Das sind die 6 schlimmsten Umweltgifte 2015

Umweltgiftreport 2015
Umweltgiftreport 2015

Die Gesundheit von rund 95 Millionen Menschen ist durch die sechs schlimmsten Umweltgifte der Welt teils erheblich geschädigt. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Umweltgiftreport „World’s Worst Pollution Problems 2015“ der Schweizer Stiftung Green Cross und der Non-Profit-Organisation Pure Earth. Die größte Gefahr geht dabei von dem Umweltgift Blei aus. Vergiftungen mit dem Schwermetall enden nicht selten sogar tödlich. Rund 26 Millionen Menschen sind der Studie zufolge zu hohem Mengen Blei ausgesetzt, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Im Rahmen des Umweltgiftreports wurden insgesamt 49 Länder weltweit untersucht, darunter Mexiko, Indonesien, die Mongolei, Indien und Russland. Daten aus europäischen Länder wurden von der Studie nicht erfasst, die Gefahren, die von den nachfolgenden Umweltgiften ausgehen, gelten aber natürlich auch für die europäische Bevölkerung. Allerdings sind die Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern diesen Toxinen oft deutlich länger und intensiver ausgesetzt. Der Grund dafür sind beispielsweise fehlende Klär- und Aufbereitungsanlagen, die Vermüllung der Wohngegenden, fehlende Luftfiltersysteme oder die wesentlich geringeren Sicherheitsstandards in der Industrie.

Die Folge: Insgesamt sind in den untersuchten Ländern allein im Jahr 2012 etwa acht Millionen Menschen durch die Belastung mit den sechs verheerendsten Umweltgiften gestorben. Doch im Gegensatz zu den bekanntesten Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder Aids werde die Gefährdung durch solche Gifte nach wie vor unterschätzt, so Studienautor David Hanrahan von Pure Earth. Zu Unrecht, denn 2012 starben weit mehr Menschen an diesen Giften als im darauffolgenden Jahr an Aids.

Das größte Problem in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen ist laut der Studie die Belastung mit dem Schwermetall Blei. Insgesamt seien dem Toxin rund 26 Millionen Menschen ausgesetzt – mit teils gravierenden Folgen. Über die Luft oder kontaminierte Lebensmittel aufgenommen, schädigt Blei das zentrale Nervensystem und kann bei zu hoher Konzentration tödlich sein. Vor allem in den Ballungsgebieten werden immer wieder stark erhöhte Bleiwerte gemessen, verursacht vor allem durch die unsachgemäße Entsorgung oder Wiederverwertung von Autobatterien.

Die anderen fünf verheerendsten Umweltgifte 2015 sind Cadmium, Quecksilber, sechswertiges Chrom, Pestizide und Radionuklide – alle lassen sich in teils hoher Konzentration in den betroffenen Gebieten nachweisen. Green Cross und Pure Earth haben rund um den Globus mehr als 3200 massiv mit diesen Umweltgiften kontaminierte Orte registriert. „Wir gehen jedoch davon aus, dass diese lediglich ein Bruchteil der tatsächlichen Zahl darstellen“, sagte Richard Fuller von Pure Earth. Rechne man die nur leicht verschmutzten Gebieten dazu, komme man wahrscheinlich auf eine deutlich höhere Zahl.

Auch bei uns in Deutschland ein Problem sind Pestizide. Die Mittel zur Schädlingsbekämpfung gelangen leicht in die Gewässer sowie das Grundwasser. Nehmen wir zu viel davon auf, kann das zu Übelkeit, Erbrechen oder sogar zu einer Schädigung des Nervensystems führen. Einige Studien haben sogar belegt, dass Menschen, die über Jahre einer hohen Pestizidbelastung ausgesetzt waren, auffällig oft an der degenerativen Nervenerkrankung Parkinson erkrankten.

Auch Radionuklide, die beim Abbau von Uran, der Erzeugung von Atomenergie und in der Medizintechnik freigesetzt werden können, sind längst nicht nur in ärmeren Ländern ein Risiko. Werden die winzigen radioaktiven Teilchen über die Atemwege aufgenommen, kann dies schwere Schädigungen hervorrufen und letztendlich sogar tödlich verlaufen. Zudem kann die Strahlung das Erbgut verändern und damit langfristig Krebs auslösen.

Cadmium entsteht unter anderem bei der Herstellung von Düngemitteln oder als Nebenprodukt im Bergbau. Das Metall kommt als Spurenelement in unserem Körper vor, dennoch sind Cadmium-Intoxikationen äußerst gefährlich. Akute Vergiftungen können Lungenödeme, Lungenentzündung oder eine Nierenrindennekrose zur Folge haben, chronische Vergiftungen verursachen nicht selten Krebs oder schwere Organschäden. Besonders tückisch: Cadmium wird in der Leber und Niere gespeichert und besitzt eine Halbwertszeit von bis zu 40 Jahren.

Vergiftungen mit Quecksilber sind ebenfalls mit erheblichen gesundheitlichen Folgen verbunden. Meistens werden die Dämpfe eingeatmet und über die Lunge aufgenommen. Das Nervengift fällt vor allem bei der Goldgewinnung, aber auch bei der Kohleverbrennung zur Stromerzeugung an. In Europa gibt es strenge Standards, mit denen weitgehend vermieden werden kann, dass Quecksilber in die Umwelt gelangt. In ärmeren Regionen existiert diese Schutz jedoch oft nicht. Die Folge: Atmen die Menschen die Dämpfe über lange Zeit kontinuierlich ein, kann das das Gehirn, die Nieren und das Immunsystem schädigen. 19 Millionen Menschen sind laut dem Umweltgiftreport direkt diesem Schwermetall ausgesetzt.

Chrom VI – das sogenannte sechswertige Chrom, erlangte traurige Berühmtheit als Mitte der Neunziger zahlreiche Menschen in Kalifornien auf mysteriöse Art und Weise erkrankten. Einige bekamen schwere Nierenleiden oder Krebs, manche starben sogar. Umweltschützer machten schnell den Schuldigen aus: Eine giftige Chemikalie im Trinkwasser der Betroffenen – Sechswertiges Chrom. Eine nahe Fabrik hatte die giftige Verbindung jahrelang ins Abwasser gekippt.

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Um die Verschmutzung mit diesen Umweltgiften einzu-dämmen, sei der entscheidende Faktor das Abfall-management, sagte Christiane Schnepel vom Umwelt-bundesamt. Während es in Deutschland ein streng geregeltes System zur Entsorgung von potenziell giftigen Produkten gebe, existiere ein solches in ärmeren Ländern meist nicht. Im Gegensatz zu diesen Ländern sei deswegen Deutschland nicht in diesem Ausmaß mit den sechs Umweltgiften belastet.

Den vollständigen Umweltgiftreport als Download (pdf) finden Sie hier.

Quellen: Green Cross / Focus Online

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