Kochenergie aus Kaffeeabfall

Die letzten Wälder Äthiopiens kämpfen seit Jahren um das Überleben. Um der weiteren Rodung entgegenzuwirken, haben Schweizer ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem ein alltägliches Abfallprodukt in eine zuverlässige Energiequelle umgewandelt wird. Dieser Abfall stammt von nichts geringerem als Äthiopiens größtem Exportprodukt, dem Kaffa Wildkaffee und soll nun die Wälder, das Klima und die Gesundheit der Menschen schützen.

Die Waldfläche in Äthiopien nimmt seit Jahren rapide ab. Wo vor 50 Jahren noch immerhin 40 Prozent des Landes mit Wald bedeckt waren, ist die Fläche heute auf traurige 2,7 Prozent geschrumpft. In der Kaffa-Region ist noch ein kleines Stückchen Bergregenwald übrig geblieben, das seit 2010 zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt wurde. Um den Wald weiterhin zu erhalten, muss allerdings der Holzverbrauch immens gesenkt werden. Da die Haushalte aber auf offenen Feuerstellen kochen und diese mit Feuerholz anheizen, können sie kaum auf das Holz verzichten. Tagtäglich tragen die Frauen der Kaffa-Region schwere Holzbündel nach Hause, um überhaupt den großen Bedarf an Feuerholz decken zu können. Dies hat jedoch nicht nur negative Auswirkungen auf die Natur: Da sich die Feuerstellen im Inneren der Behausungen befinden und ein funktionierender Kamin in der Regel nicht vorhanden ist, sind die Bewohner langfristig dem Rauch ausgesetzt, vor allem Frauen und Kinder.

Wo Kaffa geerntet wird, da fallen auch Schalen…
Die Kaffa-Region in Äthiopien ist der Ursprungsort des Arabica Kaffees und Heimat des fairtrade- und biozertifizierten Kaffa-Wildkaffees. Äthiopien gilt als größter Produzent von Kaffee und exportiert seine Waren weltweit. Der Herstellungsprozess der reinen Kaffa-Kaffeebohne beginnt mit dem Pflücken und dem anschließenden, traditionellen Trocknungsverfahren. Die Kaffeebohnen werden daraufhin geschält, wodurch riesige Mengen an Schalenabfall entstehen. Da die Schalen der Kaffeebohnen sehr schlecht brennen und mehr Rauch als Hitze ergeben, wurden sie bisher von der Bevölkerung nicht als Brennmaterial für die Kochstellen verwendet, sondern zentral verbrannt, um die große Menge an Abfall zu reduzieren.

Das Projektteam der ARGE Kaffa-Kocher hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, diese Abfälle nutzbar zu machen und damit – sozusagen als Nebeneffekt – das Waldsterben einzudämmen. Zusammen mit der Firma güntert energieberatung entwickelten sie einen Pyrolysekocher, der der Kochtradition der Äthiopier gerecht wird und dem die Schalen der Kaffeebohnen als Brennmaterial dienen. Der Pyrolysekocher verbrennt die Schalen nicht, sondern verkohlt diese nur, wodurch Gase entstehen, die zum Brennen gebracht werden und für eine ausreichende Hitze zum Kochen sorgen. Durch dieses Verfahren werden rund 65 – 70 Prozent Energie gespart. Durch den Verkohlungsprozess im Pyrolysekocher entsteht nebenbei Pflanzenkohle, die bestens dazu geeignet ist, den Boden zu düngen und die Felder mit Nährstoffen zu versorgen.

Der Kaffa-Kocher soll nach seiner Entwicklung in Äthiopien von lokalen Handwerkern hergestellt und verkauft werden. Workshops und Schulungen sollen der Bevölkerung zeigen, wie man sie herstellen und benutzen kann.

Crowdfunding für die Kaffa-Region
Das Projekt hat viele ausschlaggebende Vorteile: Der Pyrolyse-Kocher hilft aufgrund der Verringerung der Rauchentwicklung in den Häusern dabei, die Gesundheitsumstände der Betroffenen maßgeblich zu verbessern. Hinzu kommen eine Vielzahl von neuen Arbeitsplätzen für die Produktion der Kocher und die Ausbildung der Handwerker. In der Zwischenzeit hat der Wald die Möglichkeit, sich zu regenerieren, das Klima wird nachhaltig geschont.

Um das Projekt jedoch realisieren zu können, fehlt es noch an finanzieller Unterstützung. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf 174.000 CHF, das sind in etwa 145.000 Euro. Zwar wurde bereits ein Großteil der Kosten durch verschiedene Partner und ein Eigeninvestment der Projekt-Initiatoren gedeckt, dennoch fehlen dem Projekt noch immer Mittel. Ziel ist es nun durch Crowdfunding die noch fehlenden 30.000 CHF zu erhalten, damit die ersten Familien ihre Kocher einsetzen können. Weitere Infos zum Projekt sowie dem Crowdfunding-Status gibt es unter http://www.kaffakocher.ch/.

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