75 Prozent der Deutschen mit Glyphosat belastet

75 Prozent der Deutschen mit Glyphosat belastet
75 Prozent der Deutschen mit Glyphosat belastet

Zum Auftakt der angehenden Gespräche zur Jamaika-Koalition und der in wenigen Tagen beginnenden Klimakonferenz COP23, möchte CleanEnergy Project an eine erschreckende Studie der Heinrich Böll Stiftung erinnern: 75 Prozent der Deutschen sind mit Glyphosat belastet.

Mit dieser Studie wollte die Heinrich Böll Stiftung herausfinden, inwieweit „Glyphosat bereits in die Umwelt vorgedrungen ist“. Dabei ist die Antwort erschreckend. Denn Glyphosat ließ sich in über 99 Prozent der Urinproben bei Deutschen nachweisen. Bei 75 Prozent der Proben war die Belastung um ein Fünffaches höher als es der Grenzwert für Trinkwasser zulässt.

Glyphosat ist das meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel der Welt. Laut der Krebsforschungsagentur der WHO ist das Herbizid wahrscheinlich krebserregend beim Menschen. Außerdem trägt es maßgeblich zum Artensterben in unserer Landwirtschaft bei.

Das Herbizid wurde inzwischen auch in 45 Prozent der europäischen Humusschicht nachgewiesen. Ein erschreckender Fakt. Außerdem in 60 Prozent des in Großbritannien verkauften Brots.

Mit Glyphosat belastet – wen kümmert’s?

Vor kurzem hat die EU-Kommission angekündigt, die Entscheidung über die weitere Zulassung von Glyphosat in der Europäischen Union bis zum Ende des Jahres zu verschieben. Abstimmungen waren ursprünglich für Anfang Oktober geplant. Dabei haben bereits über eine Millionen Menschen eine Petition für Brüssel unterschrieben, um Glyphosat in der EU ausnahmslos zu verbieten.

Ursprünglich hatte die EU-Kommission eine Glyphosat-Lizenzverlängerung von zehn Jahren beantragt. Nachdem sich das EU-Parlament jedoch für ein endgültiges Verbot ab 2022 aussprach, verkürzte die Kommission ihren Antrag überraschend auf fünf bis sieben Jahre.

Was bedeutet ein Verbot von Glyphosat für die Landwirtschaft?

Patrick Holden, CEO des Sustainable Food Trust, warnt davor, dass die Landwirtschaft bereits von Glyphosat und deren Hersteller  stark abhängig geworden sind. Denn das Herbizid hätte den Landwirten ungemein damit geholfen, Nutzpflanzen in großen Monokulturen anzupflanzen und damit den Ertrag (zumindest kurzfristig) zu erhöhen.

Holden glaubt jedoch nicht, dass ein Verbot unkontrollierbare Probleme mit Unkraut verursachen würde. Denn es gebe auch andere Herbizide auf dem Markt. Stattdessen stünden die Landwirte vor einer neuen Herausforderung: Das Landwirtschaftssystem so transformieren, dass regionale Nutzpflanzen und Gräser wieder in den Vordergrund rücken. Für eine nachhaltige und auf lange Sicht florierende Landwirtschaft.

Holden sieht bereits eine neue und nachhaltigere Ära auf uns zukommen. Ein durchgehendes Verbot könne der Anfang vom Ende der Herbizidnutzung sein, wie wir sie kennen. Es sei Zeit für ein neues Kapitel der Innovation und Diversität.

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