Ressource Sand: Die Reserven gehen zur Neige

Der Sand wir rar
Der Welt geht der Sand aus

Die natürlichen Ressourcen unseres Planeten sind begrenzt – manche mehr, manche weniger. Wenn der Mensch so weiter macht, werden auch natürlich regenerierbare Rohstoffe langfristig erschöpft sein. Einer dieser Rohstoffe erscheint so banal allgegenwärtig, dass Umweltschützer, Aktivisten und Wissenschaftler seinen Wert bisher häufig verkannt haben: Sand. Tatsächlich, der wird Sand knapp. Und das hat weitreichende ökologische und gesellschaftliche Folgen.

Pro Minute wird global weiterhin Tropenwald in einer Fläche von ungefähr 20 Fußballfeldern gerodet. Das macht rund 76.000 Hektar pro Jahr (Zahl: 2017). Bis zu 90 Prozent der weltweiten Fischbestände bleiben überfischt. Die globale Nachfrage nach Öl soll laut OPEC im Gesamtjahr 2018 durchschnittlich 98,60 Millionen Barrel pro Tag betragen, ein Wachstum von 1,59 Millionen Barrel. All das sind Zahlen, die trotz der globalen Krise des Klimawandels kaum überraschen.

Nicht ganz so im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit steht jedoch eine der meist konsumierten natürlichen Ressourcen überhaupt, übertroffen womöglich nur noch von Wasser: Sand. Die Vereinten Nationen schätzen, dass der jährliche Kies- und Sandkonsum die Marke von 40 Milliarden Tonnen übertrifft – eine kaum fassbare Zahl.

Aufgrund der hohen Nachfrage gehen uns die natürlichen Sandreserven langsam aber sich aus. Drei Viertel der Strände auf der Welt gehen beständig zurück. Doch wozu wird so viel Sand überhaupt gebraucht? Und haben wir in den vielen Wüstenregionen der Erde nicht sowieso genug davon?

Sand: Wertvolles Baumaterial

Sand wird im alltäglichen Leben auf vielerlei Arten genutzt. Gebäude, Brücken, Flughäfen, Straßen, praktisch alles was wir bauen, besteht teilweise aus Sand. Die Bauindustrie, die überall auf der Erde weiterhin boomt, braucht also einen ununterbrochenen Zufluss an Sand für so gut wie alles, das sie produziert.

Darüber hinaus ist Sand ein grundlegender Bestandteil von Siliziumdioxid (weniger fachspezifisch auch Kieselerde genannt). Die ist nicht nur in dem Wein, den wir uns abends gerne gönnen, sondern ebenso in Glas, Mikrochips (u.a. für Smartphones), in Putzmitteln, Papier, Zahnpasta und einer Vielzahl weiterer Produkte, die wir täglich nutzen.

Kiran Pereira, Gründerin von SandStories.org, sagt dazu: „Es ist beinahe wie die Luft, die Luft die wir atmen. Wir denken nicht besonders drüber nach, aber wir können ohne sie nicht leben.“

Wüstensand ist keine Lösung

Manch einer wird sich nun wundern: Die Wüsten breiten sich überall auf der Erde beständig aus, haben wir also nicht genug Sand?

So einfach ist das nicht. Aufgrund der ständigen Erosion durch Wind und andere Einflüsse ist der Sand aus der Wüste für die Baubranche meist nicht zu gebrauchen. Er ist zu glatt. Somit fehlt ihm die nötige Haftung, um als Bindemittel beispielsweise für Beton zu funktionieren. Wüstensand ist also nicht die Lösung.

Die Sandmafia

In machen Regionen ist Sand mittlerweile so knapp, dass illegale Schmuggelbanden, oder auch „Sandmafias“, nachts die Strände und Flussufer plündern.

Diejenigen die zum Beispiel im indischen Mumbai an der Spitze der Sandmafias stehen, kontrollieren ebenso große Teile der Baumaterialbranche sowie teils sogar die Bauchbranche selbst, berichtet Sumaira Abdulali, die Präsidentin der Awaaz Foundation.

Diese Personen haben dann, durch politische Kontakte und teils korrupte Strukturen, auch Kontrolle über die zuständige Administration. Damit decken sie die gesamte Wertkette ab – von der Gewinnung des Sandes bis zum Bau.

Durch solch mafiöse Zustände wird das Problem des globalen Sandbestandes besonders in den Teilen der Erde verschlimmert, die für die ökologischen und ökonomischen Folgen ohnehin empfindlich sind.

Ökologische Folgen des Sandverlusts

Ein Bericht des United Nations Environment Programme fasst die ökologischen Folgen des Sandraubs in folgenden Gebieten zusammen:

  • Biodiversität: Einfluss auf bzw. Zerstörung der betroffenen Ökosysteme;
  • Landverlust: Sowohl im Inland als auch in Küstennähe, besonders durch Erosion;
  • Wasserkreislauf: Veränderungen von Wasserführung, Hochwasservorbeugung und Meeresströmungen;
  • Wasserversorgung: Verringerung des Grundwasserspiegels sowie Verschmutzung des Grundwassers;
  • Infrastruktur: Schädigung von Brücken, Fluss-Einschiffungen und Küsteninfrastruktur;
  • Klima: Direkt durch Transportemissionen, indirekt durch Zementproduktion;
  • Landschaften: Küstenerosion, durch Steinbrüche und durch Verschmutzung von Flüssen;
  • Extremwetterereignisse: Verringerter Schutz vor Überflutungen, Dürren und Sturmfluten.

Quellen: Al Jazeera; SandStories

Video: @Sandstories.org

 

Kein Sand am Meer mehr – Raubbau von Sand

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