Dreiundsechzigmal zu viel

Plastiktüten mit Obst

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen in Ihrem Lieblingsitaliener, Ihnen knurrt der Magen und Sie freuen sich auf Ihre Minestrone. Endlich kommt der Teller und Sie sehen neben dem Gemüse Plastikteilchen darin schwimmen. Na, was machen Sie?

Die Frage stellt sich ein Hering oder Thunfisch nicht. Die Fische holen sich aus ihrem Lebensraum täglich ihre Nahrung. Viele verenden durch die Plastikrückstände in ihrem Körper, viele überleben und landen vielleicht später beim Italiener. Diesmal als Thunfischpizza. Der Ernährungskreislauf ist eröffnet. Maritime Müllteppiche mit Unmengen von Plastik wachsen ständig. Der größte davon befindet sich im Pazifik und ist so groß wie Zentraleuropa. Aber nicht nur im Wasser verteilen sich die Polyethylen- und Polypropylenverbindungen, auch im Erdreich findet eine Zersetzung statt.

Am leichtesten funktioniert das mit den dünnen Plastiktüten. 70 bis 80 Prozent schlägt ihr Anteil beim gesamten Plastikmüll zu Buche.    

Janez Potocnik, Umweltkommissar der Europäischen Union, hat dieser Tage mit seinem Vorschlag, weniger Plastiktüten innerhalb Europas in den Umlauf zu bringen, ein wenig dazu beigetragen, dass das Image der „grünen Politiker“ in Brüssel nicht ganz verblasst. Konkret: Potocnik will es den Mitgliedsstaaten freistellen, ob sie Plastiktüten verbieten oder nicht. Am Zuge ist jetzt Deutschland, oder sagen wir besser: wäre. Umweltminister Peter Altmaier hat im Frühjahr bereits verkündet, keine Gebühr auf die Beutel zu erheben, geschweige sie ganz zu verbieten.

Warum hat man bei den zuständigen deutschen Politikern als Bürger das Gefühl, dass so gar nichts vorwärtsgeht? Ist es die Angst vor steigender Arbeitslosigkeit in bestimmten Industriezweigen, die fast bei jeder ablehnenden Begründung eingeworfen wird oder ein Interessenskonflikt mit einflussreichen Lobbygruppen?

Auf dem Tisch liegen nackte, perverse Zahlen: 500 Milliarden Plastiktüten verbrauchen die Menschen weltweit jedes Jahr. Müll der Superlative. Irland hat als erstes EU-Land vor über zehn Jahren eine Gebühr von 15 Cent auf die 0,05 Millimeter dünnen Beutel verhängt. Die Iren verbrauchten schon ein paar Monate später 90 Prozent weniger. Heute beträgt der Preis 22 Cent. Vorbildlich. Goliath kann von David lernen. Auch das ist ein Teil von Europa, dass wir alle voneinander profitieren können.

Argument „Arbeitsplätze“: Sie sind das Fundament für eine jede gut funktionierende Demokratie. Trotzdem darf dieser „heiligen Kuh“ nicht jede ökonomische Logik und Vernunft geopfert werden. Arbeitsplätze entstehen auch durch Veränderungen und zukunftsweisende Technologien. Darin ist Deutschland ganz vorne. Wir haben Erfinder, Ingenieure, die beim Recycling von Plastik führend sind. Wir haben sie, die Günther Bonins, die Schiffe bauen, mit denen man den Müll aus den Weltmeeren fischt und gleich vor Ort in Öl verarbeitet.

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Es darf in Zukunft nicht mehr sein, dass jeder Deutsche 64 Tüten exakt nur einmal benutzt und anschließend wegwirft. Dafür verbrauchen wir 260 Millionen Liter Erdöl.

Das Einfache im Alltag bringt den großen Erfolg: Beutel vom letzten Gemüsekauf in den Einkaufskorb zurücklegen und wiederbenutzen.

Mit dieser simplen Handlung brauchen wir auch keine Gesetze und Verordnungen, oder?!

Florian Simon Eiler

2 Bemerkungen

  • Plastik, Papier oder sonstwas – es ist alles Biomasse! Dazu wird Solarenergie verwendet, welche nur zu 2% in der Biomasse gespeichert ist . >Für Lebensmittelverpackung ist Plastik ein Fortschritt, weil damit Keimübertragung behindert wird. Auch Papier wäre teilweise angebracht, hat aber kaum Vorteile. Recylcing von Plastikverpackung ist hoch und ebenso die Wiederverwendung, denn ich Verwende z.B. noch Einkaufstaschen ausder KonsumAera und selbst die Dünnbeutel dienen der Hausmüllentsorgung zum 2.Mal und gelangen nicht in die Umwelt!
    Bei der Seefahrt, wo die Müllentsorgung auf See erfolgt sind solch Plastikgegenstände allerdings problemaztisch und müssen eingeschränkt bzw. rigoros fern gehalten werden, indem dort eigene Vorschriften zu verfolgen sind.
    Dort könnten wasserlösliche Produkte die Gefährdung vermindern. Solche Kunststoffe gibt es.