Wassernot in Kapstadt: Ein Eisberg als Lösung?

Kann ein solcher Eisberg die Wassernot in Kapstadt beenden?

In Kapstadt ist das Wasser knapp. Die Stadt erwartet derzeit mit Schrecken die „Stunde Null“. Geht ihr das Wasser endgültig aus, werden vor allem die Armen leiden. Nun soll ein Eisberg aus der Antarktis helfen, die Wassernot in Kapstadt zu beenden – zumindest wenn es nach Nick Sloane geht.

Ein Eisberg als Durstlöscher einer ganzen Stadt? Geht das? Es klingt verrückt, doch genau das ist die Vision des Südafrikaners Nick Sloane. Berühmt ist Sloane durch seine ambitionierten Projekte. Als Bekanntestes ist wohl die Bergung der Costa Concordia zu nennen, bei deren Leitung er sich den Spitznamen „Salvage Master“ aneignete.

Nun will der Bergungsexperte kein havariertes Schiff befreien und auch keine brennende Ölplattform retten, diesmal will er einen ganzen Eisberg in Bewegung setzen. Und das, um die Wassernot in Kapstadt zu beenden. Das klingt absurd, könnte aber tatsächlich funktionieren.

Anhaltende Dürre verursacht Wassernot in Kapstadt

Im Januar diesen Jahres wurde die „Stunde Null“, also der Tag, an dem in Kapstadt kein Wasser mehr aus den Hähnen kommt, bereits für  April prognostiziert. Mittlerweile hofft man, dass der Vorrat durch strenge Sparmaßnahmen reicht, bis der jährliche Winterregen einsetzt. Wann der kommt, weiß jedoch niemand genau.

Besonders hart trifft das die Ärmsten in der Bevölkerung. Sie sind in den Townships zuhause und viele von ihnen verdienen ihr Geld mit Autowaschen. Somit sind sie völlig vom Wasser des städtischen Versorgungsnetzwerkes abhängig, denn private Grundwasserbohrlöcher, wie sie in den wohlhabenden Gegenden der Stadt bereits zur Grundausstattung gehören, können sie sich nicht leisten. Das fällige Bußgeld für einfache Verstöße beträgt 3.000 Rand (umgerechnet 200 Euro) – mehr als die meisten Bewohner der Townships im Monat verdienen.

Ein Eisberg als Wasserquelle

Nick Sloane, der „Salvage Master“, will dieses Problem mit einem Eisberg lösen. Er findet, es sei eine riesige Trinkwasserverschwendung, dass Eisberge in der Antarktis täglich einfach so dahin schmelzen. Im BR-Interview erklärt er, dass einige der Eisberge, die regelmäßig von der Antarktis abbrechen, ohnehin Richtung Kapstadt treiben. Durch Strömungen werden sie knapp 2000 Kilometer vor dem Kap wieder in Richtung Süden gelenkt. Das möchte er nutzen.

Nach genauen Untersuchungen der lokalen Strömungen ist Sloane’s Team, das unterm anderem aus renommierten Polarforschern besteht, überzeugt, einen Eisberg von ausreichender Größe in den Benguela Strom umleiten zu können, der ohnehin an Kapstadt vorbei fließt. Dann würde die Strömung 99 Prozent der Arbeit machen, so Sloane.

Science Fiction oder Realität?

Unrealistisch ist das tatsächlich nicht. Da sind sich auch viele Experten einig. Dennoch ist der Aufwand enorm. Das Team von Nick Sloane möchte eine Art riesige Folie nutzen, um den Eisberg quasi abzuschleppen. Die würde dann auch die Temperatur dämmen. Dabei würden beim Transport laut Sloane nur 10 Prozent des Berges verloren gehen sowie noch einmal 20 Prozent während der Lagerung vor der Küste. 70 Prozent wären somit als Trinkwasser nutzbar.

Die Idee ist nicht neu. Forscher und Unternehmen befassen sich schon seit Jahren mit ähnlichen Konzepten. Immer mehr Regionen der Erde leiden unter Wasserknappheit. Erfolgreiche Lösungsansätze dieser Art könnten viele Menschen versorgen und wären zudem lukrativ. Nicht umsonst warnen Organisationen wie der WWF jährliche vor humanitären Katastrophen aus mangelndem Zugang zu Trinkwasser. Umgesetzt werden konnte das Eisbergkonzept bisher jedoch nicht.

In der Praxis offenbart das Projekt schwer zu überwindende Probleme. So brechen Eisberge oft auseinander, gerade bei hohem Wellengang oder Temperaturunterschieden. Außerdem müsste ein Eisberg, um die Wassernot in Kapstadt lösen zu können, enorm groß sein. Eisberge von dieser Größe haben viele Risse und natürliche Schmelzkanäle. All das erschwert einen reibungslosen Transport.

Die Abgasfahne der benötigten Schlepperboote ist ein weiteres Problem. Denn die oft mit Schweröl betriebenen Boote könnten den Eisberg und somit dessen reines Trinkwasser beschmutzen, bevor man das gefrorene Frischwasserreservoir überhaupt in die Stadt bekommt.

Letzten Endes zu teuer

Das größte Hindernis findet sich zuletzt allerdings nicht auf der technischen Ebene. Lösbar sind die meisten der Probleme eines Transports bestimmt. Dennoch würde ein solch aufwendiges und kompliziertes Projekt so viel kosten, dass auch der Wasserpreis in Kapstadt stark ansteigen würde. Vor allem die arme Bevölkerung könnte somit nicht davon profitieren.

Auch deshalb hat sich die Stadt mittlerweile gegen Sloane’s ambitionierten Plan entschieden. Somit bleib zu hoffen, dass der bald erwartete Winterregen ein schnelles Ende der Wassernot in Kapstadt bringt. Dann liegt es an der Regierung, nachhaltige Lösungen zu konstruieren, damit man bei der nächsten Dürre nicht wieder vor demselben Problem steht. Denn eines ist sicher: die nächste Dürre wird kommen.

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