsche Biosphärenreservate

Ein wichtiger Schritt sind auch die sogenannten Biosphärenreservate. In Deutschland sind 15 Gebiete als Biosphärenreservat registriert und von der UNESCO anerkannt. Sie repräsentieren wichtige deutsche Landschaftstypen und stehen für die Vielfalt der Lebensräume, der Fauna und Flora. Fast alle deutschen Biosphärenreservate werden als Kulturlandschaften wirtschaftlich genutzt, liegen in ländlichen Räumen und brauchen Zukunftskonzepte für den demographischen Wandel. Wegen niedriger Umweltbelastung und reizvoller Landschaft sind sie beliebte Urlaubsziele und Naherholungsgebiete.

Biosphärenreservate: Berchtesgadener Land (840 km2, Bayern); Bliesgau (361 km2); Flusslandschaft Elbe (3.540 km2, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern; Brandenburg, Sachsen-Anhalt); Hamburgisches Wattenmeer (117 km2, Hamburg); Niedersächsisches Wattenmeer (2.400 km2, Niedersachsen); Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft (301 km2, Sachsen); Pfälzerwald-Nordvogesen (grenzüberschreitend, 3.018 km2 insgesamt, davon 1.780 km2 Pfälzerwald, Rheinland-Pfalz); Rhön (1.850 km2, Bayern, Hessen, Thüringen); Schaalsee (309 km2, Mecklenburg-Vorpommern); Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen (4.431 km2, Schleswig-Holstein); Schwäbische Alb (850 km2, Baden-Württemberg); Schorfheide-Chorin (1.292 km2, Brandenburg); Spreewald (475 km2, Brandenburg)
Südost-Rügen (235 km2, Mecklenburg-Vorpommern); Vessertal-Thüringer Wald (171 km2, Thüringen).
Die Karstlandschaft Südharz wartet noch auf die UNESCO-Anerkennung

Quellen und Zusatzinformationen:
http://www.wwf.de/living-planet-report/
http://www.dgvn.de/themenschwerpunkte/biodiversitaet/
http://www.unesco.de/wissenschaft/biosphaerenreservate/deutsche-biosphaerenreservate.html

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