Meeresschutz: Nein zum Raubbau an der Tiefsee

Kein Raubbau an der Tiefsee fordern Nicht-Regierungsorganisationen.
Die Nutzungskonflikte um die Weltmeere werden immer schärfer. (Bild: © H.C. Neidlein).

Die Nutzungskonflikte um die marinen Ressourcen und den Schutz der Ozeane werden immer bedeutender. Das zeigen geplante Tiefseebergbauvorhaben. Nicht-Regierungsorganisationen fordern ein Nein zum Raubbau an der Tiefsee.

Zwei Drittel der Weltbevölkerung lebt an Küsten. Für Milliarden Menschen ist das Meer Lebensgrundlage. 70 Prozent der Erde sind von Ozeanen bedeckt – sie produzieren Sauerstoff, sind Lebensraum für unzählige Pflanzen und Tiere sowie der spiritueller Mittelpunkt unzähliger Küsten- und Inselbewohner.

Doch die Bedrohungen sind vielfach. Wenn sich nichts ändert, könnte bis im Jahr 2050 ebenso viel Plastikmüll wie Fische in den Weltmeeren schwimmen. 90 Prozent der kommerziellen Fischbestände sind überfischt und schätzungsweise jeder fünfte Fisch wird illegal gefangen. Weil die Ozeane als Lungen der Erde viel CO2 absorbieren, sind sie zu 30 Prozent saurer als noch in vorindustrieller Zeit. Das bedroht vor allem kalkskelettbildende Lebewesen wie  Korallenriffe. Auch die Mangrovenwälder, die den Küsten als natürlicher Schutz dienen, sind in vielen Ländern bereits zerstört worden. Der Nutzungsdruck auf die marinen Ressourcen steigt weiter.

Umstrittenes Projekt vor Papua-Neuguinea

Ein aktuelles Beispiel hierfür ist der geplante unterirdische Abbau von mineralischen Rohstoffen in der bisher weitgehend ungenutzten Tiefsee. Die wichtigsten Rohstofftypen im Tiefseebergbau sind Manganknollen (polymetallische Knollen), kobaltreiche Eisen- und Mangankrusten sowie Massivsulfide und Erzschlämme. Die Manganknollen sind vor allem wegen ihrer vergleichsweise hohen Gehalte an Kupfer, Nickel und Kobalt wirtschaftlich interessant. Bei den Massivsulfiden spielen neben den Buntmetallen (Kupfer, Zink und Blei) besonders die Edelmetalle Gold und Silber sowie Spurenmetalle wie Indium, Tellur, Germanium, Wismut, Kobalt und Selen eine Rolle.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Explorations- und Forschungsprojekte für Bergbau in der Tiefsee. Weltweit wurden bereits  Schürfrechte für über 1,5 Millionen Quadratmeter vergeben. Am Meeresboden der Bismarcksee vor Papua-Neuguinea soll 2019 im Gebiet Solwara 1 das erste Tiefseebergbauprojekt starten, durchgeführt vom kanadischen Unternehmen Nautilus Minerals. Finanziert wird das Vorhaben von Investoren aus Russland und dem Oman. Verwertet werden sollen die Rohstoffe dann in China, hieß es bei einer Konferenz in Berlin zum Tag der Ozeane.

140.000 Quadratmeter groß ist das Abbaugebiet, das sich in einer ökologisch sensiblen Zone befindet und auch ein wichtiger Fanggrund für viele Kleinfischer ist. Bereits jetzt sei klar, dass mit dem Abbauprojekt eigentlich kaum Geld zu verdienen sei, doch wolle sich Nautilus Minerals Patente und Know-how für künftige, größere Abbauvorhaben sichern, so die Einschätzung von Kai Kaschinski, Vorstand von Fair Oceans und Sprecher der AG Meere beim Forum Umwelt und Entwicklung. Doch die ökologischen und sozialen Auswirkungen auf die Küstenbewohner seien gravierend.

Keine seltenen Metalle für Brennstoffzellen und Batterien aus der Tiefsee

 „Mit dem Tiefseebergbau wird ein völlig neuer Industriezweig entstehen, der zusätzliche Belastungen der Meereswelt mit sich bringt. Der Bergbau am Meeresboden geht mit einer Zerstörung der betroffenen Gebiete und Artensterben einher. Da die ökologischen Kreisläufe in den Ozeanen überlebenswichtig für den ganzen Planeten sind, wir bisher aber nur wenig Konkretes über die Wechselbeziehungen in der Tiefsee wissen, sind die negativen Auswirkungen dieser Eingriffe möglicherweise dramatisch. Tiefseebergbau ist in diesem Sinne eine Risikotechnologie und steht für den Wunsch nach unbegrenztem Wachstum, nicht für eine vorsorgende Politik“, sagt Kaschinski.

Selbst der wachsende Bedarf an Metallen der Seltenen Erden für neue Technologien wie Brennstoffzellen oder Batterien für E-Autos und die Digitalisierung solle mit durch den Abbau in den Meeren gedeckt werden, kritisiert Kaschinski.

Rohstoffverbrauch reduzieren – Nein zum Raubbau an der Tiefsee

Entsprechend fordert ein jüngst vorgelegtes Positionspapier des Forums Umwelt und Entwicklung ein Nein zum Raubbau an der Tiefsee, einen kompletten Stopp aller Vorhaben und den Schutz der Tiefsee als gemeinsames Erbe der Menschheit. Kritisiert wird, dass „die Bundesregierung eine Reihe von Industrie- und Forschungsvorhaben politisch und finanziell unterstützt, die den Tiefseebergbau massiv vorantreiben“.

Stattdessen sollte sich die Bundesregierung jedoch darauf konzentrieren, „den absoluten Rohstoffverbrauch in Deutschland und Europa auf ein nachhaltiges Maß zu reduzieren“ und das Recycling auszubauen, so Laura Weis, Koordinatorin des AK Rohstoffe. Über 90 Millionen Tonnen Metalle werden laut der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe jährlich zur Produktion von Maschinen, elektrischer Ausrüstung oder Automobilen nach Deutschland importiert. Hinzu kommen die vielen Rohstoffe aus verarbeiteten und Vorprodukten. „Dabei übersteigen diese Konsum- und Produktionsmuster die planetaren Grenzen und laufen konträr zu globaler Ressourcengerechtigkeit“, heißt es in dem Positionspapier.

Verstärkte internationale Kooperation unabdingbar

Klar wurde  bei der Konferenz „Weltmeere zwischen Umwelt und Entwicklung“, wie komplex eine nachhaltige Entwicklung und eine nachhaltige Nutzung der Ozeane, Meere und Meeresressourcen entsprechend dem Ziel der UN-Agenda 2030 ist. Eine verstärkte internationale Kooperation ist dazu unabdingbar, so das Fazit der Veranstaltung von Brot für die Welt, Fair Oceans und Forum Umwelt und Entwicklung.