Ein Meer aus Plastik

Er hat mittlerweile rund die vierfache Größe Deutschlands erreicht. Gigantisch, lautlos und mit unabsehbaren Auswirkungen auf unsere Umwelt treibt ein Strudel aus Kunststoffabfällen in den internationalen Gewässern des Pazifischen Ozeans. Im Sommer 2010 startet „Projekt Kaiseiseine zweite Expedition in ein Meer aus Kunststoff. Das Ziel: Erstmals werden die Auswirkungen dieser riesigen Umweltverschmutzung wissenschaftlich untersucht.

Seit Jahrzehnten wächst ein riesiger Strudel aus Plastikabfällen, bislang praktisch völlig unbeachtet, inmitten des Pazifiks. Da sich der Wirbel aus Kunststoff in internationalen Gewässern befindet, fühlt sich keine Regierung dafür zuständig. Wo keine Gesetze betreffend Müllvermeidung oder Müllentsorgung wirken, gibt es auch keinerlei Druck, den Ozean zu säubern.

„Projekt Kaisei“ ist eine Non-Profit-Organisation, die von San Francisco und Hongkong aus tätig ist. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Doug Woodring, Mary Crowley und George Orbelian. Die Bemühungen konzentrieren sich dabei auf die Schaffung eines Bewusstseins für die teilweise katastrophale Situation unserer Weltmeere. Der Fokus der Forschungsarbeit liegt dabei auf einem riesigen Gebiet im Pazifischen Ozean, das bereits seit Jahrzehnten kontinuierlich verschmutzt wird. Dabei soll einerseits das Ausmaß der Verschmutzung erstmals untersucht und dokumentiert werden. Gleichzeitig werden die gewonnenen Erkenntnisse dazu herangezogen, um Lösungen für die Säuberung der Weltmeere zu erarbeiten.

Aktuell lassen sich die Umweltauswirkungen des zirkulierenden Plastikstrudels im Pazifik noch gar nicht richtig abschätzen. Eigenen Angaben zufolge ist Projekt Kaisei die erste wissenschaftliche Unternehmung überhaupt, die Schadstoffe aus Plastikmüll an der Meeresoberfläche erforscht. Dabei sollen die Einflüsse auf Organismen, die in mittlerer Tiefe leben, untersucht werden. Ebenso sollen neue Erkenntnisse über Ablagerungen auf dem Grund des Ozeans und die Auswaschung der Chemikalien aus den Kunststoffen gewonnen werden.

Wie schwer der Sachverhalt zu bestimmen ist, musste die Organisation bereits 2009 erkennen. Damals hatte das Team eine mehrwöchige Expedition mitten in den treibenden Teppich aus Kunststoff unternommen. Bei dieser ersten Forschungsfahrt konnten Woodring und sein Team feststellen, dass die Abfälle aus Plastik durch UV-Strahlung und die konstante Bewegung der Wellen brüchig werden. Das Resultat sind ausgewaschene, giftige Chemikalien und kleine Stücke aus Plastik, die vom ursprünglichen Abfall abbrechen und daher frei im Ozean treiben. Selbst in Wasserproben, die aus einer Tiefe von 200 Meter entnommen wurden, konnten diese schädlichen Kunststoffteilchen nachgewiesen werden. Teilweise fanden die Wissenschafter sogar eine größere Anzahl an Plastikstücken als an lebenden Plankton in ihren Proben vor.

Die erste Expedition konnte nachweisen, dass die Verschmutzung unserer Weltmeere bereits erheblich weiter fortgeschritten ist, als Satellitenaufnahmen oder ein Blick ins Wasser zeigen. Im Sommer 2010 startet die zweite Expedition in den nördlichen Pazifik. Dabei soll die Erforschung maritimen Abfalls weiter vorangetrieben werden. Gleichzeitig werden auch unterschiedliche Systeme getestet, welche das Einsammeln der Kunststoffabfälle auf hoher See in Zukunft überhaupt erst ermöglichen sollen.

Joachim Kern

Add comment

Über das CleanEnergy Project

Das CleanEnergy Project ist ein non-profit Online-Magazin für alle Menschen auf der Suche nach mehr Nachhaltigkeit.

Das Team von CleanEnergy Project will Gestalter und nicht nur Zuschauer unserer Zeit sein.

Wir heißen alle willkommen, die sich uns als Autoren unserer Zeit anschließen möchten und bieten dafür unsere Plattform, das CleanEnergy Project.