Das Wasserdilemma im Nahen Osten

Wasserdilemma: Wegen Wassermangel wierden zur Entsalzung des Meerwassers immer mehr Anlagen gebaut.
Im Nahen Osten wird das Wasser immer weniger.

Wir alle brauchen Wasser. Doch was, wenn es nicht mehr genug Wasser gibt um die Bevölkerung zu versorgen? Der Nahe Osten steht schon längere Zeit vor genau diesem Problem. Sie sehen ihre Chance in der Entsalzung von Meerwasser. Immer mehr entsprechende Anlagen entstehen entlang dem Roten Meer und dem Persischen Golf. Doch dieses Verfahren ist Fluch und Segen zugleich. Das Wasserdilemma: Während genug Wasser für die Bewohner bereitgestellt werden kann, steht seine Gewinnung vor Schwierigkeiten im Bereich Umwelt.

Im Nahen Osten werden durch Entsalzungsanlagen pro Tag circa 20 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus dem Meer gewonnen. In Saudi-Arabien beträgt der Wasseranteil, der durch dieses Verfahren entsteht, bereits 70 Prozent. Doch um diesen Bedarf zu decken befinden sich an der Küste des Persischen Golfes schon jetzt über 200 Entsalzungsanalgen. Die größte steht derzeit in Dubai. Im Dschabal Ali werden jeden Tag zwei Milliarden Liter Meerwasser zu Trinkwasser verarbeitet.

Warum wird so viel entsalzen?

Der große Wasserbedarf der arabischen Staaten resultiert zu einem Großteil aus folgendem Problem: die arabische Halbinsel und Nordafrika bedecken zwar zehn Prozent der Landmasse, allerdings bekommen sie nur zwei Prozent des Regens auf unserer Erde. Grundwasservorkommen sind sehr knapp und die, die es gibt, werden immer leerer, bis sie ganz verschwinden. Durch den Klimawandel wird es zudem immer heißer: seit 1970 hat sich die Zahl der extrem heißen Tage in dieser Region verdoppelt. Laut dem Max-Planck-Institut werden sich bei derzeitiger Entwicklung des Klimawandels die Hitzewellen dort verzehnfachen.

Der andere große Faktor für den hohen Wasserbedarf sind die Kosten für die Konsumenten. Nirgendwo sonst, ist Wasser so billig wie in Saudi-Arabien. Wie in den meisten Golfstaaten wird auch hier der Wasserpreis subventioniert. Da der Staat 90 Prozent der Kosten trägt, zahlt er Konsument am Ende wenig bis gar nichts für seinen Wasserverbrauch. Denn in Qatar kann Wasser ganz kostenlos aus den Leitungen gezapft werden. Da aus diesem Grund nicht nur der einzelne Verbraucher, sondern auch die Landwirtschaft nicht sehr sparsam mit Wasser umgeht, entsteht dadurch der höchste Pro-Kopf-Verbrauch der Welt mit 750 Litern am Tag.

Wie funktioniert die Meerwasserentsalzung?

Wegen des Wassermangels fließt Meerwasser durch die Entsalzungsanlagen.
Meerwasser fließt durch mehrere Kammern © BILFINGER MAGAZIN

Im Dschabal Ali besteht die Anlage aus acht Kammern. An ihren Decken verlaufen Rohe, die das kalte Meerwasser zu einem Erhitzer leiten. Dort trifft es auf nur durch eine dünne Oberfläche voneinander getrennten heißen Dampf. Dadurch wird das Meerwasser auf 115 Grad Celsius erhitzt, bevor es in entgegengesetzte Richtung wieder zurück durch die Kammern fließt. Da in hier Unterdruck herrscht, wird das Wasser schlagartig verdampft. Es steigt nach oben, wo es an den kalten Rohren an der Decke wieder kondensiert. Da die Temperatur bei diesem Verfahren von Kammer zu Kammer immer weiter abnimmt, wird dieses Verfahren „Entspannungsverdampfung“ genannt. Das gewonnene kondensierte Frischwasser wird anschließend aufgefangen und zurückbleibt eine salzige Brühe, die langsam zurück ins Meer fließt. Wird es zu schnell ins Meer zurückgeführt, bedroht dies das umliegende Ökosystem.

Woher stammt der Dampf zum Erhitzen?

Positiv an diesem Vorgehen ist, dass dafür keine Chemikalien verwendet werden. Der Nachteil ist dagegen, dass dafür enorme Hitze benötigt wird, die das Wasser auf seine Temperatur bringt. Deshalb sind Entsalzungsanlagen mit einem Kraftwerk gekoppelt. Hier wird durch Verbrennung von fossilen Brennstoffen Strom in großen Mengen produziert. Als Nebenprodukt entsteht heißer Dampf, der anschließend zum Erhitzen des Wassers in der Entsalzungsanlage genutzt wird. Damit steht die Entsalzung auch immer in Verbindung mit den sehr hohen Anschaffungskosten von Öl und Gas und dem hohem CO2-Ausstoß durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Dadurch trägt die Wassergewinnung in diesen Ausmaßen selbst ein Stück zum Klimawandel bei.

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Quelle: Süddeutsche Zeitung

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