Natürlich verpackt?

Kunststoffe sind im Alltag allgegenwärtig und längst unentbehrlich geworden. Der Hauptanteil der Kunststoffe besteht dabei aus fossilen Rohstoffen.

Doch seit einigen Jahren rücken so genannte „Biokunststoffe“ zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses. Sie basieren auf einem mikroorganischen, tierischen oder pflanzlichen Ursprung und haben ein breites Spektrum an Charakteristika. Der Begriff „Biokunststoff“ kann jedoch zu Missverständnissen führen, denn er ist nicht zwangsläufig ein Synonym für Umweltfreundlichkeit.

So gibt es beispielsweise biobasierte Standartkunststoffe wie PET und PE, die aus den Ausgangsstoffen  Mais, Zuckerrohr, Tapioka und Holz hergestellt werden. Sie besitzen dieselben Eigenschaften, wie ihre fossilen Vorgänger und sind – genau wie diese – nicht biologisch abbaubar. Die „wahren Biokunststoffe“ bestehen dagegen nicht nur aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zellulose, Lignin und Stärke, sie sind auch kompostier-, also biologisch abbaubar. (Früher wurden unter dem Begriff „Biokunststoff“ sämtliche biologisch abbaubaren Kunststoffe zusammengefasst – unabhängig von ihrer Rohstoffbasis.)

Europa ist führend in der Biokunststoffindustrie und der Verpackungsmarkt nimmt hier eine wichtige Rolle ein. Die Preise für Biokunststoffe sind jedoch viermal so hoch, wie die der konventionellen.

Trotzdem befinden sich bereits einige Unternehmen in einer Test- und Umbruchsphase, wie zum Beispiel die Coca Cola Company, die neulich ihre „Plant Bottle“ auf den Markt brachte. Dabei handelt es sich um eine Flasche, die bis zu 30 Prozent aus biobasiertem Material hergestellt wird.

Seit ein paar Wochen wirbt auch Danone mit „natürlich verpacktem“ Joghurt.  Das Verpackungsmaterial für die Joghurtmarke Activia besteht zu 98 Prozent aus PLA, auch Polymilchsäure oder Polylactic acid genannt, für dessen Herstellung der nachwachsende Rohstoff Mais statt Erdöl verwendet wird. Die Maisproduktion wird bei Danone nach festgelegten Nachhaltigkeitskriterien (ISCC) umgestellt. ISCC steht für International Sustainability and Carbon Certification, ein staatlich anerkanntes Zertifizierungssystem für Nachhaltigkeit und Treibhausgasemissionen bei der Produktion von Biomasse, das vom WWF mit unterstützt wird.

PLA weist zwar eine gewisse biologische Abbaubarkeit auf. In der Natur wird PLA in der Regel jedoch nicht zersetzt, denn es benötigt dazu bestimmte Umweltbedingungen, wie sie für gewöhnlich nur in industriellen Kompostieranlagen vorliegen.  Deshalb gehören die Joghurtbecher auf keinen Fall in den Biomüll sondern in den Gelben Sack. Von dort aus sollen sie – so das Ziel von Danone – in einen geschlossener Kreislauf gelangen, im dem PLA wieder zu PLA recycelt wird.

Ramona Schellinger

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