Gemüse aus dem Untergrund

Underground Farm
Underground Farm

So unwahrscheinlich es klingt, es gibt eine Farm mitten im Londoner Stadtteil Clapham. Das Besondere: sie liegt 33 Meter unter der Erde in den stillgelegten Luftschutzbunkern eines U-Bahn-Tunnels. Das unterirdische Nutzgartenkonzept verspricht zahlreiche Vorteile: Die Umgebung ist pestizidfrei, die Lieferwege zu den Verbrauchern sind kurz, der Anbau ist nahezu CO2 neutral und es kann ganzjährige geerntet werden.

Richard Ballard und Steven Dring bauen seit knapp einem Jahr eine Nutzpflanzenfarm im Londoner Untergrund auf. Letze Woche war die offizielle Pressevorstellung des Projekts „Growing Underground“, das von Sterne-Koch Michel Roux unterstützt wird.

Eine bunte Mischung an Gemüse und Kräutern – Salat, Radieschen, Knoblauch, Koriander, Basilikum, und zahlreiche Sprossen – wachsen nun in den Luftschutzbunkern. Geplant ist außerdem eine Erweiterung des Angebots um Erdbeeren, Pilze, Kohl und Tomaten.

Ressourcenmanagement Underground Farm2“100 foot under” Gemüseanbau 33 Meter
unter der Londoner Stadtmitte
©Zero Carbon Food trading as Growing Underground

Seinen Strom bezieht das Unternehmen ausschließlich aus erneuerbaren Energien. Zudem liefern Ballard und Dring das Gemüse nur an Geschäfte und Restaurants in Zentral-London um die Transportwege kurz zu halten. Praktischerweise sind Großmärkte wie der New Convent Garden gleich um die Ecke – ein klarer Vorteil gegenüber Salat und Gemüse, das aus Spanien oder Marokko nach England kommt.

Das Ressourcenmanagement der unterirdischen Farm ist beispielhaft. Statt auf Blumenerde wachsen die Nutzpflanzen auf wiederverwertbaren Kokosfasermatten und werden von Hydrokulturen mit Nährstoffen versorgt. Dieser Ansatz spart Dünger und bis zu 70 Prozent Wasser gegenüber der oberirdischen Landwirtschaft. Das rosafarbene Licht liefern sparsame LED-Leuchten. Bei konstanten 16 bis 20 Grad können die Untergrund-Gärtner fast im Wochentakt ernten. 

Frische Bio-Kräuter aus der Metropole?
Auch wenn sich manch einer zunächst denken mag: ich möchte meinen Salat aber lieber aus der traditionellen regionalen Landwirtschaft, so könnte dieser Ansatz zumindest für die heutigen Megastädte eine sinnvolle Ergänzung sein.

Ressourcenmanagement mit der Underground Farm3

Kurze Lieferwege für die frischen Kräuter und Sprossen
©Zero Carbon Food trading as Growing Underground

Das Stadtgebiet von London erstreckt sich über 1.572 km², die Metropolregion sogar über 8.382 km², ähnlich sieht es bei anderen Mega-Metropolen rund um den Globus aus. Regionaler Anbau, smogfreie Luftqualität und kurze Lieferwege – kaum möglich.

Gerade bei Kräutern verfliegen die Aromen bei Lagerung und längeren Transportwegen sehr schnell. Aus diesem Grund überzeugte das Untergrund-Konzept auch Sternekoch Michel Roux, der das Projekt mitfinanzierte und die frischen Kräuter nutzt. Ein weiterer Vorteil der Lage: in 33 Metern Tiefe gibt es kein Ungeziefer, das mit giftigen Pestiziden bekämpft werden müsste, selbst Ratten lassen sich hier kaum sehen. Somit ist ein Anbau nach Bio-Richtlinien möglich.

Deutsche LED-Technik für internationale Zukunftsprojekte
Dass die Idee von Gemüseanbau im Untergrund funktioniert zeigen auch weitere Projekte. In Kellergewölben unter dem Zentrum der amerikanischen Millionenmetropole Seattle gibt es mit „Urban Harvest“ ebenfalls eine Hunderte Quadratmeter große Gemüsefarm und auch anderenorts entstehen ähnliche Projekte.

  • Das könnte Sie auch interessieren:
  • Ressourcenmanagement: Slow Food – Messe, Markt, Magazin
  • Ressourcenmanagement: Hochhausgemüse
  • Ressourcenmanagement: Urban Gardening – die neue Art der Landwirtschaft
  • Ressourcenmanagement: Wahnsinn Lebensmittelverschwendung

Ermöglicht wird der Anbau auch durch die Weiterentwicklung von speziellen LED-Lichtquellen. Das deutsche Unternehmen OSRAM Opto Semiconductors ist hier einer der Pioniere. Die Richtige Kombination spezieller Lichtfarben, neben weißem Licht beispielsweise tiefe Blau- (450 Nanometer) und Rottöne (660 Nanometer), sorgen für eine genau auf die Bedürfnisse von Pflanzen abgestimmte Beleuchtung.

Wer also als Großstadtbewohner nicht die Möglichkeit hat, frische Zucchini und Kürbisse beim regional ansässigen Bauern oder frische Kräuter auf dem Bauernmarkt zu kaufen, für den könnte das unterirdische Urban Farming eine willkommene Ergänzung werden.

Weitere Informationen zu den beiden Beispielprojekten:
http://growing-underground.com/
http://www.osram.de/osram_de/news-und-wissen/forschung-und-innovationen/urban-farming-mit-led/index.jsp

 

Add comment

Über das CleanEnergy Project

Das CleanEnergy Project ist ein non-profit Online-Magazin für alle Menschen auf der Suche nach mehr Nachhaltigkeit.

Das Team von CleanEnergy Project will Gestalter und nicht nur Zuschauer unserer Zeit sein.

Wir heißen alle willkommen, die sich uns als Autoren unserer Zeit anschließen möchten und bieten dafür unsere Plattform, das CleanEnergy Project.