Schwimmen im Trinkwasser – Diskussion um den Phönixsee Dortmund

Mitten in Dortmund wird seit Jahren an einem umstrittenen Projekt gearbeitet. Aus dem ehemaligen Hoeschgelände, einer stillgelegten Zeche, soll ein Badesee und damit ein Naherholungsgebiet werden. 2005 wurde damit begonnen das Erdreich auszuheben, um Platz für den 24 Hektar großen See zu schaffen und mit Schwermetallen belastete Sedimente zu entsorgen. 2010 soll mit der Flutung des Sees begonnen werden.

Der ursprüngliche Plan war, das nötige Wasser aus Grund-, Regenwasser und der Emscher, einem ehemaligen Abwasserkanal der zur Zeit renaturiert wird, zu beziehen. Dieser Plan wurde jedoch verworfen, da es so zirka eineinhalb Jahre dauern würde, das Becken zu füllen. Nun hat man vor, den See zu 80 Prozent mit Trinkwasser zu füllen, was den Zeitraum auf sechs Monate reduzieren würde und außerdem günstiger wäre.

Dieser Sachverhalt führt nun zu hitzigen Diskussionen. Laut Heinz Hüppe, Geschäftsführer der Phoenix-See-Entwicklungsgesellschaftsei der Grundwasserspiegel in der Region erstmals so tief gesunken, dass die ursprünglichen Pläne nicht ausgeführt werden können. Dieser Begründung steht das Argument gegenüber dass Schwankungen des Grundwasserpegels nichts Neues seien und durch die fortschreitende Flächenversiegelung noch verstärkt werde, da weniger Wasser versickern könne.

Abgesehen von der Glaubwürdigkeit der Argumente fragt man sich jedoch, wie es sein kann, dass man Jahrzehnte lang zum Sparen von Trinkwasser angehalten wird, während es nun von den Stadtvätern genutzt werden soll, um einen Badesee zu füllen. Auf der anderen Seite werden seit einiger Zeit Stimmen laut, die argumentieren dass all das Trinkwassersparen gar nicht so sinnvoll sei wie angenommen. Unsere Kanalisationen sind auf ein bestimmtes Wasservolumen ausgelegt. Fließt weniger hindurch kann es zu Verstopfungen kommen oder die Leitung werden durch die ätzenden Fäkalien angegriffen. Dann muss die Kanalreinigung nachspülen und zwar mit Trinkwasser.

Das von ökonomisch denkenden oder umweltbewussten Bürgern eingesparte Wasser wird also nachträglich genutzt um die Leitungen sauber zu halten. Und auch die Frischwasserleitungen müssen regelmäßig durchgespült werden, da Trinkwasser, das zu lange steht, verkeimen kann. Ist es also überhaupt sinnvoll, in unserer, vom Wasserüberschuss gesegneten Region, Wasser zu sparen? Da der gesamte Wasserkreislauf – und man betone Kreislauf – mit Rohrleitungen, Kanalisation und Kläranlagen auf eine bestimmte Wassermenge ausgelegt ist, ist es wenig sinnvoll diese drastisch zu reduzieren. In diesem Fall müsste das gesamte System über kurz oder lang angepasst werden, was wieder mit unliebsamen Kosten verbunden wäre.

Wirklich angemessen und nötig ist es jedoch, warmes Wasser zu sparen, da Energie nötig ist um es zu erwärmen und diese Energie zu sparen ist tatsächlich sinnvoll. Ob es dennoch ethisch vereinbar ist einen künstlichen See mit aufwändig gereinigtem Wasser zu füllen, während in vielen Teilen der Welt die Wasserknappheit zu kriegsähnlichen Zuständen führt, sei dahin gestellt.

Carla Lange

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