Umweltschutz: Der Kampf gegen den Stickstoff

Laut einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes wird die Umwelt in Deutschland pro Jahr mit 4,2 Millionen Tonnen sogenannten reaktiven Stickstoff belastet. Insgesamt hat sich die weltweite Freisetzung reaktiven Stickstoffs seit Mitte des 19. Jahrhunderts verzehnfacht. Viele dieser Verbindungen stellen dabei eine ernste Gefahr für Mensch, Tier, Umwelt und Klima dar.

Bezugnehmend auf dieses Thema hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) jetzt ein Sondergutachten erstellt. Darin werden Ursachen und Gefahren, aber auch mögliche Lösungsstrategien für die hohe Stickstoffbelastung in Deutschland zusammengefasst.

Bereits vor rund 150 Jahren, mit dem Beginn der Industrialisierung, begannen die Stickstoffwerte durch die zunehmende Nutzung fossiler Brennstoffe weltweit massiv anzusteigen. Auch heute entstehen so noch rund 5 Prozent der giftigen Verbindungen. Der größte Teil der Stickstoffemissionen wird allerdings in der Landwirtschaft verursacht (62 Prozent). Denn dort wird zur Anreicherung der Böden mit Nährstoffen fast immer ein Dünger auf Stickstoffbasis verwendet. Aber auch die Massentierhaltung ist verantwortlich für einen sehr hohen Stickstoffüberschuss (33 Prozent).

Die Gefahren dieser extremen Überbelastung sind vielfältig. Zum einen besteht ein hohes Gesundheitsrisiko für den Menschen, verursacht durch Luftverschmutzung aufgrund von Stickstoffdioxid. Auch gelangt Stickstoff in Form von Nitrat durch Überdüngung in unser Grundwasser und vergiftet so die Trinkwasservorräte. Lachgas, eine weitere Stickstoffverbindung, ist als Treibhausgas mitverantwortlich für den Klimawandel und gefährdet so, neben dem Menschen, auch die Tier- und Pflanzenwelt. Außerdem kann der erhöhte Ertrag von reaktivem Stickstoff die Ökosysteme destabilisieren und die biologische Vielfalt stark einschränken.

Der Sachverständigenrat empfiehlt daher dringende Schritte, vor allem im landwirtschaftlichen Bereich. Neben 40 anderen Maßnahmen, sei es von zentraler Bedeutung, die Düngemittelverordnung zu novellieren. Insgesamt müsse die Bundesregierung entschiedener vorgehen, und die wirtschaftlichen Interessen der Verursacher nicht vor den Umwelt- und Naturschutz stellen.

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