Reparieren statt Ausrangieren

Fahrradreparatur
Fahrradreparatur

Schon seit vielen Jahren predigen nicht nur Umweltorganisationen, dass Gebrauchsgegenstände, wie Fahrrad, Radio oder Waschmaschine, zum Wohle der Umwelt, doch besser repariert statt ersetzt werden sollten. Der Wegwerfkultur, die in der Gesellschaft vorzuherrschen scheint, sollte der Kampf angesagt werden – doch schienen die gewählten Maßnahmen kaum zu greifen. In vielen Fällen ist es immer noch deutlich preiswerter etwas neu zu kaufen, statt den beschädigten Gegenstand reparieren zu lassen. Einzelne Projekte wie Reparaturcafés, in denen Reparaturen selbst unter Anleitung und Bereitstellung von Werkzeugen, repariert werden können, fanden zwar einige Beachtung, verloren diese jedoch auch schnell wieder. Schwedens Verbraucherministerium hat nun ein Konzept vorgestellt, mit dem das Land beim nachhaltigen Verbrauch eine wahre Vorbildrolle einnehmen könnte.

Das Maßnahmenpaket sieht vor, dass die Mehrwertsteuer auf Reparaturen von Fahrrädern, Kleidung oder Schuhen von 25 auf 12 Prozent gesenkt werden soll und die Arbeitsstunden für Handwerker, die ins Haus kommen um Waschmaschine oder den Kühlschrank zu reparieren, künftig weniger kosten soll. Diese Strategie ist Teil des Haushalts, der noch diesen Monat verabschiedet werden soll. Bei Zustimmung des Parlaments könnten die Steuersenkungen noch zum Jahreswechsel wirksam werden.

„Das soll einen Anreiz geben, seine Dinge reparieren zu lassen, anstatt sie wegzuwerfen und neu zu kaufen“, erklärt der zuständige Verbraucherminister Per Bolund der Nachrichtenagentur dpa. „Viele Menschen sagen, dass sie gern nachhaltiger konsumieren möchten.“ Ihnen fehle nur das Werkzeug dazu. Dabei räumt er ein: „Dieses Thema hatte einen wirklich niedrigen Stellenwert in der letzten Regierung. Aber wenn wir die Probleme mit Nachhaltigkeit und Umwelt lösen möchten, müssen wir am Konsum arbeiten.“

Die ehemalige Umweltministerin Schwedens, Åsa Romson, zeigte sich begeistert: „Das ist doch ein toller Vorschlag, weil wir umdenken müssen, wenn es darum geht, wie wir Sachen und Produkte benutzen. Ich glaube, es ist besser, Qualitätsprodukte auf dem Markt zu haben, die dann auch repariert werden können. Das schont die Ressourcen und schafft Arbeitsplätze im ganzen Land.“

Auch die schwedische Finanzministerin, Magdalena Andersson, gab bereits „grünes“ Licht: „Wir hoffen, dass dadurch mehr Unternehmen zu ‚weißen‘ Unternehmen werden, weil wir die Schwarzarbeit eindämmen. Das würde die Produktentwicklung ebenfalls günstig beeinflussen. Die Leute kaufen dann vielleicht eher ein haltbares Fahrrad, das man reparieren kann, anstatt eines billigen Fahrrads, das man nach einem Jahr wegwirft, wenn der Winter kommt und es rostet.“

Die aktuelle Vorlage veranschlagt 43 Millionen schwedische Kronen (4,3 Millionen Euro) die bis 2020 in den Aufbau einer Informationsplattform investiert werden sollen. Auf dieser sollen Beispiele für umweltfreundliches Handeln vorgestellt und Forscher, Industrie, Politik und Zivilgesellschaft miteinander vernetzt werden. Gleichzeitig soll in den Schulen das Thema Abfallvermeidung und Konsum weiter in den Vordergrund gerückt werden, während Unternehmen Hilfestellung zu Umweltthemen, Menschenrechten und Vermeidung von Korruption angeboten werden soll.

Angesichts des wirtschaftlichen Rückgangs insbesondere im Handwerk, könnte diese Maßnahme Kleinbetrieben, die vor allem auch von Reparaturaufträgen leben, zugutekommen. So kommentierte ein Fahrradmechaniker und -verkäufer in Stockholm: „Ja, das klingt sehr gut, besonders weil die Fahrradindustrie jedes Jahr wächst. Dabei gibt es – noch – immer zu wenig Handwerker. Aber wir brauchen Reparaturaufträge, auch als zusätzliche Einnahmequelle. Also finde ich das Gesetz sehr gut. Es bringt mehr Arbeitsplätze und fördert das Fahrradfahren.“

Quellen:
http://www.br.de/nachrichten/schweden-wegwerf-steuer-100.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schweden-senkt-steuern-auf-reparaturen-a-1123262.html

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