Erste Recyclingbrücke Europas fertig gestellt

Fünf Millionen Tonnen Kunststoffabfälle landeten im Jahr 2009 in Deutschland im Müll. Davon wurde über die Hälfte energetisch in Müllverbrennungsanlagen verwertet. Im Vergleich zu 2007 nahm diese Quote zu. Zum einen liegt das an den verschiedenen Kunststoffen, aus dem ein Plastikprodukt besteht.

Die Trennung und anschließende Verwertung wird so erschwert. Zum anderen entstehen beim Downcycling minderwertige Produkte wie Pflanzentöpfe und Transportboxen. Der Bedarf an den Resultaten dieses Recyclings ist also gering.

Dennoch hat dem Umweltbundesamt zufolge eine hochwertig werkstoffliche Verwertung prinzipiell die bessere Ökobilanz und ist demnach der Verbrennung vorzuziehen.

Wirtschaftliches Recycling der Kunststoffe

Firmen wie die amerikanische Axion Holding haben erfolgreiche Technologien entwickelt, um die Qualität solcher Sekundärrohstoffe zu steigern. In Kooperation mit der US-amerikanischen Rutgers Universität erbauten sie im April letzten Jahres die weltweit erste Eisenbahnbrücke aus recyceltem Plastik. Milchkannen und Stoßstangen bildeten die Ausgangsmaterialien. Die Brücke befindet sich im US-Bundesstaat Virginia und trotzt den 120 Tonnen schweren Lokomotiven. Solch eine Konstruktion ist im Vergleich zu Stahl auch kostengünstig.In den USA kommt das besonderere Plastik für Balken, Bahnschwellen und Seepfosten zum Einsatz.

Britisches Unternehmen übernimmt Verwertungsstrategie

Indessen fand sich auch in Europa der erste Abnehmer für die speziell aufbereiteten Wertstoffe: Im Juli 2011 bekam Axion eine Anfrage von Vertech zum Kauf des Recycled Structural Composite Material. Das junge Unternehmen aus Wales erhofft sich mit dem Pilotprojekt eine Neuausrichtung der europäischen Konstruktionsindustrie. Für Axion ist dies der erste Verkauf außerhalb der USA.

Im Oktober wurde mit dem Material eine Brücke in Schottland installiert. Die 30 Meter lange Überführung steht in Easter Dawyck in Peeblesshire und wurde erst gebaut und dann aufgesetzt. Dies geschah in rund zwei Wochen. Weil das Material weder rostet noch verrottet, sind keine Wartungs- und Reparaturkosten nötig. Dennoch kann die Brücke die vorgeschriebene Last von 44 Tonnen tragen und ist somit genauso stabil wie die konventionell eingesetzten Materialien. Für die Konstruktion der Überführung wurden 50 Tonnen Plastikmüll eingesetzt.

Die genutzten Haushaltkunststoffe und Autoplastikteile wären ansonsten wohl auf der Deponie gelandet. Ein weiterer Grund, die Recycling Brücke als umweltfreundliche Alternative einzustufen, ist der Wegfall der konventionellen Ausgangsstoffe wie Sperrholz, Laminat und Stahlbeton.

Da Großbritannien vor allem in den ländlichen Gebieten Brücken erneuern muss, werden sicherlich weitere Konstruktionen folgen. Das Pilotprojekt scheint zumindest das Unternehmen Vertech überzeugt zu haben: Für das nächste Jahr ist der Bau einer Fabrik in Nordwales geplant. 

Jenny Lohse

Add comment