Abgas-Skandal: Regierung verschließt weiter die Augen

Abgas-Skandal - Auch Fiat mit überhöhten Grenzwerten
Abgas-Skandal - Auch Fiat mit überhöhten Grenzwerten

Jeder weiß es: Dieselabgase können unsere Gesundheit erheblich schädigen. Umso wichtiger, dass wirkungsvolle Abgasfilter eingesetzt werden. Sogenannte Euro 6 Diesel sind mit besonders effektiven Filteranlagen ausgestattet. Das schont Umwelt und Mensch. Leider sieht es derzeit so aus, als wären solche Versprechungen nichts weiter als Märchen der Automobilhersteller. Die Realität ist eine völlig andere: Immer mehr Diesel-PKW stellen sich als wahre Dreckschleudern heraus. Die Bundesregierung scheint das allerdings wenig zu kümmern. Sie schützt die Hersteller und kämpft dafür, die Abgashöchstgrenzen europaweit gesetzlich zu verringern.

Was mit Volkswagen im Herbst letzten Jahres offiziell seinen Anfang nahm, weitet sich zunehmend zu einem wahren Desaster für die Gesundheit der Bevölkerung aus: Die Liste von Dieselfahrzeugen mit stark überhöhtem Schadstoffausstoß wird immer länger. Immer mehr Hersteller sind betroffen. Und noch immer scheint die Bundesregierung am Thema wenig Interesse zu haben.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert das scharf. Die Organisation hat in den letzten Jahren, und vor allem seit dem VW-Abgas-Skandal, Dieselfahrzeuge verschiedener Hersteller testen lassen. Mit zum Teil erschreckenden Ergebnissen. Durchgefallen sind Fahrzeuge von, klar, VW, aber auch von Opel, Daimler, BMW, Renault und Fiat. Doch die Autobauer mauern und drohten der DUH zum Teil sogar mit Klagen. Dennoch testet die Organisation weiter und wird nicht müde, die Öffentlichkeit über Modelle mit unerklärlich hohen Stickoxidemissionen zu informieren.

Letzte Woche geriet ein in den Niederlanden getesteter Mercedes Benz C220 CDi in den Fokus. Mit einer bis zu 28 fachen Überschreitung des zulässigen Grenzwertes. Hersteller Daimler räumte daraufhin „Anpassungen an die jeweiligen Betriebsbedingungen“ ein, „die den Wirkungsgrad beeinflussen“. Das komme dem Eingeständnis einer Abschalteinrichtung gleich, teilte die DUH mit. (CEP berichtete)

Auch gestern wurde wieder ein Fahrzeug mit stark überhöhtem Schadstoffausstoß bekanntgegeben. Diesmal ein Fiat SUV 500X 2.0 MJ – ebenfalls ein Euro 6 Diesel, also entsprechend dem höchsten europäischen Standard für Abgasreinigung. Das besondere am Test des Fiat: Er wurde nach dem derzeit behördlich praktizierten Testverfahren im Labor geprüft. Es fanden also keine Straßentests statt. Dennoch fiel der SUV durch. Und zwar deutlich.

Die DUH schreibt: „Bei allen auf dem Rollenprüfstand gefahrenen Tests mit betriebswarmem Motor wies der Fiat sehr hohe NOx-Emissionen auf. Die Werte überschreiten den geltenden Grenzwert für Euro 6 Fahrzeuge um das 11- bis mindestens 22-fache.“ Nur bei kaltem Motor habe der Fiat die Euro 6 Grenzwerte weitgehend eingehalten. Wären die Tests im echten Straßenverkehr durchgeführt worden, wären die tatsächlichen Emissionen noch größer gewesen, so die DUH.

Neben Opel, der Volkswagen Gruppe, Daimler, BMW und Renault reiht sich nun also auch Fiat in die Liste der Hersteller von als Euro 6 Diesel getarnten Dreckschleudern ein. Für die Umwelt und unsere Gesundheit sind die stark überhöhten Stickoxidemissionen ein echtes Problem. In manchen Städten liegen die Werte fast durchgehend weit über dem, was für Menschen als gerade noch vertretbar gilt. Vor allem in Ballungsgebieten atmen wir jeden Tag hochgiftige Abgaspartikel ein, von denen sich viele vermeiden ließen, wenn die Hersteller sich an die zulässigen Grenzwerte halten würden. Doch dazu zwingt sie zumindest in Deutschland bisher niemand.

Auch die Bundesregierung und Verkehrsminister Dobrindt scheinen daran kein Interesse zu haben. Ob aus Angst vor großen wirtschaftlichen Schäden oder schlichtweg aus Ignoranz gegenüber der Gesundheit der Bevölkerung. Die DUH schreibt, das Verkehrsministerium reagiere bereits seit Monaten nicht mehr auf übermittelte Abgasmessungen. Auch Anfragen für Gespräche seien abgelehnt worden oder würden erst gar nicht beantwortet.

Die amerikanische Umweltbehörde EPA hingegen scheint sehr interessiert an den Messergebnissen der Abgastests. Auch die EU-Kommission, der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments sowie verschiedene Mitgliedsstaaten der EU zeigen laut DUH großes Interesse an der Aufklärung des Abgas-Skandals.

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Das Verkehrsministerium (BMVI) hingegen verschließt weiter die Augen. Wie schon seit fünf Jahren. Damals hatte die DUH die Behörde erstmals über die stark überhöhten Abgaswerte eines Euro 6 VW Passats informiert. Einem Fahrzeug mit dem durch den VW-Skandal zu trauriger Berühmtheit gelangten E189-Motor. Hätten die Behörden die Ergebnisse damals schon Ernst genommen, hätte sich der Skandal um VW wahrscheinlich vermeiden lassen.

„Die ministerielle Untätigkeit setzt sich bis heute fort“, so DUH-Chef Jürgen Resch. „Die von der DUH in eigenen Tests festgestellten Überschreitungen der NOx-Emissionen bei einem Opel Zafira, einem Renault Espace und einem Mercedes-Benz wurden an das BMVI übermittelt“.

Doch, so Resch weiter, anstatt die vorgelegten Messungen zum Anlass für eine Überprüfung auf das Vorhandensein von Abschalteinrichtungen zu nehmen, kämpfe die Bundesregierung für Aufweichungen zukünftiger Abgasgrenzwerte für Diesel-Pkw in Europa – zuletzt in Straßburg bei der Abstimmung über die Einführung der real driving emissions am vergangenen Mittwoch im EU-Parlament.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

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