Um deutsche Gewässer steht es schlecht

Deutsche Gewässer sind in desolatem ökologischen Zustand.
Deutsche Gewässer sind in desolatem ökologischen Zustand.

Deutsche Gewässer sind in einem desolaten Zustand. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor. Sie stammt von Anfang April. Darin zeigt sich, dass bloß jeder vierte See in einem ökologisch unbedenklichen Zustand ist. Noch düsterer sieht die Lage bei den Fließgewässern aus. Von fast 9.000 deutschen Flüssen erreichen lediglich magere sieben Prozent die EU-Kriterien. Besonders der Zustand der Flüsse ist demnach weit vom Ziel der nationalen Biodiversitätsstrategie entfernt.

Über die EU-Kriterien, namentlich die Wasserrahmenrichtlinie, soll nun neu verhandelt werden. Dazu gab der Umweltverband unlängst ein entsprechendes Statement ab. „Es ist geradezu widersinnig, dass ausgerechnet jetzt die europäische Wasserrahmenrichtlinie, die Flüsse, Seen und unser Grundwasser schützen soll, auf den Prüfstein der EU-Kommission gelegt wird. Nun droht eine Aufweichung und eine weitere Verschlechterung für unser Wasser und die Ökosysteme, die davon abhängig sind. Es wird nach dem Motto verfahren: dem Patienten geht es schlecht, also senken wir die Definition von Krankheit ab“, erklärte Beatrice Claus. Sie ist Referentin für Fluss- und Wasserpolitik beim WWF Deutschland.

Deutsche Gewässer „auf der Intensivstation“

In 93 Prozent der Fließgewässer leben nicht mehr die Gemeinschaften aus Fischen, Pflanzen und Kleintieren, die man dort eigentlich vorfinden müsste. Zudem sind 79 Prozent der Fließgewässer durch Ausbau in ihrer Struktur deutlich bis vollständig verändert. So steht es in der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Grünen. Immerhin – die Wasserqualität hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Auch sind etwa Biber und Lachse wieder in deutsche Gewässer zurückgekehrt. Dennoch gehören Gewässer und Auen weiterhin zu den bedrohten Lebensräumen in Deutschland.

Das Umweltbundesamt sieht die Gründe für den mäßigen bis schlechten Zustand vor allem in der Landwirtschaft. Belastungen, etwa durch Dünger oder Spritzmittel sowie Begradigungen und Verbauung schaden der Biodiversität. In dieselbe Kerbe schlägt auch der WWF: „Es kann nicht sein, dass die Agrarindustrie mit ihrer andauernden und intensiven Überdüngung unser Wasser mit Nitrat verunreinigt und den Zustand von Seen und Flüssen dadurch noch weiter verschlechtert.“

Letztlich ist wie so oft die Politik gefragt. Statt innerhalb der EU-Kommission die Wasserrahmenrichtlinie zu überprüfen, muss die Renaturierung im Vordergrund stehen. Initiativen wie etwa das „Blaue Band“ müssen intensiviert werden. Die biologische Vielfalt und das Ökosystem Fluss sind massiv bedroht.

„Viele Seen und Flüsse in Deutschland liegen inzwischen auf der Intensivstation. Schuld daran ist eine Verschleppungstaktik der Politik. Es wurde zu lange weggesehen, wenn Industrie und Landwirtschaft auf Kosten unseres Wassers gewirtschaftet haben.“ Der Weltwassertag macht jedes Jahr am 22. März auf die Lage aufmerksam.

Quelle: WWF