Extreme Luftverschmutzung: Smog-Alarm in Peking

Luftverschmutzung - Smog
Luftverschmutzung - Smog

Tagelang ist die chinesische Millionenmetropole Peking von einer dichte Wolke aus Smog eingehüllt. Selbst für die an starke Luftverschmutzung gewohnten Einwohner ist es eine Ausnahmesituation, Straßen sind wie leergefegt und die wenigen Menschen, die unterwegs sind, trauen sich nur vermummt hinaus. Die extreme Feinstaubbelastung überschritt Mitte der Woche die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten Grenzwerte vielerorts um mehr als das zwanzigfache. Jetzt hat der Wind gedreht und die Einwohner können vorübergehend aufatmen. Dennoch bleibt das Problem mit dem Smog auch weiter bestehen. Jedes Jahr sterben in China Millionen an den Folgen der giftigen Partikel.

Wie wichtig der Kampf gegen Klimawandel und Umwelt-verschmutzung ist, zeigen seit dem Wochenende besorgniserregende Bilder aus Chinas Millionenstadt Peking. Noch vor drei Tagen hing dort der Smog so dicht in den Häuserschluchten und Straßen, dass die Sichtweite gerade einmal ein paar hundert Meter betrug. In der amerikanischen Botschaft wurde eine Feinstaubbelastung von historischem Ausmaß gemessen: So lag die Konzentration von Feinstaub mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern zeitweise bei knapp 600 Mikrogramm pro Kubikmeter. Zum Vergleich: Laut WHO sollte die Belastung von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter über den Tag verteilt nicht überschritten werden. Der Höchstwert in Peking vom Dienstag liegt um mehr als das zwanzigfache darüber.

Für die Einwohner der Millionenstadt ist eine so hohe Luftverschmutzung äußerst schädlich. Gerade die weniger als 2,5 Mikrometer kleinen Feinstaubpartikel können über die Atemwege direkt in die Lungenbläschen und sogar bis in den Blutkreislauf gelangen. Dort richten die zum Teil massiven Schaden an. Feinstaub kann zu Atemwegserkrankungen, Schlaganfällen und Herz-Kreislauf-Problemen führen. Zudem kann er die Ursache für Krebserkrankungen wie beispielswesie Lungenkrebs sein. Laut einer aktuellen Studie sind in China etwa 17 Prozent aller Todesfälle auf extreme Luftverschmutzung zurückzuführen. Jeden einzelnen Tag sterben ungefähr 4000 Menschen an den Folgen der Feinstaubbelastung. Im Jahr sind das etwa 1,7 Millionen Tote. Weltweit ist Luftverschmutzung jedes Jahr für den Tod von über drei Millionen Menschen verantwortlich

Das Einatmen des gefährlichen Smogs vergleicht Studienautor Richard Muller von der Umweltorganisation Berkeley Earth in einer Mitteilung zur Studie mit dem Rauchen von Zigaretten. Während einer Phase extremer Feinstaubbelastung in Peking werde die Lebenszeit der Einwohner beträchtlich verkürzt. „Das ist so, als würden jeder Mann, jede Frau und jedes Kind 1,5 Zigaretten pro Stunde rauchen,“ so Muller.

Immer wieder haben die Einwohner Pekings unter den Folgen der Feinstaubbelastung zu leiden. Doch so schlimm, wie die letzten Tage war es in diesem Jahr noch nicht. Die zuständigen Behörden mussten die zweithöchste von vier Warnstufen ausrufen. Tausende als besonders umweltschädlich geltende Fabriken wurden vorübergehend geschlossen, Flüge gestrichen und den Menschen wurde geraten zuhause zu bleiben. Ein generelles Fahrverbot für den Stadtverkehr wurde jedoch nicht ausgesprochen. Die Begründung der Behörden, man hätte die Bevölkerung nicht zu sehr beeinträchtigen wollen, stieß bei vielen auf Unverständnis. So sei die Beeinträchtigung der Gesundheit wesentlich größer, als lediglich ein paar Tage auf den PKW zu verzichten, kritisierten Medien und Gesundheitsexperten.

Glücklicherweise hat sich der Smog seit Mitte der Woche durch starke Winde weitgehend aufgelöst. Allerdings wird das nicht der letzte gefährliche Dunstnebel über Peking gewesen sein. Die extreme Luftverschmutzung wird in China neben Industrie und Verkehr vor allem durch die Strom- und Wärmeerzeugung mit den als besonders schmutzig geltenden Kohlekraftwerken ausgelöst. Im Winter verschärft sich das Smog-Problem zusätzlich. Wie die Behörden mitteilten, sei die hohe Feinstaub-Konzentration der vergangenen Woche durch die Abgase der in Peking gängigen Kohleheizöfen ausgelöst worden.

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Um die hohe Luftverschmutzung in den Griff zu kriegen, müsste die Energieerzeugung mit Kohle demnach deutlich reduziert werden. China verbrennt aktuell mehr Kohle als jedes anderes Land. Wie vor kurzem bekannt wurde, sogar deutlich mehr als bisher angenommen. Neuste Daten zeigen, dass das Land der Mitte allein 2012 rund 600 Millionen Tonnen Kohle mehr verbraucht hat, als die chinesische Regierung angegeben hatte. Dennoch lässt sich – zumindest wenn man aktuellen Angaben glauben schenken kann – eine Trendwende erkennen. So war der Kohlekonsum Chinas 2014 erstmals seit über 30 Jahren leicht rückläufig.

Der Grund: Die chinesische Regierung will die Nutzung der Kohle eindämmen und Erneuerbare Energien fördern. Das Smog-Problem dürfte dafür einer der Hauptgründe sein. Chinas Bevölkerung wird zunehmend unzufriedener, und die steigenden Todeszahlen aufgrund des Feinstaubs zwingen die Städte und Provinzen zum Handeln. Viele alte Kohlekraftwerke wurden bereits stillgelegt.

Auch der Dokumentarfilm „Under the Dome“ sorgte in China in diesem Zusammenhang für Aufsehen. Der Film der chinesischen Journalistin Chai Jing thematisiert die Folgen der extremen Luftverschmutzung in Chinas Großstädten. Bevor die Dokumentation nach gerade einmal einer Woche von den Behörden zensiert wurde, sahen ihn mindestens 200 Millionen Chinesen. Das zeigt, wie groß der Ärger und die Besorgnis der chinesischen Bevölkerung wirklich ist.

Auf dem Weltklimagipfel in Paris will Chinas Staatspräsident Xi Jinping Maßnahmen zusichern, wie sein Land die CO2-Emissionen reduzieren will. Auch sie entstehen hauptsächlich aufgrund der Verbrennung von Kohle. China ist der weltgrößte Verursacher klimaschädlicher Emissionen. Bis 2030 sollen die Emissionen ihren Höhepunkt erreichen, so das Versprechen Jinpings. Bis dahin dürften Bilder von chinesischen Metropolen unter dicken grau-gelben Dunstglocken jedoch weiter zum Alltag gehören. 

Quelle: Die Welt / Spiegel Online

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