Die Katastrophe danach

Viele von uns haben die Bilder des Super-GAUs in Fukushima noch vor Augen, doch kaum jemand beschäftigt sich wohl mit der jetzigen Situation und den spürbaren Folgen für Mensch und Umwelt. Doch sind diese weitreichend feststellbar. 

Die Bergung der 1.500 hochradioaktive Brennstäbe, die seit der Katastrophe noch in einem Abklingbecken des havarierten Atomkraftwerks liegen, hat bereits im vergangenen Oktober begonnen und wird voraussichtlich bis Ende dieses Jahres dauern. Die Operation gilt als technische Herausforderung: Die in einem Becken in rund 30 Metern Höhe von kleinen Trümmerteilen umgebenen Brennstäbe bilden neben den täglich zunehmenden Massen verseuchten Wassers eine der größten Gefahrenquellen auf dem AKW-Gelände. Zwar ist das Bergen von Brennstäben aus Abklingbecken normalerweise Routinearbeit in Atomkraftwerken, doch wird die Arbeit durch die hohe Strahlenbelastung auf dem Kraftwerksgelände und Beschädigungen am Reaktorgebäude 4 erschwert.

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Während Kernkraftgegner warnen, der Brennstoff könnte das Tausendfache an Strahlung der Atombombe von Hiroshima freisetzen, halten Experten das für abwegig, da sich die Brennstäbe in dem Becken in den vergangenen drei Jahren ausreichend abgekühlt hätten. Die Umlagerung ist nun der erste große Schritt zur Stilllegung des AKW in einem 30 bis 40 Jahre andauernden Prozess des Rückbaus. Die größte Herausforderung sind jedoch die Reaktoren 1 bis 3, in denen es jeweils zu einer Kernschmelze gekommen ist.

Derweil kann wohl ein Großteil der geflüchteten Bevölkerung nicht mehr zurück in ihre Heimatregion. Grund dafür ist die bisher unzureichende Dekontaminierung der Gebiete. Eines davon ist Tamura. Hier zeigen Messungen von Greenpeace dass die Strahlungswerte noch immer zu hoch sind. „Wer jetzt beschliesst zurückzugehen, setzt sich einem erhöhten Strahlenrisiko aus, und wer nicht zurückkehrt, erhält von der Regierung keine Unterstützung“, so Rianne Teule, Leiterin der Nuklearkampagne und Strahlungsexpertin von Greenpeace International.

Auch das Ökosystem des Pazifiks scheint aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Einer in der National Geographic vorgestellten Studie  zufolge, ist der so genannte „Meeres-Rotz“ („sea snot“) am Meeresboden enorm angestiegen. Toter Plankton, gallertartige Lebewesen, wie Quallen, und andere organische Materie bedeckten noch im Frühjahr 2012 nur ein Prozent des Meeresbodens vor Küste zwischen Santa Barbara und Monterey. Doch schon am 1. Juli 2012 waren es bereits 98 Prozent. Ein Wert, den es selbst in 24 Jahren Messungen noch nie gegeben hat.

Im Gegenzug wurde im November um Monterey eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Buckelwalen, Pelikanen und Seelöwen beobachtet, während es wiederum zwischen Kalifornien und Alaska zu einer starken Abnahme des Seesterns kam. Die Wissenschaftler des Monterey Bay Aquarium Research Institute können noch keine eindeutige Ursache für diese Entwicklung benennen. Auffällig ist jedoch, dass der Anstieg genau ein Jahr nach der Fukushima-Katastrophe bisher seinen Höhepunkt erreicht hat.

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