Fluch und Segen synthetischer Kunststoffe

Plastiktüte

Plastik erleichtert unser Leben. Als Transportbehältnis, Verpackung oder Isoliermaterial ist der synthetische Stoff ein notwendiges Gebrauchsmittel unseres Alltages. Dabei wird außer Acht gelassen, dass sich durch seine chemische Zusammensetzung mehr und mehr von ihm auf der Erde ansammelt. Denn die Kehrseite synthetischen Kunststoffs ist, dass er nicht verrottet.

Zumindest könnte es an die 500 Jahre dauern bis beispielsweise eine Spielzeugente durch UV-Strahlung und Oxidation in ihre Moleküle zerlegt wird. Da Leo Hendrik Baekeland 1907 den ersten synthetischen Kunststoff zum Patent anmeldete, werden wohl erst unsere Nachfahren erfahren, wielange die Zersetzung wirklich dauert.

Weltweit werden jährlich an die 240 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert. Das entspricht vier Prozent der weltweiten Erdölproduktion.

Ein Zehntel, nach UNEP-Angaben 6,4 Millionen Tonnen, unseres Plastikmülls befindet sich in einem relativ rechtsfreien Raum: Dem Ozean. Rund 20 Prozent davon stammen von den Schiffen, mit welchen der Abfall kostenlos auf See entsorgt wird. Der restliche Anteil wird mit Hilfe von Wind, Fluss und Mensch vom Festland in die Meere geleitet. Doch dort herrschen für einen Plastikbecher andere Bedingungen als auf dem Waldboden. Durch Meeresströmungen und Sonnenlicht kann der Kunststoff bis auf mehrere Millimeter zerkleinert werden und dicht unter der Wasseroberfläche zurück bleiben. Dies geschieht mit 15 Prozent des ozeanischen Plastikmülls. Mehr als 70 Prozent sinkt auf den Meeresboden. Den verbleibenden Müll darf man an den Küsten bewundern. Bisher sind schon fünf Meereswirbel entdeckt worden, in denen sich der Plastikmüll noch konzentrierter ansammelt. 1997 wurde der Great Pacific Garbage Patch im Nordpazifik gefunden. Und im Februar letzten Jahres kam ein Müllstrudel im Nordatlanik dazu.

Gefahren birgt Plastik vor allem, wenn es um die Nahrungsaufnahme geht. So verenden viele Tiere durch das Fressen von Kunststoffteilen. Zumindest werden diese in der Nahrungskette weiter gegeben. Zudem geben einige Kunststoffe bei der Zersetzung Giftstoffe an die Umgebung ab. Dazu gehört Bisphenol A, ein krebserregender Stoff.

Um die Produktion nicht vorrangiger Produkte aus Kunststoff zu verringern, haben einige Länder der Plastiktüte den Kampf angesagt. So verbot Bangladesch Plastiksäcke schon vor zehn Jahren und die irische Regierung nimmt seit 2002 15 Cent pro Plastiksack an Steuern ein. Auch in San Franciso dürfen seit drei Jahren in großen Supermärkten nur noch Stoff- und Papiertaschen ausgegeben werden. Und seit letztem Monat sind Plastiktüten auch in keinem italienischen Supermarkt mehr zu finden. Doch die Einkaufszentren bieten weitere Angriffspunkte. So sollte bei den Verpackungen verstärkt gespart werden.

Des Weiteren ist es notwendig, die Qualität der recycelten Materialien zu erhöhen. Hierfür nimmt New York sich vor, Sammelbehälter für ein spezielles Recycling von Plastik aufzustellen. Zudem gibt es inzwischen auch biologisch abbaubare Recyclingprodukte. Andere Konzepte betreffen das Meer direkt. So startete die Organisation Green-Ocean 2006 ein Pilotprojekt, mit welchem Fischern ins Netz gegangener Müll abgekauft wurde.

Um den Zufluss der Plastikteile in das Meer zu verhindern, bedarf es darüber hinaus konsequenterer Gesetze und Aufklärung. Für letzteres sei einem der Film „Plastic Planet“ von Werner Boote ans Herz gelegt. 

Jenny Lohse

1 Kommentar

  • Neben der Entwicklung von biologisch abbaubarem Plastik gibt es ein weiteres interessantes Konzept: Die Firma BellandTechnology AG hat mit großem Aufwand ein Plastik entwickelt, das zu 98% recycled werden kann. Damit bleibt neben der chemischen Energie (rund 40 MJ/kg) vor allem die Energie zur Verfeinerung des Rohöls zu Plastik (rund 50 MJ/kg) erhalten. Das Material kann mit einem einfachen Verfahren aus jeder Art von Müll isoliert werden (Energiekosten 10 MJ/kg), ist molekular gereinigt und kann in einem Verhältnis von 90:10 (Recycletes Material : Neumaterial) zu neuen Produkten verarbeitet werden. Im Vergleich zum thermischen “Recyling”, bei dem max. 20 MJ/kg gewonnen werden können, verbeiben 80 MJ/kg der Energie. Der CO2-Footprint wird um über 70% reduziert. Biologisch abbaubares Plastik hat diesen Vorteil nicht, da es ohne Energiegewinnung verrotet und damit viel CO2 ausstößt.

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